Heribert Bayer, großer Negociant Eleveur und Winzer in Neckenmarkt (Burgenland) ist am 28. März 2025 nach einem erfüllten Leben im 84. Lebensjahr verstorben. Er schrieb einen Teil österreichischer Rotwein-Geschichte. Ein Nachruf von Adi Schmid.

Heribert Bayer hat einen großen Teil des Österreichischen Weinwunders nach dem Weinskandal 1985 mitbegründet. Er hatte einen erklecklichen Anteil an einigen der größten Rotweine des Landes, welche bis heute zu den wichtigsten zählen. "Heri", wie ihn seine Freunde nannten, - ich zählte auch dazu - war von Anfang an überzeugt, dass man in Österreich und vor allem in Burgenland das Potenzial hatte, um große Rotweine zu produzieren. 

Und zwar schon Ende der 1970iger Jahre. Seit damals kenne ich Heri. Er schwärmte mir von den tollen Rotweinen des Malteser Schlossweinguts in Mailberg vor. Der Jahrgang 1977 hat es ihm angetan. Dann wurde er ein Fan von Franz Schindler in Mörbisch; dort begann seine Beratertätigkeit. Gemeinsam schufen die beiden die „Cuvee d‘ Or" - erstmals 1985 - ein reinsortiger Blaufränkisch. In späteren Jahren kamen andere Rebsorten hinzu. 100 Prozent Barriquesausbau und Malolaktik - damals alles andere als üblich.

Die nächste Beratertätigkeit führte Heri zu Pepi Umathum nach Frauenkirchen. Hier wurde die Ried Hallebühl - damals wie heute ein reinsortiger Zweigelt - an die Spitze des heimischen Rotweins geführt. Auch der 1987 St. Laurent war weit besser als der gar nicht so kleine Jahrgang. Nächste Station von Heribert Bayer war Feiler-Artinger in Rust. Hier wurde erstmals der „Solitaire" lanciert, erster Jahrgang war 1988. Damals ein reiner Blaufränkisch. Heute ist es eine angesehene Cuvee. Er brachte in diesem Haus auch die trockenen Weißweine auf Vordermann.

Danach ging er nach Mönchhof zum Weingut Pöckl. Es war die Geburtsstunde des „Admiral", erster Jahrgang war 1989. Damals gab es sogar zwei Admiräle. Einen Zweigelt und einen St.Laurent, mit dem Schmetterling am Etikett. Ab dem Jahrgang 1990 kam der Admiral als Cuvee mit dem charakteristischen rot-schwarzen Etikett. Bis heute einer der wichtigsten Rotweine des Landes. Beim Weingut Stadlmann in Traiskirchen (Thermenregion) war es dann trockener Weißwein wie der Zierfandler, den Heri Bayer weiterentwickelte.

Mit der Zeit gewann er die Überzeugung, dass man nur in einem eigenen Weingut Weine ohne jeden Kompromiss schaffen kann. Der Zufall wollte es, dass er einen 1994 Pinot Noir vom Franz Sommer in Mörbisch probierte. Er erkannte sofort das Potenzial des Weines und fragte Franz Sommer, ob er ihm diesen Wein überlassen könnte, um ihn selbst auszubauen. Gesagt, getan. Dies war die Geburtsstunde von „In Signo Leonis" - im Zeichen des Löwen. Penibel ausgebaut in neuen Hölzern. Ein Traum von Pinot Noir. Franz Sommer gestand mir Jahre später, dass er das Potenzial dieses Weines nicht erkannt hatte. Heri hatte immer eine Nase für Grundweine. Er war ein bemerkenswerter Jungweinverkoster, der exakt die Zukunft des jeweiligen Weines voraussagte. In "meinem" Wiener Steirereck verkaufte ich damals 800 Flaschen von diesem Wein. 

Im Jahr 1997 ging Heribert Bayer nach Neckenmarkt und gründete das Weingut „Heribert Bayer - In Signo Leonis" und die gleichnamige Rotweincuvee. Heribert Bayer hatte von Anfang an Zugriff auf die besten Parzellen und Grundweine des Neckenmarkter Hochbergs. Vor allem der Blaufränkisch hatte es ihm angetan. Die Erfolgsgeschichte von In Signo Leonis hält bis heute an.

Mit den Sternzeichen ging es weiter. Mit "In Signo Tauri" - im Zeichen des Stieres - kam ein Pinot Noir hinzu. Sohn Patrick kreierte gleichzeitig "In Signo Sagitarrii" - im Zeichen des Schützen - ein 100 Prozent Blaufränkisch. Es fehlte noch ein großer Weißwein. Er hieß dann "Albatros". Die Trauben kamen Anfangs vom Weingut Krug aus Gumpoldskirchen. Später und bis heute kommen die Chardonnay-Trauben vom Weingut Hammer aus Rust. 

Der größte Verdienst von Heribert Bayer ist der Umstand, das sein Sohn Patrick das Weingut absolut friktionsfrei und in größter Harmonie übernehmen und es bis heute an der Spitze der heimischen Weingüter halten konnte, internationales Standing hat. 

Anlässlich seines 80. Geburtstags machte Heri seinen letzten großen Rotwein namens "Einmalig", Jahrgang 2019, reinsortig Cabernet Sauvignon. Ein Unikat und dieser Wein wird einmalig bleiben. Er schuf diesen großen Rotwein nach seinem Vorbild Chateau Latour. Heri hat sich immer mit den Besten der Welt gemessen.

Nun hat Heri den Korkenzieher zur Seite gelegt und stieg nach einem erfüllten Leben zu Gott Bacchus hinauf, wo er mit Sicherheit die himmlische Weinwelt revolutionieren wird.