Vinaria Tipps: Die besten Bordeaux 2018

Vinaria Tipps: Die besten Bordeaux 2018

Vinaria Tipps: Die besten Bordeaux 2018

Bereits im Vorfeld der heurigen En-Primeur-Verkostungen als großer Jahrgang apostrophiert, hat 2018 tatsächlich eine ansehnliche Anzahl herausragender Rotweine hervorgebracht, doch findet man auch Mittelmaß und manche Enttäuschung – kein Wunder, gab es in diesem klimatisch zwiegespaltenen Jahr große Herausforderungen zu bewältigen.

Häufig wechselnden Weintrends zum Trotz steht keine andere Weinbauregion weltweit Jahr für Jahr derart prominent im Rampenlicht wie Bordeaux. Das verwundert kaum, ist doch diese mit rund 110.000 Hektar größte aller klassischen Herkünfte nicht nur Heimat vieler der legendärsten Weingüter der Welt, sondern auch Hunderter weiterer Châteaux, deren Renommee rund um den Globus reicht.

Alljährlich im Frühjahr erfolgt im Zuge der En-Primeur-Verkostungen quasi die erste Weinbeschau des jüngsten Jahrgangs. Oft kostet man bestimmte Weine an verschiedenen Orten; dabei kann man auch ziemliche Schwankungen erleben. Kein Wunder, handelt es sich doch um Fassproben, die manchmal ein wenig in der Komposition abweichen können und vor allem zu unterschiedlichen Zeiten gezogen wurden.

Spiel der zwei Hälften - In diesem Jahr stand der in vielen Regionen Europas klimatisch außergewöhnliche Jahrgang 2018 auf dem Prüfstand. Ein Jahrgang, der seines Wetterverlaufs wegen in Bordeaux auch als Spiel der zwei Hälften bezeichnet wurde (in Anlehnung an die Fußballweltmeisterschaft, bei der Frankreich ja den Titel holte): anfangs pfui und später hui. Ende gut, alles gut also? So einfach ist es nicht.

Was man ohne Zweifel sagen kann, ist, dass es sich im Rotweinbereich um einen sehr reifen und kräftigen, teils wuchtigen Jahrgang mit oft wunderbar frischer, oft dunkel getönter Frucht sowie guten Gerbstofflevels und eher dezenter Säure handelt. Manche Chateaux haben fraglos große Rotweine erzeugt, andere wiederum haben weniger erfolgreiche Exempel hervorgebracht. Die Erntemenge liegt insgesamt über die gesamte Region im Durchschnitt, lokal gab es von Übermenge bis zum Totalausfall alles.

Das Ausmaß der durch Peronospora verursachten Schäden war teils sehr unterschiedlich. Es hing von Gegend, Weingarten und Mikroklima ebenso wie vom Weingut und den dort angewendeten Bewirtschaftungsweisen und Strategien in Sachen Pflanzenschutz ab. Die Lese starteten manche Winzer mit den blauen Sorten (erst Merlot, dann die Cabernets) besonders früh, um Frische und Säure zu erhalten und Überreife zu vermeiden. Andere pochten auf fehlende physiologische Reife und ernteten spät. Die Ernte der Rotweinsorten reichte folglich von Beginn der zweiten Septemberwoche bis teilweise deutlich in die zweite Oktoberhälfte hinein.

Wucht mit Frucht - Die Rotweine aus 2018 bestechen im idealen Fall durch wunderbar frische und transparente, eher dunkel getönte Beerenfrucht. Aufgrund der hohen Zuckergradationen sind die Weine oft sehr kraftvoll bis wuchtig, wobei natürlich die früher gelesenen Exempel hier die Ausnahme bilden. Auch im Médoc gibt es 2018 sehr viele Weine jenseits der 14 Prozent Alkohol, was auch auf die besonders hohe Zuckerreife der Cabernets hinweist, die Merlots ungewöhnlicherweise nicht überall erreicht haben. Die Säurewerte sind ziemlich niedrig, die pH-Werte erwartungsgemäß erhöht. Die hohen, aber nicht exorbitanten Tannine präsentierten sich in den zahlreichen gelungenen Weinen nicht nur als Strukturbringer, sondern auch als Auffrischer im Sinne eines partiellen Säureersatzes. Zudem wirken die Rotweine vielfach überraschend zugänglich.

Einige Highlights - In St. Émilion gefielen diesmal Cheval Blanc und Ausone herausragend, knapp dahinter der wieder krass verbesserte Angelus sowie Peby Faugeres und Pavie Macquin, dazu wieder einmal Pressac und auch Canon. In Pomerol strahlt Petrus heuer besonders hell – er zählt zu den besten Weinen des Jahrgangs; herrlich ist auch Trotanoy. Exzellent der elegante Conseillante sowie Vieux Château Certan und Evangile. Unter den weiteren besonders gut sind Certan de May, Gazin und La Clemence.

Aus Pessac-Leognan und Graves gibt es ein paar Überraschungen im Rotweinbereich. La Mission und Smith Haut Lafitte sowie auch wieder Haut Bailly gefielen am besten, etwas gehemmt schien Haut-Brion – abwarten. Exzellent auch Domaine de Chevalier und Les Carmes Haut Brion.

In St. Éstèphe ist Cos d’Estournel wieder am besten, auch Montros sowie Calon Ségur sind toll. Von den Premiers in Pauillac gefielen der mächtige Latour und der charaktervolle Mouton Rothschild am besten, herausragend wieder Pontet-Canet sowie Pichon Baron und Lynch Bages. Knapp dahinter folgten die Comtesse und Lafite. Ducru Beaucaillou und Léoville Las Cases zählen zur absoluten Spitze in St. Julien; toll sind auch die anderen beiden Léovilles sowie der hervorragende Beychevelle und Clos du Marquis. Margaux scheint etwas heterogener, aber Palmer ist einer der Weine des Jahrgangs – Minimenge, Topqualität! Ausgezeichnet präsentierten sich weiters Margaux, Rauzan-Segla, Brane Cantenac und Giscours.

Gut 500 Weine habe ich innerhalb von fünf Tagen in Bordeaux verkostet; rund 220 davon beschrieben. Einige tolle Weine, die mir besonders in Erinnerung geblieben sind, will ich besonders hervorheben – ohne alle Topweine zu erwähnen. Dazu sind einige Preis-Leistungs-Weine.

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Peter Schleimer

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