Robert Parker (72) tritt endgültig ab

Robert Parker (72) tritt endgültig ab

Robert Parker (72) tritt endgültig ab

Dieser Tage wurde der endgültige Rückzug in die Pension von Weinkritiker-Legende Robert Parker Jr. (72) verkündet – von seiner Nachfolgerin als Chefredakteurin von The Wine Advocate, Lisa Perotti-Brown: ‘It is with mixed feelings that I announce that Robert M Parker Jr will be formally hanging up his wine criticism boots and retiring from Robert Parker Wine Advocate“, schrieb Perotti-Brown auf der Homepage des „Advocate“. Parker hängt also seine Kritiker-Stiefel für immer an den Nagel.

Robert Parker prägte wie kein anderer die weltweite Weinkritik und beeinflusste wie kein anderer das internationale Preisgefüge bei Spitzenweinen. 100 PP, die hundert Parkerpunkte, sind nach wie vor das höchste Gut einer Weinbewertung, wenn auch starke Konkurrenz in den vergangenen Jahren viel Terrain aufholen konnte. Parker schaffte den internationalen Durchbruch mit dem Bordeaux-Jahrgang 1982.

Danach gab es kein Halten mehr, über gut zwei Jahrzehnte setzte eine wahre Parker-Hysterie ein, die von Frankreich aus die Weinmärkte in Spanien und Italien erfaßte. Dazu die wichtigsten Absatzmärkte der Welt, von Großbritannien bis in die USA, von Frankreich bis Russland und China, von dort ganz Asien. Seine Weinbewertungen sind nach wie vor international ein maßgeblicher Faktor zur Preisbildung auf dem Weinmarkt. Das Urteil Parkers war lange Zeit die bestimmende Macht in der Weinbewertung. Kein anderer Kritiker kam mit seinen Wertungen dem Gewicht von Parkers Wertungen gleich.

Wie gesagt, die Konkurrenz ist mittlerweile dichter und gewichtiger geworden. Vielerorts werden die Parker-Bewertungen hinterfragt. Vor allem auch die von Parker jahrzehntelang forcierten Weinstilistiken, Stichwort: fette Bordeaux-Brummer. Der Begriff der „internationalen Stilistik“ erhielt dabei besonderes Gewicht. Soll heißen: weltweit wurde im Rennen um 100 Punkte versucht, Weine in der Stilistik zu machen, die Robert Parkers Geschmack entsprachen. Er selbst schätzte von den Herkünften vor allem Bordeaux und Kalifornien.

Die Parker-Punkte mögen international eine Benchmark sein. National haben nach wie vor, vielleicht mehr denn je, viel tiefer gehenende Weinbewertungen aus den jeweiligen Ländern mehr Gewicht und jedenfalls viel mehr Breite. Ob das jetzt „Vinum“ in Deutschland und der Schweiz ist oder „Gambero Rosso“ und „Merum“ für italienische Herkünfte, „Vinaria“ in Österreich oder „Le Revue du Vin de France“ als französisches Standardwerk. Viele von ihnen aus gutem Grund mit dem 20 Punkte-System arbeitend.

Parker zog sich in den vergangenen Jahren sukkzessive aus den Geschäften seiner Unternehmensgruppe zurück, auch aus dem Herzstück The Wine Advocate, Print- und Onlineplattform mit Verbreitung in gut 40 Ländern der Welt. Die Macht des Systems Parker ist vor allem in den USA und der Neuen (Wein)Welt sowie in den zu Überhitzung neigenden Märkten Asiens weitgehend ungebrochen.

Der Meister selbst verabschiedete sich bereits 2015 aus einer seiner Domänen, der Bordeaux-En Primeur-Verkostung und übergab an seinen dortigen Nachfolger Neal Martin. Bereits drei jahre vorher, 2012, verkaufte Parker die Kontrollmehrheit seines Imperiums an asiatische Investoren. Der Rest von rund 40% der Anteile wurde dann 2017 an Michelin verkauft, den Verleger der berühmten Guides Michelin. Damit war die Fusion des Weinkritik-Konzerns mit dem Gourmetkritik-Imperium fix. Beide mit ähnlichen Problemen.

Seine Liebe zum Wein entdeckte Robert Parker, gelernter Rechtsanwalt aus Baltimore (USA), im Zuge der Eroberung seiner wahren Liebe, nämlich seiner Frau Patricia. Sie studerte 1967 im Elsaß in Frankreich, Robert kam zu Besuch. Von da an war es um Parker geschehen, in Sachen Wein ebenso wie in Sachen seiner Frau, mit der er nach wie vor verheiratet ist. 1978 startete er The Baltimore-Washington Wine Advocate, den er schon ein jahr später in den dann berühmten The Wine Advocate umbeannte.

www.robertparker.com
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