VIA VINEUS führt weiter nach Oberösterreich

VIA VINEUS führt weiter nach Oberösterreich

VIA VINEUS führt weiter nach Oberösterreich 

Halbzeit auf der VIA VINEUS: Der nächste Tourstopp führt ins Landhotel Forsthof in Sierning, wo mit Andreas Jechsmayr und Reinhold Baumschlager gleich zwei VINEUS-Preisträger die österreichische Weinkultur hochhalten. Das Gespräch mit dem Sommelier-Staatsmeister und dem weinaffinen Wirt beleuchtet, warum die beiden ein unschlagbares Doppel abgeben.

In der kleinen Gemeinde Sierning im Steyrertal, am Ortsrand, gleich nach einer recht selbstbewussten Rechtskurve, steht ein liebevoll restauriertes Gasthaus mit zartrosa Fassade, wie man es am Land öfter mal zu Gesicht zu bekommt. So weit, so unaufgeregt. Wäre in diesem gastronomischen Kleinod nicht ein Wirt am Werk, der es seit 20 Jahren wie kein anderer versteht, seine Leidenschaft für exzellente Gastfreundschaft, regionale Kulinarik und herausragenden Wein an seine Gäste weiterzugeben. Und ein Sommelier, der angeblich Rotwein lange Zeit nur in Kombination mit Coca Cola im Halbliter-Glas konsumierte – und heute amtierender österreichischer Sommelier-Staatsmeister ist. Wie es dazu kam, dazu kommen wir noch.

Vier Stammtische gibt es im Forsthof. Das ist Baumschlager wichtig, weil sein Haus nie nur ein über die Landesgrenzen hinaus bekanntes Seminar-, Wein- und Kulinarik-Ziel sein sollte, sondern auch ein Wirtshaus fürs Dorf. Kein einfacher Spagat – aber Reinhold Baumschlager scheint es mit bemerkenswerter Leichtigkeit zu gelingen. Das Rüstzeug, sich im Forsthof zu etablieren, hatte Baumschlager sich unter anderem als Sommelier im Arlberger Hospiz und als Weineinkäufer für die Münchner Geisel-Hotel-Gruppe zugelegt.

„In Sierning haben mich die Leut‘ anfangs schon blöd angeschaut, als ich die Weinkarte aufpoliert hab“, lacht er. „Beim Baumschlager konnte man plötzlich auch Weine für 1.000 Schilling pro Flasche trinken! Da war was los …“ Heute ist das Beste im Glas im VINEUS Weinhotel des Jahres 2011 längst ganz normal und keineswegs unvernünftig teuer – auch wenn in Baumschlagers über 1.000 Positionen umfassenden Weinkellern natürlich auch Elitäres lagert, allen voran weiße Schätze aus Österreich und dem Burgund.

Auftritt Andreas Jechsmayr, seit Juli 2018 Chef-Sommelier im Forsthof und seit vielen Jahren mit Reinhold Baumschlager befreundet. Jechsmayer, der ehemals für die Weinkompetenz des „Projekt Spielberg“ zuständig war und dafür den VINEUS 2013 einheimste, war grade so eingearbeitet, da gab der Wirt ihm eine Spezialaufgabe. „Die österreichische Sommelier-Staatsmeisterschaft stand an und der Reinhold hat gesagt: Du gehst da hin, weil wir haben keinen einzigen oberösterreichischen Sommelier, der dort antritt. Ich hab gedacht, er ist wahnsinnig geworden … bei der Konkurrenz!“ meint Jechsmayer, ging aber trotzdem - und gewann.

Bei der Sommeliers-WM im März 2019 durfte er Österreich vertreten, am Ende reichte es für Platz 22. Wein trinken – am liebsten Süßwein und Grünen Veltliner – und nicht nur verkosten, kann auch Jechsmayr jetzt wieder, wo die WM vorbei ist. Zumindest so lange, bis er seine Vorbereitung für den Mastersommelier in London wiederaufnimmt. Der Ehrgeiz des Spätberufenen ist ungebrochen groß. An diesem Punkt müssen wir auf das Gerücht zurückzukommen, Andreas Jechsmayr hätte bis Mitte Zwanzig Wein grundsätzlich nur mit Coca-Cola getrunken hat. „Tja. So war’s“, schmunzelt er. „Bei uns in der Gegend war Cola Rot die erste Wahl, und ich hatte sogar schon ein Job-Interview als Außendienstmitarbeiter bei Coca Cola“, erzählt er. Den Überredungskünsten seiner Schwester ist es zu verdanken, dass er in der Gastronomie blieb, die Weinakademie absolvierte – und mit 27 Jahren endlich anfing, Wein pur zu trinken. Verdammt gute Entscheidung, finden wir.

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