Große Gewächse 2016 Trockene Top-Rieslinge

 Große Gewächse 2016 Trockene Top-Rieslinge

Große Gewächse 2016 – Trockene Top-Rieslinge


Bei der VDP-Vorpremiere werden jedes Jahr Weine aus ganz bestimmten klassischen Sorten aus den allerbesten klassifizierten Lagen – vulgo „Grosse Lagen“ – der Mitgliedsweingüter zur Verkostung an. Zugelassen sind dort ausschließlich trockene Weine – als Grosses Gewächs dürfen sich nämlich nur derart ausgebaute Vertreter bezeichnen, die restsüßen Weine dürfen lediglich als „Grosse Lage“ unter Angabe der Prädikatsstufe vermarktet werden. Anfang September kommen nun insgesamt 620 neue VDP Grosse Gewächse – 466 Weiß, 154 Rot – aus 173 Weingütern erstmals auf den Markt, was wiederum einen neuen Rekord darstellt. Stammt der überwiegende Teil der Weißweine aus dem vergangenen Jahrgang 2016, dazu gibt es aber auch einige Vertreter aus 2015, so kommen die Rotweine mehrheitlich aus dem Jahr 2015, einige aus davorliegenden Jahren. Unter den zugelassenen Sorten nimmt Riesling die überragende Rolle ein (354 Vertreter), dazu sind in Weiß aber auch – je nach Herkunft – Sylvaner, Weißer und Grauer Burgunder sowie Chardonnay und ein einziger Roter Traminer zugelassen. Im Rotweinbereich sind neben Spätburgunder auch Lemberger sowie ein Frühburgunder dabei.
Bei der VPD-Vorpremiere in Wiesbaden wurden heuer gut zwei Drittel dieser Grossen Gewächse vorgestellt: etwa 420 Weine, also wesentlich mehr als man in zwei Tagen kosten kann. Wie in den vergangenen Jahren nahmen wir die Riesling ins Visier, die mehrheitlich aus dem in Deutschland von ziemlichen Turbulenzen geprägten Jahrgang 2016 stammten.

Nach einem außergewöhnlich milden Winter ohne Frost und Schnee gab es ein kühles, regnerisches erstes Halbjahr, in dem bereits im Mai Pilzinfektionen in Form von Peronospora auftraten. In dieser Phase waren intensive Laubarbeiten und vorausschauende Pflanzenschutzmaßnahmen essenziel. Feucht bis nass ging es bis Ende Juli, dazu kamen lokale Widrigkeiten in Gestalt von Frost und Hagel. Ende des Monats kam endlich Entspannung, das Wetter wurde warm und (teils sehr) trocken, und so blieb es auch mit wenigen Unterbrechungen bis weit in den Herbst hinein. In dieser Phase konnten sich die Trauben erholen und die Reife voranschreiten. Positiv waren die ab September zunehmend deutlichen Temperaturschwankungen zwischen den teils noch recht heißen Tagen und den Nächten. Die ab Mitte des Monats startende Lese verlief unter günstigen Bedingungen bis in den November hinein.
In allen Weinbaugebieten Deutschlands findet man sehr gute Qualitäten, aber auch nicht ganz so gute – besondere Sorgfalt im Weingarten war in diesem Jahr sicher wesentlich, doch ist auch das ganz allgemein und oft über viele Jahre kultivierte Qualitätsverständnis stets ein ganz wichtiger Faktor. Die Rieslinge präsentieren sich ausnehmend fruchtig und transparent, sind eher elegant gebaut und im Alkohol etwas leichter als etwa die 2015er.

Ebenso oder vielleicht sogar noch mahr als in den vergangenen Jahren haben die Erzeuger der Nahe mit einer beachtlich hohen Durchschnittsqualität und sehr vielen exzellenten Weinen beeindruckt: An der Spitze stehen wohl Dönnhoff und Schäfer-Fröhlich, aber auch Dr. Crusius und Kruger-Rumpf zählen zu den Spitzen. Von Mosel-Saar-Ruwer kommen auch jede Menge sehr gute Weine, neben Heymann-Löwenstein, Schloss Lieser und Maximin Grünhaus hat heuer Dr. Loosen eine sehr erfolgreiche Serie voirgelegt. Den Vogel schießt aber heuer wohl Van Volxem ab – ganz großartig!
Im Rheingau findet man ein breites Sortiment an sehr guten Weinen, wobei viele Produzenten mit ein bis zwei Weinen zu gefallen wussten: Peter Jakob Kühn, Flick, Von Oetinger, Spreitzer, Leitz und wie immer Künstler sowie Prinz mit seinen eleganten Vertretern. Von den Rheinhessen-Weingütern überzeugten heuer Gunderloch, Kühling-Gillot und Wagner-Stempel, dazu auch Battenfeld-Spanier und Wittmann; insgesamt war das Gebiet aber nicht ganz soi beeindruckend wie in manch anderen Jahren. Die Pfalz ist mit einer hohen Dichte an ausgezeichneten Produzenten gesegnet, wobei die Oberklasse jedes Jahr größer zu werden scheint. Sehr gute bis hervorragende Qualitäten fanden wir bei in Österreich weniger bekannten Erzeugern wie Philipp Kuhn, Fritz Ritter, Pfeffingen und Achim Magan, teils beachtlich heuer Reichsrat von Buhl und Müller-Catoir, gewohnt hohe Qualitäten kommen von Bassermann-Jordan, an der Spitze wiederum von Winning und Mosbacher sowie Bürklin-Wolf. In Franken schließlich kamen die für uns besten Vertreter vom Bürgerspital zum Hl. Geist, von Ludwig Knoll und Rudolf Fürst.
Aus der umfassenden Sortengruppe der Rieslinge stellen wir in der kommenden Vinaria eine Auswahl der besten Grossen Gewächse vor – Weine, die besonders herausragten und eine relativ sichere Zukunftsprognose ermöglichen. Es fehlen einige Weine, die vermutlich großes Potenzial aufweisen, aber sich allzu verschlossen präsentierten; diese werden wir ggf. zu einem späteren Zeitpunkt nachreichen.

 

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