Die besten Barolo DOCG 2015 & Riservas gereift

Die besten Barolo DOCG  2015 & Riservas gereift

Die besten Barolo DOCG 2015 & Riservas gereift

Viel Sonne kennzeichnete das Barolo-Jahr 2015. Dennoch ist es kein typischer Hitzejahrgang geworden, so das Ergebnis des großen Vinaria Barolo-Tastings. Kühle Nächte rund um die Lese sowie umfassendes Weingartenmanagement waren die Garanten für einen großartigen Nebbiolo-Jahrgang. Dieser begeistert mit strukturierter Fruchtfülle und reifen Tanninen in harmonischer Balance von Kraft und Eleganz.

Die Nebbiolo-Rebe stellt hohe Ansprüche an Boden und Klima. In Toplagen des Barolo-Gebiets, die als MeGA klassifiziert, entstehen terroirbetonte Weine mit großer Finesse und Lagerfähigkeit, vergleichbar mit den großen Lagenweinen des Burgunds. Eine Komponente dieser terroirsensiblen Sorte bildet aber einen maßgeblichen Faktor: das Tannin. Es bestimmt geschmacklich die Charakteristik des Nebbiolo gleichermaßen wie es für die Struktur, Reife und für die Qualität des Weins verantwortlich ist.

Große, ausdrucksstarke Barolo-Weine besitzen immer eine reife Tanninstruktur, die durch eine lange Vegetationsphase erreicht wird. Ist die Durchschnittstemperatur während der sommerlichen Traubenreife zu hoch, wie es bei einem Hitzejahr der Fall ist, so erfolgt die Ernte aufgrund der physiologischen Vollreife (= Zuckerreife in den Trauben) sehr früh. Sind zum Zeitpunkt der Ernte aber die Tannine des spätreifenden Nebbiolo noch nicht voll ausgebildet (= phenolische Reife), so fehlen diesen Weinen nach Jahren der Reife meist die Harmonie und die Komponenten zur Bildung komplexer Geschmacksstrukturen.

Die unreifen Tannine sind bei einer Jungweinverkostung nicht unbedingt gleich erkennbar, da diese Weine meist durch eine vordergründige Fruchtfülle begeistern. Erst nach Jahren der Flaschenreife werden die Strukturdefizite dieser schnell alternden und unharmonischen Weine offenkundig. Gerade in den Hitzejahren 2011, 2007 und 2003 zeigten etliche Weine diese Symptome, ein Faktum, auf das die Vinaria-Verkostungen der letzten Jahre stets hingewiesen haben.

Herausragend - 2015 kann als herausragender Barolo-Jahrgang eingestuft werden. Einige Vertreter verweisen mit lebendiger Fruchtigkeit, feiner Säurestruktur und gut integrierten Tanninen auf ein kühleres, also klassisches Jahr. Andere wiederum lassen auf die Reife eines warmen Sommers mit der Fruchtüppigkeit und Überreife von Hitzejahrgängen schließen. Die Monate April bis August sowie das gesamte Jahr 2015 waren wärmer als der Zehnjahresdurchschnitt von 2007–2016. Reife Tannine und ein pointiertes Säurespiel waren in diesem Jahrgang entscheidende strukturgebende Komponenten, die die hohen Alkoholwerte bis 14,5 Volumprozent perfekt integrierten.

Top of Barolo 2015 – Von den 58 verkosteten Barolo-Weinen kamen 24 Weine in die Topliste, davon erhielten 22 Weine die höchste Vinaria-Auszeichnung von 5 Sternen. Oder mathematisch interpretiert: fast die Hälfte der teilnehmenden Weine wurde mit der höchsten Bewertungsklasse ausgezeichnet: ein Rekord!

Elvio Cogno vom gleichnamigen Weingut aus Novello brillierte mit seiner harmonisch strukturierten Lagencuvée Cascina Nuova und das Weingut Giacomo Fenocchio aus Monforte d’Alba – von Claudio in fünfter Generation geführt – hat aus der MeGA-Lage Villero in Castiglione Falletto einen finessebetonten Barolo gezaubert. Beide Winzer verfolgen meisterhaft eine Philosophie der traditionellen Weinbereitung in großen Fässern.

Die hochprämierten Weine kamen von Betrieben, die über die letzten Jahre des Vinaria Barolo-Tastings kontinuierlich am Siegerpodest standen, also als Garanten höchster Qualitäten gelten. La Spinetta aus Castagnole Lanze ist mit dem in moderner Stilistik vinifizierten Campè aus der MeGA-Lage Garretti seit Jahren ein Fixstarter auf dem Podium der Topweine. Ebenso hinzuzuzählen sind die MeGA-Topweine von Luigi Pira, Massolino, Conterno-Fantino, Guido Porro und Cavallotto. Besonders erfolgreich hervorgetreten sind heuer das traditionelle Familienweingut Boglietti in La Morra und das Weingut Schiavenza in Serralunga.

Hinsichtlich Stilsicherheit und Qualität am Toplevel angelangt sind Luigi Oddero, der nach Aufteilung des Familiengutes zu einer eleganten Weinbaulinie gefunden hat, und das traditionelle Familienweingut Poderi Oddero in La Morra. Das 1878 gegründete und seit 2017 biozertifizierte Weingut wird von den Geschwistern Maria Cristina und Maria Vittoria unter Einbindung der Kinder Isabella und Pietro geführt und ist für die kräftigen wie eleganten Weine in klassischer Prägung bekannt.

Die Barolo Riserva-Kompetenz - Parallel hat Vinaria eine Auswahl von Riserva 2013 und 2012 als auch Late-release-Barolos aus den Jahrgängen 2013 und 2014 verkostet. Die Riserva ist durch die DOCG klar geregelt und hat laut Produktionsregeln eine Mindestlagerzeit von 62 Monaten zu erfüllen. Riserva kommt also nach sechs bis sieben auf die Ernte folgenden Jahren in den Handel, ist dementsprechend teuer und soll die Spitze der Qualitätspyramide repräsentieren.

Die beiden Riserva-Weine vom Weingut Cavallotto (Vigna San Giuseppe) und Luigi Oddera (Vigna Rionda) stellen dies eindrucksvoll unter Beweis. Zudem ist der Barolo-Markt inzwischen dahingehend sensibilisiert, dieses aufwendige Produktionsverfahren nicht unbedingt auf das Etikett zu schreiben, sondern durch die MeGA-Lagenbezeichnungen (wie bei Ceretto oder Massolino) zum Ausdruck zu bringen.

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Toplist Barolo 2015 DOCG (Auszug)

18,2 Elvio Cogno, Barolo Cascina Nuova
18,2 Fenocchio, Barolo Villero
18,1 Luigi Pira, Barolo Marenca
18,1 Schiavenza, Barolo Broglio
18,0 La Spinetta, Barolo Campè
18,0 Sordo, Barolo Gabutti
18,0 Boglietti, Barolo Brunate
17,9 Massolino, Barolo Margheria
17,9 Schiavenza, Barolo Serralunga
17,8 Fenocchio, Barolo Bussia
17,8 Brezza, Barolo Sarmassa
17,7 Francesco Rinaldi, Barolo Brunate
17,7 Francesco Rinaldi, Barolo Cannubi

Toplist Barolo Riserva 2012/2013 & 2014 DOCG (Auszug)

18,5 Cavallotto, 2013 Barolo Riserva Bricco Boschis Vigna San Giuseppe
18,4 Luigi Oddero, 2013 Barolo Riserva Vigna Rionda
18,0 Elvio Cogno, 2013 Barolo Riserva Ravera Vigna Elena
17,8 Francesco Rinaldi, 2013 Barolo Riserva Cannubi
17,5 Massolino, 2014 Barolo Parafada
16,8 Ceretto, 2012 Barolo Bricco Rocche
16,8 Demarie, 2012 Barolo Riserva
16,7 Giuseppe Mascarello, 2014 Barolo Monprivato 

BAROLO INFO

DOCG – Denominazione di origine controllata e garantita – ist die höchste Qualitätsstufe in der Pyramide der kontrollierten und geschützten Ursprungsbezeichnungen in Italien. Produktionsrichtlinien, Rebsorten und Anbaugebietsgrenzen sind in der DOCG streng geregelt. Sehr selten – wie z. B. bei Gaja – findet sich am Etikett die gleichwertige DOP-Bezeichnung (Denominazione di origine protetta), das als neues Regulativ im Zuge der EU-Weinmarktreform 2009 eingeführt wurde.

Anbaugebiet Barolo DOCG: 11 Gemeinden südlich der Stadt Alba
Fläche/Produktion: 1800 ha/ca. 11 Millionen Flaschen
Traubensorte: 100% Nebbiolo
Höchstertrag: 8000 kg Trauben/ha (mit MGA und Nennung des Weinbergs 7200 kg/ha)
Mindestalkohol: 13,0 Vol.-%
Vorgeschriebene Lagerzeit: 38 Monate (ab 1. November), davon 18 Monate im Holzfass (Riserva: 62, davon 18 Monate in Holz)
MGA: fakultativ darf eine der 181 offiziellen geografischen Zusatzbezeichnungen auf dem Weinetikett aufscheinen.

MGA – Offizielle Lagenbezeichnungen des Barolo Seit dem Jahrgang 2010 gelten für Barolo DOCG 181 offizielle Lagenbezeichnungen, die Menzioni Geografiche Aggiunte (= Ergänzende geografische Angaben), kurz: MGA, und Weinbergsnamen (Vigna). MGA zeichnen besondere Barolo-Lagen aus, ohne diese zu klassifizieren, wie dies im Burgund bzw. Deutschland (Große Lage/Erste Lage) der Fall ist. Die offiziellen MGA-Crus sind nicht verpflichtend am Etikett anzuführen, vielmehr bieten sie Hilfe zur Unterscheidung von traditionellen Orts- und modischen Fantasiebezeichnungen oder Markennamen.

Uwe Schögl

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