Adi Schmid: „Weine, die mich berühren“

Adi Schmid: „Weine, die  mich berühren“

Adi Schmid: „Weine, die mich berühren“

Sommelier- und Steirereck-Legende, Vinaria-Verkoster & -Autor: Adi Schmid beschreibt einige besondere Weine, die ihn beim Genuss berührt haben, im wahrsten Sinne des Wortes.

Nach einem Opernbesuch - in diesem Fall Les Troyens von Hector Berlioz - ist es mir unmöglich gleich zu Bett zu gehen. Da schreit mein Körper nach gereiftem Wein. Da kam mir der 1997 Riesling Auslese von Lackner-Tinnacher aus Steinbach/Gamlitz gerade recht. Dass der Korken am Flaschenhals gepickt ist und es einige Mühe gekostet hat, diesen herauszuziehen, machte mich etwas unruhig. Aber es war alles gut. Ein großartiger Wein: karamellige Rieslingnase, getrocknete Marillen, perfektes Süße-Säurespiel, dicht, voll, kompakt, ungemein saftig, hochelegant. Ein außergewöhnliches Südsteirisches Weinerlebnis, das die Opulenz dieser gewaltigen Oper perfekt abrundete und mich träumend der Gründung Roms beiwohnen ließ. 18,7 von 20 Punkten

Ich befürchte, dass ich die letzte Flasche von der 1983 Beerenauslese Welschriesling (0,5 L ) aus Gumpoldskirchen vom Stift Heiligenkreuz/ Freigut Thallern genossen habe. Was für ein Wein, goldfarben, Juchtenleder, sehr schöne Botrytis, nie zu süß, tolle Länge, perfekt balanciert, gereift und zeitlos, enorme Tiefe. Gumpoldskirchen at it‘s best. 19/20

Taxfrei 20 Punkte vergebe ich für eine sensationelle Flasche des 1999 Riesling Smaragd Singerriedel von Franz Hirtzberger aus Spitz/Donau. Ein absoluter Ausnahmeriesling aus einem tollen Jahrgang. Gelesen am 21., 24. November und 1. Dezember 1999. Ein betörendes Bouquet von reifen Marillen entströmt dem Glas, dezenter Pilzton, Hauch von Citrus, extraktreich, dabei subtil und kühl, voller Noblesse, feinste Frucht. Besser geht nicht, nur anders. 20/20

Noch ein Super Wachauer Riesling – 1986 Spätlese Zwerithaler Jamek Joching (Magnum) - , der erste Jahrgang aus dieser Riede des Hauses Jamek. Dieser Wein ist nach fast 33 Jahren auf der Flasche voll auf der Höhe. Hatte sicher etwas Restzucker damals, der ihn in lichte Höhen trug. Und das Flaschenformat trug das seine dazu bei. Goldfarben, dezentes Petrol, das ich so liebe, Steinobst, herrliche Frucht, seidiger Glanz, Weinpfarrer Denk würde sagen: „Mozartäisch“. Das ist höchster Riesling Adel. 19/19

Als Thomas Hardy im Jahr 1850 in Australien ankam, konnte er nicht ahnen, wie herrlich der 1994 Shiraz „Eileen Hardy“ sein würde. Der Wein ist nach der Witwe Eileen Hardy, die im Jahr 1953 in dritter Generation das Weingut übernahm, benannt. Dieser 1994 kommt aus den südaustralischen Regionen Mc Laren Vale, Padthaway und Clare Valley. Ganz klar, erinnert an Eukalyptus, hat elegante Opulenz, seidige Tannine, Schokolade, Pflaumen, Heidelbeeren, Tiefe und Länge, ist nie belastend, wunderbar gereift, macht richtig Spaß. 18,4/20

Getrunken in einem sehr guten Restaurant in der Josefstadt welches sich in einer Gasse, benannt nach Einkehrwirtshäusern für Fuhrleute befindet. 1978 Chateau Talbot St. Julien - ein gereifter Bordeaux der keine Wünsche offen läßt. Trinken ist angesagt. Klassischer Bordeauxstil, old fashioned, Unterholz, Laub, Pilze, Tabak, erdige Textur, genügend Frucht, schwarzer Tee. Das ist ein total entspannender Rotwein, bei dem man sich so richtig fallen lassen kann. 19,3/20

Adi Schmid beschreibt seine besonderen Weintipps in seiner Kolumne in jeder Ausgabe von Vinaria!
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