Große Perwolff–Vertikale: Krutzlers roter Kult

Große Perwolff–Vertikale:  Krutzlers roter Kult

Große Perwolff–Vertikale: Krutzlers roter Kult

Rotweinmonument und Terroir-Ikone, feiert der aus dem renommierten südburgenländischen Weingut Krutzler stammende Kultwein Perwolff mit dem aktuellen Jahrgang 2017 seinen 25. Geburtstag. Vinaria-Rückblick auf ein Vierteljahrhundert Perwolff.

Perwolff: Der Name fordert zu Wortkreationen geradezu heraus, doch tanzt dieser rote Lupus höchstens auf dem Gaumen und einen Schafspelz hat er dabei wohl auch nicht an. Tatsächlich bezieht sich der Name auf eine Siedlung auf dem heutigen Gemeindegebiet von Deutsch-Schützen im Südburgenland, die in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts urkundlich erwähnt wurde. Der Name selbst geht auf den Grafen Wolfer von Güssing (1156–61) zurück, dessen Name als „männlicher Wolf“interpretiert werden könnte. Zweifellos ein Charakter und damit sind wir wieder beim heutigen Perwolff angelangt, der sich als einzigartiger südburgenländischer Paradiesvogel in roter Robe präsentiert.

A star is born - Urheber der Rotweinkreation war die unter der Führung von Hermann Krutzler – heuriger Preisträger der raren Vinaria Trophy für das Lebenswerk – und seiner Frau Martha stehende Familie Krutzler, die mit drei engagierten wie talentierten Söhnen gesegnet war. Von denen sich Erich (51) und sein vier Jahre jüngerer Bruder Reinhold bereits in früher Jugend mit voller Energie im Deutsch-Schützner Weinbaubetrieb einbrachten. Bereits in den Achtzigerjahren war es gelungen, das Weingut Krutzler und die vom südburgenländischen Terroir durchtränkten Weine – vor allem Blaufränkisch, aber auch Zweigelt und Welschriesling – über die Grenzen Pannoniens hinaus bekannt zu machen.

Den Erfolg im Inland vor Augen, begehrte man auch legendäre Weinregionen im Ausland kennen und verstehen zu lernen. Eine derartige Erkundungsreise führte Hermann und Martha 1985 nach Bordeaux, wo sie sich in etliche der noblen Cru Classés mit beherztem Barriqueausbau verliebten. Damals wurde die Idee zu einer Rotweincuvée im Premiumsegment geboren, die selbstverständlich den Kuss des kleinen Holzfasses erfahren haben sollte. Teil der Rotweinvision sollte aber auch Cabernet Sauvignon sein, und so wurde flugs ein Weingarten in Deutsch-Schützen mit dieser Sorte ausgepflanzt.

Nach einigen Experimenten gab es erste kleine Mengen der experimentellen Barriquecuvée 1988, ein Jahr später wurde bereits der Wein aus zwei neuen Barriquefässern gefüllt. Die neue Cuvée wurde trotz hohen Preises von Weinfreunden sehr gut angenommen, doch erwies sich der damals verwendete Name „Blaufränkisch mit Cabernet in kleinen Fässern“ nicht nur als wenig sexy, sondern auch holprig auszusprechen. Nach intensiver Suche stieß man schließlich auf den alten Siedlungsnamen Perwolff. 1992 trug der Barriquewein erstmals diesen Namen.

Perwolff-Evolution - Nach wie vor stammt der Perwolff ausschließlich von den ältesten Reben, die ein Mindestalter rund 30 Jahren aufweisen, kleine Teile stammen von bis zu 50jährigen Reben – etwa aus einer von Hermann Krutzler 1968 ausgepflanzten Parzelle in Deutsch-Schützen. Die Weingärten befinden sich in den Deutsch-Schützner Rieden Ratschen, Bründlgfangen und Weinberg sowie den Eisenberger Lagen Fasching und Reihburg, dazu eine Minifläche in der Ried Saybritz. Die für Perwolff vorgesehenen Trauben werden immer zuletzt geerntet und wie alle anderen Weine offen auf der Maische vergoren, der Neuholzanteil beträgt damals wie heute 100 Prozent. Seit 2012 ist der Perwolff übrigens reinsortig Blaufränkisch.

Klasse und Beständigkeit sind zwei ganz wichtige Eigenschaften, die einen Wein Kult werden lassen, doch das Salz in der Suppe ist zweifellos ein eigenständiger Charakter, und davon hat der Perwolff mehr als genug. Diese Behauptung zu tätigen ist nicht schwer und jedenfalls fundiert, wenn sie von jemandem getätigt wird, der oft sämtliche Jahrgänge und zu verschiedenen Zeitpunkten verkostet hat. Die Evolution kann man aber nicht immer voraussagen und daher waren bei der rezenten Vertikalverkostung euch etliche große Überraschungen dabei.

Vinaria Vertikale - Start mit dem Perwolff aus dem Hitzejahr 1992, der sich in beeindruckender Form präsentierte und voller Vitalität war. Ähnliches galt für den auf ein paar nicht optimale Flaschen folgenden 2000er, ebenfalls ein hitziger Jahrgang – ein exzellenter Wein mit Rückgrat und Muskeln. Sehr elegant und anmutig der kühle 2001er. 2005 war eine wunderbare Überraschung, ganz exzellent, und auch der 2007er bot Trinkvergnügen pur, qualitativ deutlich über dem 2008er, aber auch über den höher eingeschätzten Jahrgängen 2006 und 2009. Der vielleicht größte bisher ist der 2011er, der den 2012er wenig überraschend deutlich hinter sich lässt. Von den kühlen Folgejahrgängen hat wiederum der anmutige 2014er die Nase vor seinem Vorgänger. Tolle Prognosen haben auch 2015 und der derzeit noch embryonale Jubiläumsjahrgang 2017, bei dem Geduld angesagt ist.

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