Die besten Barbera aus 2015 / 2016 / 2017

Die besten Barbera aus 2015 / 2016 / 2017

Die besten Barbera

Die saftige Kirschfrucht ist das Markenzeichen der zweitwichtigsten Rebsorte aus dem Piemont: Barbera begeistert durch eine lebendige Säure und mit einem tollen Preis-Qualitäts-Verhältnis. Große Vinaria-Verkostung der Jahrgänge 2015, 2016 und 2017. Die Barbera-Sorte ist im Piemont weitverbreitet und liefert aus den sanften Hügellandschaften um Asti, Alba und Alessandria die interessantesten Vertreter. Sie gedeiht auch in der Lombardei und Emilia-Romagna, ja, findet sich auch in Slowenien, Griechenland und Israel oder in Kalifornien und Argentinien, wo sie vor allem als Verschnittwein nicht jenes hochklassige Niveau erreicht wie in ihrer Heimat.

Den Erfolg verdankt die Barbera-Rebe vor allem ihrer Robustheit und der pflegeleichten Handhabung. Sie ist unempfindlich gegen Frühjahrsfrost, gilt insgesamt als winterhart und liebt heiße Sommer. Sie gedeiht am besten auf Hügeln mit lockeren, wasserdurchlässigen Böden. Dass höherwertiger Barbera nur von hügeligen Weinbergen stammen darf, fand auch in den Barbera-Produktionsregeln d’Alba DOC, d’Asti DOCG und Monferrato DOCG superiore Aufnahme.

Nicht ganz nachvollziehbar ist aber die Vergabe des DOC- und des „höherwertigen“ DOCG-Gütesiegels an die jeweiligen Gebiete: Die Hügel um Alba bieten für Barbera keine schlechteren Voraussetzungen als jene aus der Asti-Zone. Das Qualitätssiegel für die SUPERIORE-Klassifikation erweist sich jedoch für alle Gebietszonen als sehr zuverlässig und ist ein Garant für hochklassige, stoffige Weine mit viel Frucht.

Das Barbera-Profil - Der Barbera reift relativ spät, ist ertragreich, bringt kräftige Säure und wenig Gerbstoffe hervor. Je nach Terroir ergibt der Barbera entweder fruchtige, tanninarme Weine mit hohem Säuregehalt, oder wie im Superiore-Bereich konzentrierte, kraftvolle Weine mit viel Würze. Geradezu ein Markenzeichen ist sein Kirscharoma.

Giacomo Bologna (Braida) aus Rocchetta Tanaro oder Mariuccia Borio (Cascina Castlèt) waren es, die in den 1980er-Jahren den verschmähten Barbera zu einem großen Wein machten. Bolognas erstmals 1982 erzeugter „Bricco dell’Uccellone“, ein im Barrique ausgebauter Lagen-Barbera, oder Borios „Passum“, hergestellt aus spätgelesenen passierten Trauben, gehören zu den Klassikern des neuen Stils, die viele Nachahmer fanden.

Der „Uccellone“ ist ein begehrter Klassiker und beide in der jüngeren Nachfolgegeneration geführten Weingüter zählen heute zu den innovativsten und besten Barbera-Produzenten. Eine fruchtbetontere Stilistik, die die Kirschfrucht in facettenreichen Interpretationen betont und von Würze und feiner Säurestruktur umspielt wird, ist heute in den besten Qualitäten vorzugsweise anzutreffen.

Der Trend führt aber ganz klar in die Richtung eines Zwei-Schienen-Prinzips: hin zu fruchtfrischen, jung zu trinkenden Weinen sowie zur kräftigen Stilistik in der preislich höher liegenden Superiore-Klassifikation.

Strahlende Highlights - Die große Vinaria-Barbera-Verkostung fand unter der Prämisse statt, neueste Tendenzen zu erfassen und auszuloten, boten doch die aktuellen Jahrgänge 2017, 2016 (kühl) und 2015 beste Voraussetzungen dazu. Bei den „einfachen“ Jahrgangs-Barbera DOC und DOCG zeigte sich, dass diese mit feinen Tanninen in Verbindung mit der allseits beliebten Kirschfrucht in der Jugend mit Genuss zu trinken sind.

Erstaunlicherweise präsentierten sich auch einige gereifte Vertreter, ja sogar aus schwierigen Jahrgängen (2014, kühl), in erfreulicher Vitalität. Bei weniger strengen Produktionsregeln im „einfachen“ und auch preisgünstigen Barbera-Bereich ist die geschmackliche Vielfalt größer. Dies ist von den Produktionsregeln mitbestimmt, die es erlauben, bis zu 15 Prozent von zugelassenen Komplementärsorten beizufügen.

Die Barbera-Weine in der Superiore-Kategorie zeigten sich in der Verkostung unisono mit körperreichem Charakter und in homogen hoher Qualität, die allerbesten glänzten richtiggehend. Barbera in dieser Klassifikation wird vor allem reinsortig ausgebaut.

Die Winzer reagieren inzwischen hervorragend auf die Eigenheiten des Jahrgangs: Zeigten sich die vom Hitzejahr 2015 geprägten Weine noch füllig und mitunter überladen, so präsentierte sich der kühlere Jahrgang 2016 durch Ertragsreduktion erfreulich in frischer Feinfruchtigkeit. Überhaupt gefiel der 2016erSuperiore-Jahrgang durch gleichmäßige Qualität und straffe Fruchtführung.

Vom heißen Jahrgang 2017 präsentierte sich der Superiore mit geradliniger Stilistik als sehr vielversprechend. Die meisten 2017er werden erst im Laufe dieses Herbstes und im nächsten Jahr auf den Markt kommen.

Die allerbesten Superiore begeistern durch viel Fruchttiefe, Finesse und Power, was sie für eine ausgezeichnete Reifung prädestiniert. Zwischen Alba-DOC und Asti-DOCG konnte keine große Geschmacks-Differenzierung festgestellt werden. Vielmehr kommen die geschmacklichen Unterschiede von der Lagen- und Ausbaucharakteristik des Winzers.
Wenig erstaunlich ist, dass die Top-Barolo-Produzenten in der Langhe auch einen Top-Barbera Alba DOC erzeugen. Vielversprechend präsentierte sich der Superiore aus der Asti-Subzone Nizza, die in den letzten Jahren einen tollen Aufschwung genommen hat.

Toplist: Barbera (Auszug)

18,1 Cordero di Montezemolo | 2015 Funtani Barbera d’Alba Superiore
18,1 Ceste | 2016 Barbera d’Alba Superiore
18,0 Pira Luigi | 2017 Barbera d’Alba Superiore
17,8 Giacomo Brezza | 2016 Barbera d’Alba Superiore
17,6 Gianfranco Alessandria | 2016 Vittoria Barbera d’Alba
17,6 Massolino | 2016 Gisep Barbera d’Alba
17,5 Braida | 2016 Bricco dell’ Uccellone Barbera d’Asti
17,5 Giacomo Brezza | 2015 Barbera d’Alba Superiore
17,5 Armando Parusso | 2017 Barbera d’Alba Superiore
17,4 Sordo | 2015 Massucchi Barbera d’Alba Superiore
17,3 Cascina Castlet | 2016 Litina Barbera d’Asti Superiore
17,1 La Spinetta | 2015 Ca di Pian Barbera d’Asti
17,1 Oddero | 2015 Barbera d’Asti Superiore Nizza


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INFO

Barbera d’Alba DOC
DOC – Denominazione di origine controllata, seit 1970, 2014 aktualisiert
Anbaugebiet: Hügellandschaft rund um die Stadt Alba (Provinz Cuneo)
Fläche/Produktion: 1800 ha
Traubensorten: 85–100% Barbera, bis 15 % Nebbiolo
Mindestalkoholgehalt: 12,0 Vol.-%, Riserva: 12,5 Vol.-%
Barbera d’Alba Superiore: Vorgeschriebene Reifezeit: 12 Monate davon mindestens vier Monate im Holzfass.


Barbera d’Asti DOCG
DOCG – Denominazione di origine controllata e garantita, seit 2008, 2010 aktualisiert
Anbaugebiet: 168 Gemeinden der Provinzen Asti (118 Gemeinden) und Alessandria (50 Gemeinden)
Fläche/Produktion: ca. 3380 ha, ca. 2225 Winzer, meist im Nebenerwerb, Weingärten nur auf Hügeln
Traubensorten: mind. 90% Barbera, bis 10% in der Region Piemont
zugelassene Rebsorten
Mindestalkoholgehalt: mindestens 12,0 Vol.-%, bei Superiore 12,5 Vol.-%
Barbera d’Asti Superiore: Vorgeschriebene Reifezeit: 14 Monate (davon mind. 6 Monate im Holzfass).
Drei Superiore-Subzonen: Colli Astiani, Nizza und Tinella


Barbera del Monferrato DOC
DOC – Denominazione di origine controllata, seit 2001, 2008 aktualisiert
Anbaugebiet: fast ident mit Barbera d’Asti DOCG
Fläche/Produktion: ca. 48 200 Hektoliter
Barbera del Monferrato DOCG superiore: Klassifiziert als DOCG, bis 85% Barbera und mind. 13,0 Vol.-%, ca. 2600 Hektoliter Jahresproduktion.

Uwe Schögl
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