Genussreise : Kärntner Seen–Süchte

Genussreise : Kärntner Seen–Süchte

Genussreise : Kärntner Seen–Süchte

See la vie. Wer ans Wasser will, ist in Kärnten richtig. Die unzähligen Gewässer ziehen Heile-Welt-Sucher, Genussmenschen und Badefans an. Sogar Kärntner Wein fühlt sich an den Ufern einiger Seen wieder wohl.

Kärntens Karibik: Türkises, badewannenwarmes Wasser und lauschige Buchten – so geht also entspannte Sommerfrische am Wörthersee. Die bewaldete Hügellandschaft des Klagenfurter Beckens fasst den funkelnden See ein, die prägnante Formation der Karawanken leuchtet in der Ferne. Das Zeitgefühl hat Pause, der Alltag ist an Land geblieben.

Der Wörthersee kann aber noch mehr als bloß zu glänzen. Der größte Kärntner Badesee ist auch ein Genusssee. Mal wird im malerischen Schlössl diniert, mal im hölzernen Badehaus im Stil der Wörthersee-Architektur, mal auf einer loungeähnlichen Terrasse.

Wasserplätschern, Sonnenuntergang und hinreißend kreative Regionalküche? Ja, gibt’s alles in einem. Direkt am See, auf der Terrasse des Seerestaurants Saag mit eigener Marina. Man hat das Gefühl, man schwebt über dem Wasser. Das Gebäude ist hell, mit klaren Linien, Lüstern, einem Kachelofen und ganz viel Glas, um nur ja kein Detail dieser hinreißenden Landschaft zu versäumen. Die Dreihaubenküche von Hubert Wallner passt haargenau an diesen Platz: feinsinnig, überraschend, mediterran, verbunden mit Elementen der Hightech-Küche. Fast schon ein Wallner-Klassiker ist die nuanciert intensive Bisque von Drau-Flusskrebsen, Hibiskus, Cognac-Gelee, Rindercarpaccio und Hummergelenken.

In der Frühjahrssaison gab es hochkarätigen Zuwachs: Andreas Katona wechselt vom 3-Michelin-Sterne-Restaurant Amador in Wien an das Ufer am Wörthersee. Und noch eine Neuigkeit: Am gegenüberliegenden Ufer in Dellach/Maria Wörth eröffnete Hubert Wallner mit seiner Frau Kerstin das Restaurant Südsee. So klar wie das Design ist auch die kulinarische Ausrichtung: Leichte, geradlinige Sommerküche schwebt auf einem Loungemusik-Soundteppich.

Hotspot Seefels - Nicht weit weg ist das La Terrasse im Schlosshotel Seefels. Die namensgebende Terrasse mit neu gestaltetem Restaurant und Blick nach Maria Wörth allein wäre schon spektakulär, Richard Hessls Küche setzt aber eins drauf. Hervorragendes Handwerk, beste regionale Produkte und trotz des luxuriösen Ambientes gekonnt regional. Beispiel ist das Filet vom Wildfangzander mit Lendorfer Pak Choi, Schweinebauch, Kümmelerdäpfeln und eingelegtem weißen Rettich. Spezialitäten sind auch Gerichte mit dem Lavanttaler Wagyu-Rind und die Lachsforelle en Papillote (im Papier gegart). Spannend sind auch die Events mit Wine & Dine-Veranstaltungen und auch internationale Gastköche sind immer wieder an Bord.

Abkühlung am Wasser, das Vergnügen garantieren auch andere Plätze am Wörthersee. Lakeside Reifnitz, Rosé Auen, Portofino Velden, Werzer’s Beachhouse Pörtschach, Loretto Klagenfurt und noch einige mehr heißen die Zauberwörter. An schönen Sommertagen sind die Wartelisten für einen Platz in der ersten Reihe natürlich besonders lang. Wer Lust auf Gourmetkost hat, findet im Schlossstern, im Caramé und in der Yacht in Velden Ausweichmöglichkeiten.

Sympathische Querköpfe Die Antithese zum Promitreff Wörthersee ist der Weißensee. Ein bisschen ein Insidertreff ist er noch immer, weil er halt ein bisschen abseits der Durchzugsstraßen liegt. Ein wahrer Segen, Ölsardinengefühl ist dort unbekannt und durch die Höhenlage von 930 Metern liegen die Temperaturen garantiert einige Grade unter denen im brütend heißen Tal, vor allem bei einem Bad im kühlen See.

Alles fließt. Besonders hier. Lässt man sich einmal auf den Flow ein, bemerkt man erst die Stille in den entlegenen Teilen des Sees. Keine Bahn! Keine Autos! Keine Häuser! „Manchmal hat man das Gefühl, in einem norwegischen Fjord gelandet zu sein“, schwärmt Martin Müller, als Weißensee-Fischer und studierter Ökologe einer der Bewahrer der intakten Natur. In den 70ern war noch alles anders. Eine Durchzugsstraße wurde den Seebewohnern empfohlen, um den touristischen Anschluss an die großen Brüder vom Wörthersee zu finden.

St. Tropez für Fische - Zu so einem Naturidyll passen natürlich auch die Menschen. Weißenseefischer Martin Müller pflegt den Fischbestand vorbildlich. Am Weißensee ist die Welt noch heil, quasi ein Kärntner St. Tropez für Fische. Seeforellen, Seesaibling, Lachsforellen, Regenbogenforellen, Hecht und Reinanken vom Feinsten drehen hier ihre Runden. Neben Frischfisch verwöhnen den Gaumen auch Müllers exzellente Räucherfische, sauer eingelegter Fisch und die geräucherten Fischwangen in Olivenöl.

Auf Nachhaltigkeit und Regionalität schwört auch Namensvetter Hannes Müller. Der Betreiber und Küchenchef der Forelle in Techendorf ist quasi eine lebendige Werbung für richtige Lebensführung. Groß, schlank, sportlich. Kein Wunder in dieser Naturarena.

Einen Abstecher wert ist auch die Villa Verdin am Millstätter See. Kein klassisches Hotel, genauso wenig wie Thomas Helml und Giovanni Mangini keine klassischen Hoteliers sind. Früher hing hier die Wiener Society ab, jetzt ist lässige Geselligkeit das Programm. Klein, verträumt und verspielt ist das Haus am See. Standardzimmer mit Klimaanlage sucht man vergeblich, dafür aber viel sympathische Schrägheit: Dezente Loungemusik gepaart mit dem Flair um 1900 und die bunten Zimmer wurden mit Möbeln so ziemlich jeder Stilrichtung bestückt.

Koch der vergessenen Fische - Am Längsee sollte das Gasthaus Liegl auf der Besuchsliste stehen. Am Herd: Elisabeth Warmuth-Liegl, Quereinsteigerin, erst nach dem BWL-Studium konzentrierte sie sich aufs elterliche Gasthaus. Ihr Mantra: Bestens umgesetzte Tradition trifft jugendliche Inspiration.

Nur einen Steinwurf weiter zog Markus Rath in das Weingut von Biodynamiker Marcus Gruze ein, mit großzügigen Glasflächen, Garten und Weinrebenblick. Rath hat beste Referenzen, zuletzt war er Küchenchef im südsteirischen Drei-Hauben-Restaurant Kreuzwirt. Seine Küche oszilliert zwischen Wirtshausküche und dosiert kreativen Ausflügen. Gerne probiert Rath die Texturen eines Produkts aus, auch Innereien hat er auf seiner Favoritenliste und Fische wie Amur, Hecht, Karpfen, Rotfedern – „die sind in Vergessenheit geraten“. Lämmer und Hasen laufen im Weingarten. Natürlich müssen in einem Landgasthaus auch Backhendl und Grammelknödel sein, aber eben mit der leichten Hand von Markus Rath.

Die Qualität setzt sich bei den Weinen fort. Im Zentrum seines Interesses stehen Burgunderweine: Chardonnay, eine Burgundercuvée und der Pinot Noir – Weine mit Tiefgang. Spontan auf der Maische vergoren, unfiltriert, mit möglichst wenig Schwefel versetzt, ungeschönt und gerade deshalb so schön.

Werner Ringhofer

Winzertipps

Weingut Georgium
9313 St. Georgen am Längsee, Längseestraße 9
T. +43 650 2241234
www.georgium.at

Weinbau Familie Gartner
9433 St. Andrä, Schießstattstraße 26
T. +43 4358 55292
www.weinbaugartner.at

Weinbau Janko
9472 Ettendorf, Weinberg 4
T. +43 664 5994513
weinbau-janko@gmx.at

Weingut Karnburg
9063 Klagenfurt, Leiten 6
T. +43 676 9432094
www.weingut-karnburg.eu

Stadtwinzer
9020 Klagenfurt, Waldschlagweg 20
T. +43 660 3106410
www.vinum-carinthiae.at

Sternberg Wein – Weingut Egger
9241 Wernberg, Feldweg 6
T. +43 664 1601630
www.sternberg-wein.at

Burg Taggenbrunn
9300 St. Veit an der Glan, Jacques-Lemans-Str. 1
T. +43 4212 544433
www.taggenbrunn.at

Trippelgut
9560 Feldkirchen, Hubertusweg 4
T. +43 4276 93080
www.trippelgut.at

Vinum Virunum
9300 St. Veit an der Glan,
Altglandorf 23
T. +43 664 8323791
www.vinumvirunum.at

Wild
9201 Krumpendorf, Am Föhrenwald 6
T. +43 676 82591360

Die Genusstips finden Sie hier zum Download

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