Michelin Frankreich 2019 sorgt für Riesen-Skandal

Michelin Frankreich 2019 sorgt für Riesen-Skandal

Guide Michelin Frankreich 2019 sorgt für Riesen-Skandal

Richtiggehend erschüttert zeigte sich die Gourmetszene nach der in der Vorwoche erfolgten Präsentation des Guide Michelin France 2019: Gleich drei 3-Sterne-Restaurants wurde ein Zacken, pardon: Stern aus der Krone gebrochen. Darunter die legendäre „Auberge d’Ill“. Niemand hätte zuvor vermutet, dass im aktuellen Ranking des französischen „Guide Michelin“ gleich drei Legenden der Kochszene den dritten Stern verlieren.

Starkoch Marc Haeberlin standen dem Vernehmen nach die Tränen in den Augen, als er erstmals Stellung zur schmerzhaften Degradierung nehmen musste. Immerhin hatte schon sein Vater der Lokal-Ikone Auberge d’Ill drei Sterne erkocht und das vor mehr als 50 Jahren! Abgestuft auf zwei Sterne wurde auch der stolze Pariser Chef Pascal Barbot und der bunte Hund der Szene, Marc Veyrat, bekannt nicht nur durch exzentrische Ideen, sondern auch durch seinen breitkrämpigen, schwarzen Hut. Veyrat konnte dabei auch gleich einen Negativrekord aufstellen: Sein dritter Stern wurde nur ein Jahr nach dessen erstmaliger Verleihung wieder einkassiert. Das gab es bisher noch nie.

Zwei neue Dreisterner - Der Skandal überdeckte fast die Kür von zwei neuen Dreisternern, die schon länger als heiße Kandidaten galten: Die Spitzennote erhielten der aus Argentinien stammende Starkoch Mauro Colagreco für sein „Mirazur“ in Menton an der Côte d'Azur und Laurent Petit aus der Alpenregion Savoyen für sein „Clos des Sens“ in Annecy. Petit steht für eine fleischlose Naturküche und liegt damit zweifellos im Trend. „Sie lohnen eine Reise“, sagte der neue Chef des Guide Michelin, Gwendal Poullennec, bei der Gala in Paris und spielte damit auf die sehr schlicht und fast emotionslos gehaltenen Kategorie-Beschreibungen des Guide Michelin an.

Im Gegenzug für die Revolution an der Spitze wurden einige Lokale neu mit zwei Sternen ausgezeichnet, darunter Stephanie Le Quellec vom „La Scène“ in Paris. Und fast eine Flut an neuen 1-Stern-Lokalen kreiert. Zudem wurden weibliche Küchenchefs stark in den Fokus der Bewertungen gerückt. Dies soll künftig eine generelle Linie des Guide rouge sein, wie Gwendal Poullennec betonte.

Emotionen & harte Kritik - Unumstritten blieb das neuen Ranking des Guide Michelin France 2019 in der Fachwelt nicht. Die Emotionen gingen noch am Tag der Präsentation noch. Die einen sehen darin einen längst fälligen Schritt nach vorn und ein Abschütteln von gewohnheitsmäßigen Bewertungen. So ging etwa die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) mit dem Guide Michelin hart ins Gericht. Unter anderem schrieb das Schweizer Qualitätsblatt:

„Warum sich die Tester …. zu dieser drastischen Massnahme entschieden, blieb unklar. Offenkundig wurde allerdings, dass der „Michelin“ künftig hart durchzugreifen gedenkt. In der Szene herrscht Ratlosigkeit vor, zumal Haeberlin als höchst seriöser Koch gilt und Veyrat gar als Innovator….Es drängt sich der Verdacht auf, dass es bei den Abwertungen weniger um sachliche Entscheidungen geht als vielmehr um Paukenschläge. In einer Zeit, in der Rankings wie das sogenannte San-Pellegrino-Rating verstärkt Aufmerksamkeit bekommen, haben es klassische Guides zunehmend schwer. Ein bisschen Publicity kann da nicht schaden….

Das Problem des Guide Michelin freilich ist zuallererst, dass er keine Linie zu haben scheint…. Legenden wie das Restaurant von Paul Bocuse nahe Lyon sind schon seit Jahren nicht mehr auf dem kulinarischen Niveau von anderen Drei-Sterne-Restaurants. Niemand in der Branche bezweifelt, dass bei Bocuse lange Zeit weniger gut gekocht wurde als bei Haeberlin. Wenn man schon abwertet, dann hätte dies konsequent geschehen müssen – doch Bocuse behält den dritten Stern ebenso wie Georges Blanc, bei dem man auch Bedenken haben kann.

Auch die halbgare „Michelin“-Vergabepraxis in anderen Teilen der Welt hat nichts mit der französischen Straffheit zu tun. Einen Stern für schlichte Imbisse zu vergeben oder drei für eine brave französische Küche mit viel Kaviar und Gänseleber, ist etwa in Asien nicht unüblich. Solange aber alles im Unklaren bleibt, wird der Guide langfristig keine Chance haben gegen die modern aufgestellten Ranking-Organisationen. Dass es bei den 50 Best Restaurants und anderen Hitlisten erst recht nicht um seriöse Überprüfung, sondern um Show und Marketing geht, macht die Sache vollends traurig.“ Soweit die NZZ.

Viel reisende Gourmets wissen längst: In machnen Ländern, etwa in Italien und Spanien, scheinen die Michelin-Sterne deutlich lockerer zu sitzen als etwa im deutschsprachigen Mitteleuropa. Für die Präsentation des Schweizer Guide am 5. Februar 2019 und des Deutschen Guide am 26. Februar 2019 können weitere Dramen nicht ausgeschlossen werden.

www.mirazur.fr
www.closdessens.com 

ALLE WELTWEIT, 21.01.:
https://www.troisetoiles.de/michelin/3-sterne-restaurants/ 

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