Die besten „kräftigen“ Rieslinge Österreichs

Die besten „kräftigen“ Rieslinge Österreichs

Die besten „kräftigen“ Rieslinge Österreichs

Die Siebener-Legende lebt: Aus dem denkwürdigen Hitzesommer 2017 sind Rieslinge hervorgegangen, die auch den höchsten Erwartungen gerecht werden. So gesehen haben die legendären „Siebener-Jahre“ eine würdige Fortsetzung gefunden. Tatsächlich könnte das Trio 1997, 2007 und 2017 die drei besten österreichischen Riesling-Jahrgänge der letzten zwei Jahrzehnte vereinen.

Bei der großen Vinaria-Rieslingverkostung – die mit Abstand umfassendsten Österreichs - waren nicht nur die exzellenten Spitzen bemerkenswert, sondern vor allem das erreichte Durchschnittsniveau, das weit über den üblichen Punktewertungen der letzten Jahrgänge lag.

Scheinbar ist der Riesling mit dem Hitzestress der heißen Sommertage auch besser fertiggeworden als manch andere Rebsorten, wie etwa die für Gerbstoff-Einlagerungen doch empfänglicheren Grünen Veltliner. All diese frühen Einschätzungen und Mutmaßungen wurden durch die Verkostung der Premiumrieslinge eindrucksvoll bestätigt. Die Vorschusslorbeeren waren voll gerechtfertigt und die ohnehin hohen Erwartungen wurden sogar noch übertroffen.

Hohes Durchschnittsniveau - Die Alkoholausbeute ist zwar hoch ausgefallen, dennoch befanden sich fast alle Gewächse in einer Bandbreite zwischen 12,5 und 14 Volumprozent Alkoholgehalt; nur ganz wenige Exemplare lagen darüber. Sensorisch war der Alkohol so gut wie immer bestens eingebunden, sodass das harmonische Gesamtbild der Weine in keiner Weise infrage gestellt wurde.

Zu dieser Ausgewogenheit entscheidend beigetragen hat die überraschend rassige Säurestruktur der allermeisten Rieslinge, die ihnen jene Lebendigkeit und Frische verleiht, welche die österreichischen Riesling-Liebhaber so schätzen. Als ebenso erfreulich zu werten ist der hohe Extraktgehalt, den die allermeisten Rieslinge aufzuweisen hatten.

Die klare Fruchtausprägung ist ebenfalls auf der Habenseite zu verbuchen, wobei erstaunlicherweise eher helle Fruchtnuancen im Vordergrund standen, sodass etwa Assoziationen von Blütenduft, Pfirsich, Maracuja, Ribisel und Stachelbeere gegenüber den getragenen Aromen von Marille, Gartenkräutern oder nussiger Würze klar in der Überzahl waren. Leichte Botrytisnoten beschränkten sich im Wesentlichen auf einige Wachauer Rieslinge.

Ganz exzellent war das Niveau der allerbesten 2017er-Rieslinge, die bei etwa 16,9 Punkten begonnen haben, noch verblüffender war aber für die Jury das erreichte hohe Durchschnittsniveau, denn wohl nie zuvor hat sich eine derart große Anzahl von Weinen im Bereich von 16 Punkten aufwärts befunden. Viele Weingüter, die wir bisher eher dem gehobenen Mittelfeld zugerechnet haben, konnten sich in diesem Riesling-Jahrgang deutlich verbessern.

Toller Jahrgang, interessanter Gebietsmix - Wenn Vergleiche mit den zuletzt erfolgreichen Riesling-Jahrgängen gezogen werden, so dürften wohl meist die Jahrgänge 2015 und 2013 dafür dienen. Nach der herbstlichen Revue der Premium-Rieslinge 2017 ist allerdings zu konstatieren, dass diese wesentlich frischer und rassiger ausgefallen sind als die an sich schon sehr harmonischen und niveauvollen 2015er, und andererseits auch körperreicher und ausgewogener als die doch schlanker strukturierten, sehr eleganten 2013er. Ganz wesentlich ist außerdem, dass das Durchschnittsniveau dieser beiden Jahrgänge von den 17ern bedeutend übertroffen wird. Alles in allem gab es wohl seit 2007 keine derart köstlichen Rieslinge, sodass sich gemeinsam mit 1997 ein Trio der legendären Siebener-Jahrgänge herauszubilden scheint.

Das Endergebnis hat auch eine etwas überraschende, interessante „Gebiets-Durchmischung“ ergeben, denn einen Wiener, Wachauer, Steirer und Kremser unter den ersten vier hatten wir so noch nie. Damit sollten auch die größten Skeptiker endlich davon überzeugt sein, dass sowohl am Wiener Nussberg als auch auf den steilen Schieferhängen des Sausals hervorragende Riesling-Qualitäten möglich sind, wenn sich engagierte Produzenten dieser Rebsorte annehmen.

Nach dem eher bescheidenen Vorjahrsergebnis haben auch die Wachauer Spitzenerzeuger wieder auf der ganzen Linie überzeugt, wofür die Spitzenplatzierungen des Steinertal von Leo Alzinger, des Kellerberg von F. X. Pichler und der beiden Knoll-Rieslinge zeugen. Wieder einmal reüssiert hat auch der ebenso elegante wie schneidige Kalkofen von Franz-Josef Gritsch, erstmals in der Phalanx der Besten eingereiht hat sich der Tausendeimerberg des Spitzer Produzenten Hofstätter.

Auch wenn aus dem Kamptal die absoluten Spitzenplatzierungen ausblieben, so ist doch das konstant hohe Niveau lobend hervorzuheben, wie es die Weine der Güter Bründlmay-er, Allram, Eichinger, Rabl, Loimer, Brandl, Steininger und einige andere mit dem Jahrgang 2017 erreicht haben. Aus dem Kremstal haben die üblichen Verdächtigen in Gestalt der renommierten Weingüter Nigl, Proidl und Salomon gepunktet, wobei im Weichbild der Stadt Krems vor allem die untadelige Qualität der Buchegger-Rieslinge hervorzuheben ist: Speziell die ein wahres Fruchtfeuerwerk abbrennende Moosburgerin hat diesbezüglich eine neue Seite aufgeschlagen.

Auf dem Preis-Leistungs-Sektor überzeugt hat der Weinzierlberg des bekannten Kremser Weingutes Aigner. Apropos Preis-Leistungs-Relation: Auch hier haben sich einige wohltuende Exemplare gefunden, wie im Weinviertel wieder einmal das so verlässliche Weingut Greilinger oder weiter im Norden der mutige Norbert Bauer, der einen wirklich glockenklaren und rundum gefälligen Riesling mit ganzen 11,5 Volumprozent Alkohol ins Rennen geschickt hat.

Die Jahrgänge 2016 und 2015 waren nur mit einigen wenigen Repräsentanten vertreten, wobei allen voran der in jeder Hinsicht brillante Edelschuh-Riesling von Gerhard Wohlmuth anzuführen ist, aber auch der 2016er des Krustettener Weingutes Müller vom Hollenburger Goldberg ist als besonders substanzreicher und strukturierter Wein mit großem Lagerpotenzial ausdrücklich hervorzuheben. Apropos Steiermark: Hier sollte nicht vergessen werden, außer auf den exzellenten Wohlmuth-Riesling auch auf die ebenso individuellen wie niveauvollen Erzeugnisse der Weingüter Potzinger – übrigens auch aus einer Sausaler Ried –, Polz mit einem noch enorm jungen, von der Eiche umrahmten 2015er und Winkler-Hermaden mit einem für uns sehr überraschenden Klöcher Riesling hinzuweisen.

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Toplist Riesling Premium (Auszug)


18,6 Mayer am Pfarrplatz | 2017 Riesling Nussberg Weißer Marmor
18,5 Prager | 2017 Ried Klaus Smaragd
18,4 Buchegger | 2017 Ried Moosburgerin KR-R 1ÖTW
18,4 Wohlmuth | 2016 Ried Edelschuh
18,3 Alzinger | 2017 Ried Steinertal Smaragd
18,1 Nigl | 2017 Rehberger Ried Goldberg
18,1 F. X. Pichler | 2017 Ried Kellerberg Smaragd
18,0 Knoll | 2017 Riesling Vinothekfüllung
18,0 Neumayer | 2017 Der Wein vom Stein TR

Best Buy bis € 15,–

17,9 Hofstätter | 2017 Tausendeimerberg Smaragd € 13,50
17,2 Hofstätter | 2017 Ried Singerriedel Smaragd € 13,50
16,7 Aigner | 2017 Ried Weinzierlberg KR € 7,90
16,7 Ecker – Eckhof | 2016 RI Reserve Ried Ruppersthaler Steinberg € 14,–
16,5 Winkler-Hermaden | 2017 Ried Klöcher Grafenstückel € 15,–
16,4 Aichinger | 2017 Ried Rosenberg KA-R € 13,20
16,4 Rosner | 2017 Ried Hasel KA-R € 14,80
16,4 Steinschaden | 2017 Ried Fahnberg KA € 7,–


Viktor Siegl
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