Die besten Muskateller Österreichs

Die besten Muskateller Österreichs

Die besten Muskateller Österreichs


Vinaria verkostete die besten Muskateller Österreichs im Rahmen der weitaus größten Sortenverkostung des Landes. Für Liebhaber von Muskateller & Co. schien der warme wie frühe Jahrgang 2017 vielversprechend: Dank hoher Reife sollten die unverkennbaren Aromaspender neben Duftfülle auch am Gaumen deutlich mehr Gewicht auf die Waage bringen. So ganz konnten die hohen Erwartungen aber nicht erfüllt werden, wie unsere Sortenverkostung zeigte.

Betörende Duftbomben für die Terrasse und bevorzugter Apero zum Diner, gelten Muskateller in erster Linie als Spaßbringer von überschaubarem Tiefgang. Ob das den Muskateller kränkt, ist nicht belegt. Vermutlich aber nebensächlich, dürfte doch der nach wie vor rasende Erfolg beim weintrinkenden Volk ein Trostpflaster bieten.

Dennoch wollen sich viele Freunde und Kultivierer dieser Sorte mit dessen Einordnung nach wie vor nicht zufriedengeben: Angeführt werden der unbestreitbare Charakter und die Lagerfähigkeit sowie ein vielfach bloß nicht ausgeschöpftes Potenzial. Schwer zu verwechseln ist der Muskateller samt näherer Verwandtschaft ohne Zweifel und seine Haltbarkeit oder treffender seine Fähigkeit, die Frische zu bewahren, kann jeder bestätigen, der die Möglichkeit hatte, Altweine dieser Sorte zu kosten.

Bleibt noch das möglicherweise schlummernde und daher noch nicht ausgereizte Potenzial. Das ist gerade bei Muskateller eher schwer zu beurteilen, hält sich doch vinologische Experimentierfreudigkeit bei dieser Sorte in Grenzen – die herausragende Mehrheit der Vertreter wird nach klassischem Muster gestrickt: klar und fruchtintensiv, leicht und spritzig. Natürlich gibt es in dieser Kategorie eine Reihe bestens gelungener Exempel, die Mehrheit kommt aber über die meist überdeutliche Vermittlung der aromatischen Botschaft nicht hinaus. Dass jedoch abweichende Sorteninterpretationen ebenso eigenständige wie reizvolle Ergebnisse bringen können, zeigt ein Blick auf die Topliste unserer Verkostung: Es finden sich sowohl kräftige Varianten wie auch welche mit Holzkuss.

Die Erntemengen sind beim Muskateller sehr variabel. Prinzipiell reich tragend, kann die Sorte auch mit höheren Erntemengen recht gut umgehen. Bei höherem Ertrag ist aber jedenfalls der richtige Erntezeitpunkt ganz wichtig. Einige Produzenten vertrauen auch hier auf niedrige Erträge und bekommen so Muskateller mit höherer Mostgradation – spät gelesen, teils auch botrytisfrei; wobei potenziell 13 Prozent Alkohol wohl die Obergrenze sein dürfte. Zwei derartige Kraftlackel belegten bei unserer jüngsten Verkostung die ersten beiden Plätze – die ungemein pointierte und präzise wie saftige Gaisriegl Jungfernernte von Gustav Schneeberger (Weingut Schmölzer) aus später Höhenlage im Sausal sowie der Vertreter von Paul Stierschneider aus der Ostwachauer Ried Guglzipf. Ähnlich kräftig waren auch die erfolgreichen Muskateller von Bründlmayer aus Langenlois und Schmelz aus Joching sowie mit „Privat“ ein weiterer Vertreter vom Weingut Schmölzer.

Eigenständig und von der Lage geprägt erschienen uns aus der kalkreichen Ried Wolfsbach stammende Vertreter vom Erbhof Bayer in Donnerskirchen – einziger Burgenländer im Spitzenfeld – sowie der immer von dunkler Aromatik geprägte Rosenberg von Krispel. Dass Holz und Muskateller ganz formidael zusammenpassen können, unterstreichen die beiden Weine von Niki Windisch und Bründlmayer, Satzen Privat und Rosenhügel – beide besitzen noch gehöriges Potenzial.

Im klassischen Bereich schließlich brillierten eine Reihe von Weinen: Die immer wieder wunderbare Sorteninterpretation von Schwarzböck bietet nicht nur Trinkvergnügen pur, sondern auch ordentlich Stoff trotz lediglich 11,5 % Alkohol und 6 g/l Restzucker. Einen ähnlichen Stil besitzt der saftige Muskateller von Lukas Markowitsch aus Carnuntum, der damit für eine Überraschung sorgte. Ein perfektes Beispiel für einen steirischen Muskateller, der Würze und Fruchtbiss mit einem zarten Maß an Reduktivität verbindet, ist den Gross-Brüdern mit ihrem Gamlitzer gelungen, knapp dahinter gibt es mit Skoff Original, Peter Skoff und Silberberg noch weitere sehr gelungene Vertreter aus der grünen Mark. Wien war schließlich durch Mayer am Pfarrplatz vertreten. Und die Ehre der Piwis (pilzresistente Sorten) verteidigte wenig überraschend das Weingut Hirschmugl mit seinem Muscaris.

Zur Verkostung zugelassen waren Weißweine aus 2017 aus der Muskatgruppe, wobei meist Vertreter der Sorte Gelber Muskateller eingereicht wurden; daneben gab es noch einige Rote Muskateller, wenige Muskat-Ottonel sowie einen Wein aus der PIWI-Sorte Muscaris. Der Alkoholgehalt war nicht beschränkt, Bedingung war jdoch, dass die Weine trocken sind. Eingereicht wurden 150 Weine. Die Verkostungsjury bestand aus Hans Pleininger, Adi Schmid, Viktor Siegl und Peter Schleimer.

Toplist Muskateller 2017 (Auszug)

16,8 Schmölzer | 2017 GM Ried Gaisriegl Jungfernernte SST
16,6 Paul Stierschneider | 2017 GM Guglzipf WA
16,5 Bayer Erbhof | 2017 GM Ried Wolfsbach BG
16,5 Schwarzböck | 2017 GM NÖ
16,4 Gross | 2017 GM Gamlitzer SST
16,2 Lukas Markowitsch | 2017 GM CA
16,1 Schmölzer | 2017 GM Privat SST
16,0 Niki Windisch | 2017 GM Ried Satzen Privat NÖ
15,9 Bründlmayer | 2017 GM Rosenhügel NÖ
15,9 Krispel | 2017 GM Stradener Rosenberg VL
15,9 Skoff Original | 2017 GM Hohenegg SST
15,9 Peter Skoff | 2017 GM Kranachberg SST
15,8 Mayer am Pfarrplatz | 2017 GM WI
15,8 Landesweingut Silberberg | 2017 Kitzecker GM SST


Toplist Muskateller 2017 Best Buy bis 8,00 Euro (Auszug)

16,5 Schwarzböck | 2017 GM NÖ € 8,–
16,2 Lukas Markowitsch | 2017 GM CA € 8,–
15,7 Siegert | 2017 GM Ried Leitwein WG € 6,90
15,6 Aigner | 2017 Muskateller NÖ € 7,90
15,6 H. & H. Steinschaden | 2017 GM NÖ € 6,10
15,6 Stich-Gaismayer | 2017 GM Ried Hamert € 7,50
15,5 Christian Hödl | 2017 GM WG € 6,50
15,5 Wein & Schnaps Mariell | 2017 Muskateller BG € 8,–
15,5 Familienweingut Trabos | 2017 GM Klassik SST € 8,–
15,4 Rabl | 2017 GM limited Vinum Optimum NÖ € 8,–
15,4 Zeilinger | 2017 GM NÖ € 6,90
15,3 Matthias List | 2017 GM SST € 8,–
15,3 Peter Schandl | 2017 GM BG € 8,–
15,3 Richard Walzer | 2017 GM Krems NÖ € 7,50
15,2 Böheim | 2017 GM CA € 7,90
15,2 Tremmel | 2017 Muskateller BG € 7,–
15,1 Hirtl | 2017 GM NÖ € 7,–
15,1 Alex Siedler | 2017 GM Ried Spiegeln NÖ € 6,50

Die gesamte Verkostungs-Reportage mit allen Weinbewertungen und -beschreibungen sowie den Sortensiegern und den Winzer-Interviews finden Sie in der aktuellen Ausgabe Vinaria 4/2018. Bestellen Sie Vinaria jetzt einfach & bequem zum Erscheinungstermin nach Hause. Das 1-Jahresabo Vinaria inkl. Prämie für Neuabonnenten ist ab € 39,- (EU-Ausland € 55,-) erhältlich. Jetzt im Vinaria Abo-Shop bestellen!


Peter Schleimer
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