Interview: Prinzessin Marie Liechtenstein

Interview: Prinzessin Marie Liechtenstein

Wein-Interview: Prinzessin Marie Liechtenstein


Prinzessin Marie von und zu Liechtenstein ist die Weinbotschafterin der Hofkellerei des Fürstlichen Hauses von Liechtenstein. In Hong Kong gab Prinzessin Marie Vinaria ein exklusives Interview – und ist überzeugt: „Es gibt keinen schlechten österreichischen Wein“.

Vinaria: Wie passt das Weingut in die diversen Geschäftsbereiche der fürstlichen Familie?

Marie Liechtenstein: Das Weingut ist der kleinste Teil im fürstlichen Portfolio, aber dafür der älteste – es ist seit 600 Jahren bei der Familie. Die Familie besitzt in Österreich weitläufige Landwirtschaft, da sind die 40 Hektar des Weingutes ebenso klein. Aber für die Familie ist das Weingut emotional sehr wichtig. Die Familie isst und trinkt gerne. Auch für die LGT ist das eine gute Partnerschaft abseits des trockenen Bankgeschäfts. Es gibt nicht viele Banken, die ein Weingut aus der Tasche ziehen können.

Die Hofkellerei hat Weingärten in Österreich und in Liechtenstein. Ist das Weingut für die Familie nun mehr österreichisch oder liechtensteinisch?

Gute Frage. Die liechtensteinische Familie ist ja auch eine sehr österreichische Familie. Wir haben unsere Wurzeln in Österreich. Unsere Hauptbetriebe befinden sich in Österreich. Österreich hat 40 Hektar Weingärten, Liechtenstein nur 4 Hektar. Da hat das Weingut in Österreich schon mehr Gewicht. Es ist auch der älteste Teil der Familienbesitzungen, Vaduz kam mit dem Kauf des Fürstentums 1699 und 1712 in die Familie.

Wo wird der fürstliche Wein überall vertrieben?

Hauptmärkte sind noch immer Schweiz und Liechtenstein. Wir versuchen seit etwa 5 Jahren, den Wein auch in Asien zu vermarkten – Hong Kong, Singapur und Taiwan spielen eine große Rolle. Vor 6 Jahren hat die Familie eine Road Show der Fürstlichen Sammlung durch Asien geplant. Wir sind mit den Weinen mitgereist und haben ausprobiert, wie der Wein in Asien ankommt. Das war der Anfang eines neuen Geschäftsfeldes.

Welcher Wein kommt in welchen Märkten am besten an?

Es gibt große Unterschiede, besonders in Asien. Anfänglich war hier alles sehr rotweinlastig durch die Tatsache, dass Chinesen rot als Farbe des Glücks sehen. Über die Jahre hat sich das Wissen des chinesischen Gastes weiterentwickelt, der weiß jetzt schon mehr den Weißwein zu schätzen. Natürlich passt unser österreichischer Weißwein perfekt zur asiatischen Küche. Wegen der Vielfalt der Gewürze, und es wird auch viel frittiert wie in Österreich. Und der Grüne Veltliner wird auch hier immer bekannter. Das macht dann schön Spaß.

In den letzten Jahren wurde viel in das Weingut investiert. Was war die größte Herausforderung ?

Die Veränderung der Corporate Identity – das Etikett, das Marketing, die Drucksorten. Das war die größte Herausforderung, da auch die Familie und LGT dabei mit einbezogen wurden. Wenn viele Leute beteiligt sind, dann ist es nicht immer ganz einfach. Am Schluss waren wir aber alle sehr glücklich über das Ergebnis. Es gibt eigentlich keinen schlechten österreichischen Wein. Man kann sich eben nur herausheben, wenn man besser noch einen draufsetzt. In guten Jahrgängen, wo man Reserve-Weine produzieren kann, konzentrieren wir uns auf unsere Spitzenweine. Das sind dann interessantere Weine, es macht mehr Spaß – und die Marge ist auch besser.

Es gibt viele Märkte in Europa, wo die LGT Bank auch aktiv ist. Wieso Asien, was hat Sie an Asien gereizt?

Mein Mann ist der CEO der Stiftung des Fürsten von Liechtenstein und ist somit mein Boss. Wir reisen irrsinnig gerne und wir finden, Asien ist ein spannender und interessanter Markt. Ich finde es auch spannend, etwas Neues zu erschließen. In Europa gibt es schon sehr viel Wein, die Konkurrenz schläft nicht. Die Herausforderung in Asien war einfach etwas anderes.

Was sind die größten Hürden für Ihren Wein im asiatischen Markt?

Wenn man hier ist, dann ist jeder enthusiastisch, aber wenn man wieder nach Hause fliegt, ist man auch schon in Vergessenheit geraten, weil das nächste Weingut kommt. Es ist ein wahnsinnig schnelllebiger Markt. Man muss irrsinnig dahinter sein. Eine Herausforderung ist es auch, ein komplett unbekanntes Produkt einem Publikum zu präsentieren, das noch nie Grünen Veltliner getrunken hat.

Wie schaut Ihre langfristige Strategie für die Hofkellerei aus?

Wir werden versuchen, die nächsten 600 Jahre auch noch dabei zu sein. Ich würde sagen, das kommt aber auch auf den Klimawandel an; hoffentlich können weiter hervorragende Weine produziert werden. Wir versuchen, alle paar Jahre ein neues Produkt herauszubringen. Jetzt zum Beispiel einen Riesling Reserve, der etwas in die Kabinett-Richtung geht. Vor 2 Jahren haben wir den Quartett, eine Cuvée aus 4 Rebsorten, kreiert. Wir werden auch bei vielen Wettbewerben mitmachen.

Sie haben dieses Jahr zwei Bronze- und eine Goldmedaille bei der Cathay Pacific International Wine and Spirit Competition gewonnen.

Das finde ich natürlich großartig. Das ist das zweite Mal, dass wir mitmachen. Wir haben nur 3 Weine eingereicht. Beim ersten Mal 5 Weine, und alle 5 Weine hatten eine Medaille gewonnen. Also, man sieht eigentlich auch die Kontinuität. Gerade mit einem Grünen Veltliner Reserve in Asien eine Goldmedaille zu gewinnen, das erfüllt uns mit Stolz.

Was gefällt Ihnen besonders an Hong Kong?

Die Lebendigkeit dieser Stadt, und es ist einfach so vielfältig hier. Man hat diese ganz absurden Straßen-Shops, wo man chinesischen Ramsch kaufen kann, aber daneben ein Luxusgeschäft, und dazwischen wieder die Hochhäuser. Wenn man auf den Peak (Anm.: der „Hausberg“ Hong Kongs) geht, dann ist es wie im Dschungel.

Das Österreichische Weinmarketing (ÖWM) hat Hong Kong als Sprungbrett für China designiert. Ist das auch Ihre Strategie?

Wir haben gedacht, dass China wesentlich einfacher als Markt zu erschließen ist. Da haben wir uns sehr getäuscht. Mit der Menge Menschen, die es in China gibt, dachten wir, dass wir gut ausschauen, wenn nur ein Bruchteil eine Flasche kauft. Aber es ist ein sehr, sehr schwieriger Markt. Da müsste man noch viel mehr vor Ort sein, aber das ist für ein kleines Weingut fast unmöglich. Ich finde es toll, dass das ÖWM versucht, Asien mehr zu erschließen, aber ich weiß auch von unseren Importeuren, die schon lange in Hong Kong etabliert sind, dass selbst die es nicht einfach haben, in China Fuß zu fassen.

Kommen viele Asiaten zu Besuch auf Ihre Weingüter in Wilfersdorf oder in Liechtenstein?

In Liechtenstein auf jeden Fall. Lustigerweise haben wir dort sehr viele Asiaten. Es gibt einen sehr umtriebigen Juwelier, den Uhrenhuber, und der hat schon in den 80er-Jahren eine Kooperation mit chinesischen Reisegesellschaften gemacht. Der bringt sehr viele Chinesen nach Vaduz und die kommen auch zu uns aufs Weingut. Jetzt bieten wir auch so eine Art Heurigen an. Das wird gut angenommen. Nach Wilfersdorf verschlägt es die Asiaten eher nicht. Hoffentlich in Zukunft mehr.

Man sagt österreichischem Wein nach, die beste Begleitung für asiatische Gerichte zu sein. Was ist Ihr Traum-Pairing?

Es ist immer ganz lustig und sehr spannend. Hier wird zum Beispiel zuerst Suckling Pig (Spanferkel) und dann Fried Rice serviert. Das war eine Herausforderung: mit dem Schwein Merlot, aber was macht man danach mit dem Reis? Und da haben wir immer unseren Grünen Veltliner Reserve serviert. Für mich ein Erfolgserlebnis, dass das so gut funktionierte. Man sollte sich an null Regeln halten – und eben nach einem Merlot auch einen Weißwein trinken, der ein bisschen kräftiger ist und reifer. Heute hatten wir Qualle, begleitet mit dem Riesling Clos Domaine. Das ist auch ein sehr schöner Kontrast. Dazu gibt es dann noch knusprigen Schweinebauch – funktioniert auch wunderbar mit dem Riesling.

Sie sind wahrscheinlich die einzige wirkliche Prinzessin im Weingeschäft. Ihre schönsten Erfahrungen?

(Lacht herzhaft.) Das Weinbusiness macht einfach irrsinnig viel Spaß. Weil man immer mit Menschen zu tun hat, die gerne essen und gerne trinken, und das sind generell einfach immer sympathische Menschen. Ich glaube, das ist das Schönste. Mein Mann sagt immer, wenn er auf irgendwelche Board-Meetings gehen muss: Du hast den wesentlich lustigeren Job.



ZUR PERSON - Seit 2013 unterstützt Prinzessin Marie von und zu Liechtenstein (42) die Hofkellerei im Bereich Marketing und Vertrieb und ist die Botschafterin des Weingutes. Seit Anfang 2014 ist Prinzessin Marie auch ausgebildete Sommelière. Sie ist die Gattin von Prinz Konstantin, CEO der Stiftung Fürst Liechtenstein und der jüngste Sohn von Prinz Hans-Adam II. Prinzessin Marie wurde in Graz geboren.


INFO: LGT Group - Die LGT ist die weltweit größte Private Banking und Asset Management Group, die vollständig von einer Unter-nehmerfamilie – dem Fürstenhaus von Liechtenstein – gehalten wird. -In Asien ist LGT Bank in Hong Kong und Singapur vertreten und eine der führenden Privatbanken.
www.lgt.com

www.hofkellerei.li/de
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