Österreichs beste Gemischten Sätze

Österreichs beste Gemischten Sätze

Österreichs beste Gemischten Sätze


Gemischter Satz aus Österreich: Animo, Trinkspaß und Charakter. Nach der Erfolgsstory des Wiener Gemischten Satzes und der Verleihung des DAC-Status hat österreichweit ein Trend zum Gemischten Satz eingesetzt. Grund genug für Vinaria, eine vergleichenden Degustation der in Österreich auf dem Markt befindlichen Gemischten Sätze vorzunehmen.

Die Gemischten Sätze haben alle unsere Erwartungen erfüllt und darüber hinaus so viel Charakter und Trinkvergnügen in das Weinglas gezaubert, dass sie schon jetzt als große Bereicherung der österreichischen Weinszene anzusehen sind. Und dieses erfreuliche Fazit gilt nicht allein für die Wiener Gemischten Sätze, die zweifellos das Herzstück der Vinaria-Verkostung dargestellt haben, sondern auch für jene Gewächse, die für die klassischen Wein-Bundesländer Niederösterreich, Burgenland und Steiermark am Start waren.

Grob gesagt konnte bei der aktuellen Verkostung eine Zweiteilung des Starterfeldes vorgenommen werden. Nämlich in jene Weine, die in Wien sozusagen als Klassiker ohne Riedangabe und mit maximal 12,5 Volumprozent auf den Markt kommen. Und in jene, die mit 13 bis 15 Volumprozent Alkohol ausgestattet waren und nahezu durchwegs genaue Riedbezeichnungen aufwiesen.

Freilich sind die Vorgaben der Wiener Landesverordnung nicht ohne Weiteres auf das österreichweite Geschehen zu übertragen, denn zum einen haben auch leichtere Weine aus anderen Weinbauregionen Ried- oder Markenbezeichnungen getragen, und zum anderen ist in Wien über die Zweiteilung nach der Verordnung hinaus in der Praxis eigentlich eine Dreiklassengesellschaft festzustellen. Diese besteht aus den DAC-Weinen ohne Riedangabe und mit maximal 12,5 Volumprozent Alkohol und jenen DAC-Weinen, die beispielsweise Großlagen à la Bisamberg und Nussberg aufweisen, sowie jenen Premiumweinen, die genaue Riedbezeichnungen wie etwa Neuberg, Ulm, Rosengartl, Langteufel oder Preussen auf dem Etikett anführen.

Die positive Überraschung der Verkostung war die ansprechende Performance der leichteren Versionen. So charmante Tropfen wie die Gemischten Sätze von Leo Aumann, Barbara Öhlzelt oder Daniel Glattauer, vom Weingut Oppelmayer aus Göttlesbrunn, vom Petershof aus Wien-Stammersdorf, von Fuhrgassl-Huber aus dem Neustifter Mitterberg sind nämlich allesamt „gut gegen Nordwind“ - wenn wir uns erlauben, diesen markanten Buchtitel gleich für die ganze Kategorie der etwas leichteren Gewächse zu verwenden. Allen voran lag nach unserer Einschätzung der Alte Weingarten des Neudeggerhofs, den man mit knappen 13 Volumprozent Alkoholgehalt freilich schon zum Mittelbau zählen könnte.

Nussberger Höhenflüge und ein steirischer Pirat - Die kraftvollen Gemischten Sätze aus einer Einzellage bleiben vorerst freilich eine Domäne der Wiener Spitzenbetriebe, wobei bis auf den Jahr für Jahr überzeugenden Bisamberger von Rainer Christ eigentlich alle Wiener Premium- und Superpremiumweine vom Nussberg stammten, wo sie aufgrund des einzigartigen Terroirs nahezu ideale Ausgangsbedingungen vorfinden. Zudem muss gesagt werden, dass der Jahrgang 2016 in Wien und speziell in den Döblinger Toplagen ganz hervorragend ausgefallen ist und im Unterschied zu den anderen Weinbauregionen auch so markante und erfolgreiche Jahrgänge wie 2013 und 2015 zu übertreffen vermag.

Besonders gut reüssiert haben offensichtlich Weine mit Anteilen der Burgundergruppe, aber auch Riesling- und Traminer-Anteile scheinen sich gut eingefügt zu haben, was wohl insgesamt auch für den Grünen Veltliner gilt, wiewohl ihm am Nussberg keine überragende Bedeutung zukommt. Viele gängige Gemischte Sätze waren auch aus sechs, acht, zehn oder mehr Sorten komponiert, sodass die Suche nach einzelnen Rebsorten-Bestandteilen ohnehin eher zwecklos bzw. zum Scheitern verurteilt war.

Bei den Topweinen lieferten sich die Wiener Weingüter Rotes Haus, Mayer am Pfarrplatz und Wieninger ein enges Rennen, und dies aus den besten Nussberger Rieden. Zu einem exzellenten Tropfen, der mächtigen Körperbau mit Vielschichtigkeit und hoher Finesse vereint, wächst beispielsweise der Gemischte Satz von der Ried Langteufel des Roten Hauses heran, der erst im März 2018 auf den Markt kommen wird. Seidiges Fruchtspiel und ebenfalls hohe Eleganz zeichnen auch die nahezu ebenbürtige Ried Ulm von Fritz Wieninger aus, die diesmal den vielleicht bekannteren Bruder von der Ried Rosengartl mehr oder weniger klar übertroffen hat. Ebenfalls zu dieser hochklassigen Phalanx zählt der zunächst noch etwas reduktive, aber überaus animierende Preussen-Gemischte Satz von Mayer am Pfarrplatz, der seine zahlreichen Facetten und Fruchtakzente erst mit den klirrend frischen, kalkigen Komponenten verbinden muss, wie sie für das Herzstück des Nussberges so typisch sind.

Die ganz große Überraschung lieferte freilich der steirische „St. Leonhard“ von Stefan Potzinger aus dem an sich schwierigen Jahrgang 2014, der mit seinem tiefen Fruchtspiel und der rassigen Fülle den Jahrgang mehr oder weniger verleugnet hat und nahezu ebenso große Ressourcen für die weitere Lagerung besitzen sollte wie das zuvor genannte Wiener Triumvirat, wobei auch der noch unentwickelte 2016er in seiner druckvollen wie fruchtsüßen Ausprägung zu schönen Hoffnungen Anlass gibt.

Toplist Gemischter Satz (Auszug)

17,8 Rotes Haus | 2016 Wiener Gemischter Satz WI Ried Langteufel-Nussberg
17,3 Weingut Wieninger | 2016 Wiener Gemischter Satz WI Ried Ulm-Nussberg
17,1 Stefan Potzinger | 2014 „St. Leonhard“ Prestigecuvée blanc
17,0 Mayer am Pfarrplatz | 2016 Wiener Gemischter Satz WI Preussen-Nussberg
16,7 Rotes Haus | 2015 Wiener Gemischter Satz WI Nussberg
16,6 Weingut Mehofer – Neudeggerhof | 2016 Alter Weingarten
16,6 Rotes Haus | 2016 Wiener Gemischter Satz WI Ried Preussen-Nussberg
16,3 Stefan Potzinger | 2016 „St. Leonhard“ Prestigecuvée blanc
16,3 Weingut Wieninger | 2016 Wiener Gemischter Satz WI Ried Rosengartl-Nussberg
16,2 Weingut Christ | 2016 Wiener Gemischter Satz WI Bisamberg
16,2 Peter Skoff – Domäne Kranachberg | 2015 devil or angel
16,0 Fuhrgassl-Huber | 2016 Wiener Gemischter Satz WI Neustift am Walde Mitterberg
16,0 Weingut Oppelmayer | 2016 Gemischter Satz


Bildtexte:

Fritz Wieninger

© Kramar/Kollektiv Fischa


Sortenvielfalt als Trumpf: Sorten-Multikulti aus einem Weingarten in der Ried Preußen am Nussberg.

© Weingut Wieninger


Weingarten mit Aussicht: Nussberger Reblage vom Weingut Rotes Haus.

© mariusart.at


Gemischtes Doppel: Gemeinsam mit dem Schwesterweingut Rotes Haus zählt der traditionsreiche Mayer am Pfarrplatz zur absoluten Spitze beim Gemischten Satz.

© Weingut Mayer am Pfarrplatz


Wiener Erfolgsduo Hans Schmid (links) und Gerhard Lobner, Weingüter Rotes Haus und Mayer am Pfarrplatz.

© Weingut Mayer am Pfarrplatz
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