Weinregion Neusiedlersee

Weinregion

Neusiedlersee
8.305 Hektar Weinanbaufläche
 Die wichtigsten Rebsorten: Welschriesling, Weißburgunder, Chardonnay, Zweigelt, St. Laurent


Im Norden und Osten des Neusiedlersees breitet sich das nach ihm benannte Weinbaugebiet bis zur ungarischen Grenze aus. Obschon in manchen Gebieten dieser Weinbaugegend der Eindruck eines wahren Rebenmeers entstehen mag, ist auch eine gewisse Differenzierung rechtfertigen.

Da wäre zunächst das relativ unbekannte Gebiet in der nordöstlichen Ecke, die sogenannte Parndorfer Heide, wo nach wie vor eher in der Anonymität verbleibende Weiß- und Rotweine erzeugt werden. Landschaftlich schon hervorstechender – durch den Landeanflug nach Schwechat mittels der östlichen Schleife leicht erkennbar – sind die sanften Weinhänge des Wagram der Parndorfer Platte, die etwa östlich der bekannten Weinbauorte Neusiedl am See, Weiden, Gols und Mönchhof gelegen sind und so klangvolle Rotweinlagen wie Altenberg, Ungerberg, Gabarinza umfassen, von denen einige der allerbesten österreichischen Rotweingewächse überhaupt stammen.

In den letzten Jahren hat die österreichweite Tendenz zur Auspflanzung von Rotweinen dazu geführt, dass einstige Weißweinzentren wie Gols nunmehr zu Rotwein-Hochburgen geworden sind. War in den 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre der Trend zu französischen Rebsorten, wie Cabernet, Merlot und Syrah, kaum aufzuhalten, so ist gegenwärtig eine Rückbesinnung auf Zweigelt, St. Laurent und den für dieses Gebiet bisher eher seltenen Blaufränkischen merkbar. Diesem Trend entsprechend gibt es ab Jahrgang 2011 eine DAC Neusiedlersee für Rotweine aus Zweigelt (Mindestanteil 85%): „Klassik“ ab 12%, „Reserve“ ab 13% Alkohol. Dabei wurden die am Westufer des Sees gelegenen Gemeinden Jois und Winden vom Weinbaugebiet abgetrennt; sie ressortieren nunmehr zu Neusiedlersee-Hügelland respektive der DAC Leithaberg, wo sie bisher auch schon gut aufgehoben waren. Auch ein gewisser Trend zum Blauburgunder ist in den letzten Jahren ebenfalls zu beobachten, wenn auch die Hitzejahre der jüngeren Vergangenheit dieser Mimose unter den roten Rebsorten nicht gerade förderlich waren. Von den diversen Markenschutzgemeinschaften hat sich in den letzten Jahren in erster Linie die Golser Pannobile-Vereinigung, und zwar hauptsächlich mit der roten Pannobile-Variante, profiliert.

Die große Wasserfläche des Neusiedlersees wirkt stabilisierend auf Temperatur und Luftfeuchtigkeit und kann auch die im Jahresschnitt sehr geringe Niederschlagsmenge wieder ein bisschen wettmachen. Dieses klimatische Phänomen bewirkt im Verein mit den meisten Sonnenstunden Österreichs eine hohe Traubenreife der zuvor erwähnten Rotwein-Typen, aber auch die besondere Eignung dieser Weinbaufluren für die Gewinnung hoher und höchster Prädikatsweine.
Das Zentrum der Süßwein-Produktion liegt im Seewinkel, im äußersten Süden des Gebietes, rund um Weinbauorte wie Podersdorf, Illmitz und Apetlon. Vor allem die seenahen Lagen profitieren von der nahezu regelmäßig auftretenden Botrytis, sodass auch von Prädikaten wie Beerenauslese und Trockenbeerenauslese in manchen Jahrgängen erhebliche Quantitäten erzeugt werden können, die etwa die Süßweingewinnung am Westufer des Neusiedlersees oder im Sauternais um ein Vielfaches übertreffen. Freilich gibt es auch Jahrgänge wie 2000 und 2003, in denen der Herbst so trocken verläuft, dass nur geringe Mengen Edelsüßer entstehen. Für diese Fälle wird versucht, mittels der Eisweinerzeugung oder – falls auch der Frost ausbleibt – der Kelterung von Strohweinen, hier meist Schilfweine genannt, Abhilfe zu schaffen. Kennzeichnend für die besten Dessertweine des Seewinkels ist eine feingliedrig und zart anmutende Struktur, die in den besten Jahren durch eine rassige Fruchtsäure ergänzt wird. Viele Süßwein-Spezialisten haben in den letzten Jahren mit aromatischen Sorten wie Scheurebe (Sämling), Muskat-Ottonel, Sauvignon Blanc oder Traminer besonders überzeugen können, aber auch Welschriesling sowie Chardonnay und Grauburgunder vermögen immer wieder erstklassige Kreszenzen hervorzubringen.

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