Weinregion Thermenregion

Weinregion

Thermenregion
2.332 Hektar Weinanbaufläche
 Die wichtigsten Rebsorten: Neuburger, Weißburgunder, Chardonnay, Zierfandler (Spätrot), Rotgipfler, Blauer Portugieser, Zweigelt, St. Laurent, Blauburgunder


Die Thermenregion, die im Sprachgebrauch nicht nur der Wiener Weinfreunde wohl immer die „Süd- bahn“ bleiben wird, stellt jenes unmittelbar im Süden an Wien angrenzende Weinbaugebiet dar, das eine Sonderstellung unter den niederösterreichischen Weinbaugegenden einnimmt. Es kann auf eine große Tradition zurückblicken, wurde doch der Gumpoldskirchner (wie übrigens auch der Wiener Wein) schon an der kaiserlichen Hoftafel serviert; in der Zeit des Dritten Reiches war es eine Gumpoldskirchner Lage, nämlich die sagenumwobene Wiege, die – ex aequo mit dem Bernkasteler Doktor – den höchsten Einheitswert aufwies, also als beste Lage des gesamten Deutschen Reiches angesehen wurde.

Die an den sanften Südhängen von Eichkogel und Anninger gelegenen Weinberge, die zu den Wein- baugemeinden Mödling, Gumpoldskirchen, Guntramsdorf, Pfaffstätten und Traiskirchen zählen, erinnern vom Landschaftsbild her etwas an Burgund, was übrigens auch für die Bodenstrukturen gilt, denn hier herrschen ungewöhnlich kalkhältige Unterböden vor. Diese eignen sich blendend für die Burgunder-Familie, sprich Chardonnay, Grauburgunder und Weißburgunder, aber auch die Eignung des Blauburgunders für dieses Terroir wird in letzter Zeit wiederentdeckt.
Das Lokalkolorit von Gumpoldskirchen, Traiskirchen und Co. wird freilich durch die autochthonen Sorten Zierfandler, Rotgipfler und Neuburger geprägt. Während der dezente, eine zart-nussige Würze aufweisende Neuburger auch in anderen Teilen Niederösterreichs und im Burgenland kultiviert wird, sind die Raritäten Rotgipfler mit 110 Hektar und Zierfandler mit 85 Hektar weltweit beinahe nur hier anzutreffen, wenn man einmal von einer kleinen ungarischen Zierfandler-Enklave rund um Pécs (Fünfkirchen) absieht. Die immer wieder beschworene Einmaligkeit dieser Rebsorten hat zu einer steigenden Wertschätzung geführt; dazu trägt vielleicht auch bei, dass sich der Rotgipfler auch sehr gut für den Ausbau im Eichenfass und die Komposition von Cuvées eignet – der traditionelle Verschnitt mit dem Zierfandler heißt übrigens nach wie vor „Spätrot-Rotgipfler“ –, während der Zierfandler, sofern er glockenklar und reduktiv ausgebaut wird, sogar mit riesling-artiger Rasse und Finesse und schöner Persistenz punkten kann.

Aus den traditionellen Südbahn-Weißweinsorten können übrigens auch prachtvolle Dessertweine, deren Bandbreite sich von der Auslese bis zu Trockenbeerenauslesen und Eisweinen spannt, gekeltert werden; durch die lebhafte Säure und exotische Frucht der beiden Gumpoldskirchner Leitsorten ergeben sich im Verein mit der Botrytis äußerst individuelle und mächtige, aber auch lagerfähige Gewächse, die in einem Zug mit den Ruster Ausbrüchen und den Seewinkler TBAs genannt werden können. Hier befindet sich gewissermaßen die dritte Säule der österreichischen Süßwein-Produktion. Nach wie vor dominiert in quantitativer Hinsicht der Blaue Portugieser die mit Rotweinreben ausgepflanzten Rebfluren, in qualitativer Hinsicht ist er jedoch längst vom Zweigelt abgelöst worden.

Die kleinere Rotweininsel der Thermenregion befindet sich im Bereich von Bad Vöslau, zu dem auch Weinorte wie Baden, Sooß, Gainfarn und Leobersdorf zählen. Hier werden auf unterschiedlichen Böden außer den zuvor genannten Rebsorten auch St. Laurent, Blauburgunder, Cabernet, Merlot und Co. kultiviert. Ungefähr den gleichen Rebsortenmix haben auch die kargen Schotterböden des Steinfeldes rund um Tattendorf, Teesdorf und Trumau aufzuweisen, wobei sich diese Weinorte aber in Zukunft besonders stark mit St. Laurent und Blauburgunder profilieren wollen, die hier besondere Güte erreichen. Die im Tannin eher samtigen Rotweine werden auch als Blends ausgebaut; für die Premiumklasse hat sich längst der Barriqueausbau durchgesetzt.

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