Kolumne: Kann China guten Wein produzieren?

Kolumne: Kann China  guten Wein produzieren?

Kolumne: Kann China guten Wein produzieren?

Würde Udo Jürgens heute einen Schlager über Wein schreiben, dann könnte man sich durchaus vorstellen, dass er „Chinesischer Wein“ heißen würde. Es wäre dann entweder eine von China gesponserte patriotische Hymne oder ein Protestlied in Hong Kong.

Chinesischen Wein jedoch gibt es schon lange, nach Wikipedia seit 7000 vor Christus. Und laut OIV Statistik gibt es auch Unmengen davon, etwa 11,4 Millionen Hektoliter in 2016. China ist damit eines der größten weinproduzierenden Länder. Aber noch immer verschwindend wenig in Relation zur Bevölkerungszahl.

2019 hat der Luxusgüterkonzern LVMH (Louis Vuitton Moet Hennessy) weltweit den Ao Yun auf den Markt gebracht, einem Wein aus dem sagenumwobenen Shangri-La. Mit 300 Euro pro Flasche satt kalkuliert. LVMH hat die gesamte Marketing Maschine der Gruppe dahinter gestellt.

In Hong Kong werden Weinabende in Sterne Restaurants mit dem Winzer Maxance Dulou organisiert. Es fließt unbegrenzt Dom Perignon 2008 als Aperitif und 2014 und 2015 Ao Yun zum Essen. Der Wein ist überraschend gut, versucht nicht Bordeaux zu sein, sondern ist eigenständig und einzigartig, lebt von der Herkunft aus Hochgebirgs-Weingärten und ist edel wie man es für einen Luxuswein erwarten würde. 

Maxence Dulou hat sechs Jahre mit seiner Familie in Shangri-La gewohnt, das vier Flugstunden vom Weingut entfernt liegt. Vor kurzem ist er nach Hong Kong umgezogen und braucht jetzt fast zwei Tage, um zum Weingut zu kommen. Distanzen sind anders in China.

Aber wie schaut es nun wirklich aus? Kann China guten Wein produzieren? Weinproduktion wird in China durch Konglomerate wie Great Wall, Dynasty und Changyu dominiert. Changyu gibt es schon seit 1892. Lange Zeit ging es hier um Masse und nicht Qualität. Es wurden importierte Trauben oder Fasswein und sogar Früchte zu Wein verpanscht. Vor 10 Jahren konnte noch der Großteil von dem was auf dem Markt landete, als untrinkbar qualifiziert werden. Dann kam eine Qualitätsoffensive.

Einer der ersten Qualitätsweingüter war Grace Vineyards, produziert in Shanxi. Das Familienweingut wurde von Judy Chan, der Ex-Gattin des berüchtigten Goldmann Sachs-Bankers Tim Leissner, in jungen Jahren aufgebaut. Schwierigkeiten gab es viele. Land gehört in China dem Staat und stolze Landwirte, die Kulturlandschaftspflege betreiben, gibt es nicht. Daher ist Qualitätskontrolle beim Weinbau schwierig.

Ningxia wird als die beste Weinregion in China gehandelt. Eine muslimische Region, und eine trockene Wüste, die nur durch Bewässerung in eine Weinregion verwandelt wurde. Die Rebstöcke müssen über Winter eingegraben werden, um diese vor bitterer Kälte und Trockenheit zu schützen – selbst in China ist das ein sehr arbeitsintensives Unterfangen. Ob das langfristig Sinn macht, soll dahingestellt sein, denn die wenigen Studien die es dazu gibt, dürfen in China nicht publik gemacht werden.

Die Ningxia Rotweine sind sicherlich das Beste, das China zu bieten hat und Häuser wie Silver Height, Kanaan, Changyu-Moser (eine Kooperartion mit dem Österreicher Laurenz Moser V. als Konsulent) und Legacy Peak produzieren solide Weine. Rot ist besser als Weiß, man findet viel Cabernet Sauvignon und Cabernet Gernischt (der sich als Carmenere und nicht autochthone Rebsorte herausgestellt hat). Marselan erzielt hier die besten Resultate.

Es bleibt abzuwarten, wie sich die derzeitige Zäsur in der Weinindustrie in China auf deren Zukunft auswirken wird. Potential gäbe es jedenfalls genug im Reich der Mitte. Da passt das zu Chinesisch-Neujahr (25. Jänner 2020) eben begonnene Jahr der Ratte gut dazu. Anders als in der westlichen Welt ist das Ratten-Jahr mit Wohlstand und Neubeginn assoziiert.

Hinweis: Lesen Sie dazu auch den Beitrag “Laurenz Moser V. bringt Chinas Ultra-Cabernet“

Roland Müksch
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