Italien: Prosecco-Streit eskaliert erneut

Italien: Prosecco-Streit  eskaliert erneut

Italien: Prosecco-Streit eskaliert erneut


Zum Jahreswechsel eskalierte in Italien der Streit um den Namen Prosecco erneut. Es handelt sich dabei um einen lange schwelenden Konflikt. Just, nachdem im Sommer 2019 die Unesco die „Collina del Prosecco“, den Prosecco-Hügel zwischen Conegliano und Valobbiadene im Veneto, zur Weltkulturstätte erhob. Es ist die 55. in Italien, das damit den internationalen Rekord hält. 197 Quadratkilometer Fläche umfasst die „Collina del Prosecco“.

Die Winzer dort aber streiten was das Zeug hält. Einige Mitglieder der Genossenschaft der örtlichen Winzer wollen das Wort „Prosecco“ nicht mehr auf dem Etikett ihrer Flaschen drucken. Ihr Antrag löste große Unruhe bei den anderen Mitgliedern der „confraternità di Valdobbiadene“ aus, wie die Genossenschaft heißt. Der Grund: Der Unterschied zwischen „Prosecco“ mit der Bezeichnung Doc (kontrollierte Ursprungsbezeichnung) und dem „Prosecco Superiore“, der die Qualitätsbezeichnung Docg (kontrollierte und garantierte Herkunftsbezeichnung) trägt, sei nicht ausreichend, um eine präzise Identität auszudrücken.

„Heutzutage ist das Wort Prosecco zu verallgemeinernd geworden und birgt das Risiko, unsere jahrhundertealte Tradition zu banalisieren“, heißt es im Antrag der Abtrünnigen. Denn ihre Trauben würden mühevoll in den Hügeln geerntet, die anderen Prosecco-Winzer hätten im Tal weniger Arbeit. Deshalb wollten sie ab jetzt das Wort Prosecco streichen und auf ihre Etiketten „Conegliano Valdobbiadene Prosecco Superiore“ drucken. Es geht natürlich um Geld und Vermarktung des „Superiore“.

Nicht alle haben mit dem Vorstoss Freude, ganz im Gegenteil. Der Export ist der wichtigste Markt für den Prosecco und den Konsumenten sei es egal, ob der Sprudel vom Hügel oder aus dem Tal kommt, wenn nur die Qualität stimmt. Das meint etwa Giancarlo Moretti Polegato, Besitzer und Chef der Weinkellerei Villa Sandi, die mitten im Unesco-Gebiet liegt: „Es hat keinen Sinn, die Kunden zu verwirren“, meint der Bruder von Geox-Besitzer Mario Moretti Polegato. Die Villa Sandi macht rund 95 Mio Euro Umsatz, davon 60% im Export.

Die Prosecco-Welt ist riesig: Das Weinanbaugebiet ist mit einer Fläche von 24.450 Hektar eines der größten in Italien, aufgeteilt auf die Regionen Venetien und Friaul/Julisch-Venetien. Jeder vierte Schaumwein weltweit ist ein Prosecco. Im vergangenen Jahr wurden 464 Millionen Flaschen abgefüllt.

Für die italienischen Weinbauern lief es 2019 generell ausgezeichnet. Der lange, warme Sommer brachte eine Rekordernte, die auch einen sehr guten Jahrgang erwarten lässt. Dies teilte Coldiretti, der größte Agrarverband Italiens, mit.
Zurück