Michelin schluckt Robert Parker’s Wine Advocate

Michelin schluckt Robert  Parker’s Wine Advocate

Michelin schluckt Robert Parker’s Wine Advocate

Was 2017 mit einer strategischen Beteiligung von 40% der Anteile begann endet nun in einer Komplettübernahme: Die Holdinggesellschaft der Guides Michelin übernimmt Robert Parker’s Wine Advocate (RPWA) zu 100%. Betroffen sind sämtliche Parker-Medien inklusive der Verkostungsteams und der Eventorganisiationen. Ende November wurde der Deal in New York bekannt gegeben. Die Zustimmung der Aufsichtsbehörden vorausgesetzt, soll die vollständige Integration so rasch als möglich vollzogen werden. Bereits vor einem halben Jahr trat Robert Parker Jr von seinen letzten Funktionen bei RPWA zurück. Michelin kaufte die Anteile großteils von asiatischen Investoren, die bereits 2012 die Mehrheit an RPWA übernommen hatten.

Damit entsteht ein weltweiter Guide-Gigant mit in Teilbereichen beherrschendem Einfluss auf Restaurant- und Weinbewertungen. In vielen Märkten sind die Bewertungen der beiden Giganten auch von wirtschaftlich essentieller Bedeutung. Haben doch Sterne und Parker-Punkte nahe der 100 Punkte-Maximalgrenze unmittelbaren Einfluss auf Nachfrage und Preisgestaltung.

„Es ist eine unglaubliche Gelegenheit, die führenden Verkostungs-und Bewertungsteams der Michelin Guides und von Parkers Wine Advocate unter einem Dach zusammen zu führen“, strahlte Nicolas Achard, neuer CEO von RPWA. Der Fussabdruck der beiden Marken wird Gourmets und Weinfreaks rund um die Welt künftig noch stärker begleiten oder konfrontieren. Durch die Vernetzung der Welten von Michelin und Parker entstehen gänzlich neue Chancen die wahrscheinlich schon sehr bald zu ebensolchen Produkten führen werden.

Lisa Perrotti-Brown, Herausgeberin und Chefredakteurin von Robert Parker’s Wine Advocate, überschlug sich geradezu vor Freude über den großen Deal: „We have some exciting news (…) We have been fully acquired by Michelin, now standing side-by-side with Michelin Guide as leaders in wine and restaurant criticism.“

In die Jahre gekommen - Unbestritten ist aber auch, dass Michelin und Parker in ihren jeweiligen Stamm-Märkten in den vergangenen Jahren stark unter Druck gerieten. Neue, pfiffige Guides und Formate machen an allen Ecken und Enden zu schaffen. Die RPWA-Bewertungen, die vor drei, vier Jahrzehnten den Bordeaux-Boom erst ausgelöst hatten und mit ihrem „100 Punkte-Terror“ die Weinwelt bis heute drangsalieren, standen lange Zeit für fette, schwere, tanninreiche Weine, vor allem Rotweine. Die Bio-, Biodyn- und Naturalwelle und der Trend zu alkoholärmeren Weinen schien lange an den Robert Parker-Leuten spurlos vorüber gegangen zu sein. Erst die jüngere Kosterriege sorgte zaghaft für beginnendes Umdenken.

Auf der anderen Seite pfeift den Guides Michelin in einigen Märkten eisiger Wind um die Ohren. Prominentestes Beispiel dafür ist das auch nicht unumstrittene Ranking „The World’s 50 Best Restaurants“ mit all seinen Ablegern. Dazu regional erfolgreiche Guides, etwa „Foodie“ in Frankreich oder der „Guide Gusto“ in Deutschland. Handlungsbedarf war also bei beiden Kost-Riesen gegeben, dazu kam der Druck der eigenen Shareholder.

Der Konzern der Guides Michelin wiederum steht seit seiner Gründung 1923 im Besitz des Reifenkonzerns Michelin mit Sitz in Clermont-Ferrand in Frankreich. Hergestellt werden neben Restaurant- auch Reiseführer, Stadt- und Straßenkarten aller Art. Michelin selbst wurde 1889 gegründet, ist einer der größten automativen und Reifenkonzerne der Welt, beschäftigt in 170 Ländern fast 112.000 Mitarbeiter. Zuletzt wurde ein Jahresumsatz von 22 Milliarden Euro erzielt. Nach wie vor ist die Familie Michelin einer der größten Aktionäre der Gruppe.
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