Veltliner im Waldviertel, Riesling im Piemont

Veltliner im Waldviertel,  Riesling im Piemont

Veltliner im Waldviertel, Riesling im Piemont

Winzer Willi Bründlmayer (links) prognostiziert, dass es bald keinen Grünen Veltliner mehr geben wird. Außer das Waldviertel springt als Anbauregion ein. Das war der Sukkus eines Interviews, das der Langenloiser Paradewinzer Willi Bründlmayer vor wenigen Wochen gab und das die Gazetten ebenso aufwühlte wie die Weinbranche.

„Der Wein erzählt vom Boden, von der Hitze, der Kälte, dem Sturm und dem Regen, von der Landschaft und auch den Menschen, mit denen er zu tun hat”, sagte Willi Bründlmayer in dem Interview: „Nur die Hitze in Langenlois, die wird ihm jetzt langsam zu viel.“ Besonders dem Grünen Veltliner, der Leitsporte des Landes, meint Bründlmayer. 

Josef Eitzinger, Klimaforscher an der Wiener Universität für Bodenkultur, stösst ins selbe Horn: “Produzenten von Grünen Veltliner kommen unter Druck, weil die Qualitätsstandards bezüglich Säure künftig kaum mehr erreicht werden können. Während die Rotwein-Trauben die Wärme lieben, verliert der Veltliner seine Frische und feine Aromatik.“

Bründlmayer, mit weit über 600.000 Flaschen Produktion, davon ein gutes Drittel Sekt, eine der Winzergrößen im Lande, ortet den Grünen Veltliner künftig im nördlichen Waldviertel, wo es um ein paar Grad kühler ist als in Donaunähe. Seit 1880 sei es in Österreich um zwei Grad wärmer geworden, meint Bründlmayer, in der Welt nur um 0,9 Grad. Genau genommen kommen die Kamptaler Weine allerdings jetzt schon aus dem Waldviertel, dessen südöstlicher Teil geografisch vom Kamptal gebildet wird.

Frischengruber ganz konträr - Gänzlich anderer Meinung ist da zum Beispiel der Kellermeister und Önologe der Domäne Wachau, Heinz Frischengruber. Er könne das schon gar nicht mehr hören, spielt er auf die latenten Unkenrufe zum Thema Wein und Klimawandel an. „Wir haben dank genügend Regen im Frühjahr und dem schönen, heißen Sommer und Spätsommer eine perfekte Lese einfahren können. 2019 hat es in sich, wieder ein Traumjahrgang zu werden“, ist Frischengruber hörbar stolz auf das, was er in den Keller brachte. Eines der berühmten „Neuner-Jahre“ zeichnet sich ab.

„Die drei jüngsten Jahrgänge – 2017, 2018 und 2019 – waren einer besser als der andere, sowohl von der Menge wie auch von der Qualität“, sagt Heinz Frischengruber: „Besser geht’s kaum, wer will da jammern?“ Die Domäne Wachau werde jedenfalls wegen der wärmeren Sommer keinen Weinstock ausreißen lassen, keine Sorten verändern und schon gar keinen Rotwein auspflanzen. Frischengruber sieht den Rebstock zudem als extrem widerstands- und anpassungsfähig: „Die Pflanze ist wie Unkraut, kommt mit fast allen Situationen zurecht, kann sich gut anpassen und wurzelt tief.“ #

Einen Vergleich hat Frischengruber auch zur Hand: „In der wohl nördlichsten Weinregion mit herausragenden Qualitäten, an der Mosel in Deutschland, ist es im Schnitt um nicht mehr als zehn Grad wärmer wie im heißesten Weinbaugebiet der Welt, Adelaide Hills in Südaustralien.“

Riesling aus dem Piemont - Unterdessen tragen die Winzer auch im italienischen Piemont den dort meist noch heißeren Sommern Rechnung. Die Anbaugebiete für Wein werden zunehmend in höhere Lagen ausgeweitet, die sich bei etwas mehr Wärme für den Weinbau bestens eignen. Zudem wird mit steigender Tendenz Riesling gepflanzt, um die bestehenden Weißweinsorten zu ergänzen, die im Piemont traditionell nicht die Hauptrolle spielen.

Es gibt bereits einige sehr gute Rieslinge im Piemont, die die Attribute eines schönen Rieslings in sich vereinen. Gute Frucht-Säure-Struktur, Frische, Biss, Balance und Eleganz bei gleichzeitiger Länge. Tino Colla ist ein Rieslingfan unter den Piemont-Winzern. Sein 2018 Riesling Langhe DOC Cascine Drago ist ein herrlich mineralisch-fruchtiger Sortenvertreter. Oder der „Hérzu“ von Ettore Germano aus Serralunga d’Alba, ebenso wie der „Petracine“ von Vajra aus dem Ort Barolo. Ersterer (Germano) findet sich mit etwas Glück auch schon gereift auf einigen Weinkarten guter Osterien der Region, zuletzt gesehen sogar aus dem Jahr 2011.

Weitere Geheimtipps für Riesling im Piemont sind etwa der 2017 Ca‘ del Baio von Ca‘ del Baio in Treiso und der 2017 Langhe Riesling DOC von Massolino aus Serralunga d’Alba. Neu im Programm, wenn auch wegen geringer Menge nicht auf der Kostliste, steht ein Langhe Riesling im Paradeweingut Oddero in La Morra. Allesamt sind diese Rieslinge noch sehr preiswert im Vergleich zu dem, was man sonst aus dem Piemont gewöhnt ist.
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