Riesling Rieden-Vertikale mit Terroir-ist Franz Proidl

Riesling Rieden-Vertikale mit Terroir-ist Franz Proidl

Riesling Rieden-Vertikale mit Terroir-ist Franz Proidl

Die Familie Proidl aus dem Kremstal (Niederösterreich) zählt seit Jahren zu den besten Weißweinerzeugern des Landes, von Vinaria mit der Höchstwertung von 5 Kronen geadelt. Eine Auszeichnung, die nur 28 Betriebe in ganz Österreich führen dürfen. Neben Grüner Veltliner und einigen aromatischen Spezialitäten gilt der Riesling als besonderes oenophiles Steckenpferd im Senftenberger Weingut. Drei höchst eigenständige Einzellagenweine werden aus dieser Sorte kreiert.

Paradelage Ried Ehrenfels - Bereits 1437 erstmals erwähnt, wurde diese Steillage unterhalb der Burgruine Senftenberg nach 1945 nicht mehr bewirtschaftet und verwilderte in der Folge vollkommen. Franz Proidl erkannte schon früh das große Potenzial dieser zum vitikulturellen Schandfleck verkommenen Riede, erwarb ab den späten Neunzehnachtzigerjahren Stück um Stück davon und erweckte sie mit großem Einsatz und Aufwand aus dem Dornröschenschlaf. Inzwischen genießt die insgesamt lediglich 2,3 Hektar umfassende Monopollage Kultstatus.

Nach Süden und Südosten ausgerichtet, weist die mit Grüner Veltliner und Riesling bestockte Steillage einen Mix aus Amphiboliten, Paragneis und Marmor und als Besonderheit auch Bronzit (vereinfacht ein Magnesium-Eisen-Silikat), das den Charakter der Weine beeinflussen dürfte. Die Reben hier sind rund 30 Jahre alt. Trotz ihrer Kleinheit weist die Riede mehrere von Mikroklimata auf; entsprechend wichtig ist die Selektion.

Auch die Ried Hochäcker wurde im 15. Jahrhundert erstmals erwähnt, sogar vor dem Ehrenfels. Diese berühmte Riede, für die auch Winzerkollege Martin Nigl bekannt ist, genießt ebenfalls den Status einer 1ÖTW-Lage in der Vereinigung der Österreichischen Traditionsweingüter. Wie der Name schon andeutet, handelt es sich hierbei um die höchstgelegenen Steilterrassen unterhalb des anschließenden Plateaus in einer Seehöhe von bis zu 370 Metern. Luftig und hoch gelegen, galt die gut 9 Hektar große Ried Hochäcker früher als eher kühl bis moderat, sie hat im Zuge der Klimaerwärmung profitiert.

Dritter im Bunde der Proidl’schen 1ÖTW-Rieden mit Rieslingneigung ist der nur 1,5 Hektar umfassende Pfeningberg, der bereits Ende des 13. Jahrhunderts erwähnt wurde, als ein „Pfennich“ an oder von einem Bürger für einen dortigen Weingarten bezahlt wurde. Diese warme, nach Südwest geneigte Lage liegt am weitesten südlich von den dreien. Im unteren Bereich mit Schotterleisten steht Veltliner. Im oberen, deutlich trockeneren Bereich dominiert Glimmerschiefer, dementsprechend ist hier Rieslingland.

Die Verkostung - Die drei Lagenrieslinge matchen sich Jahr für Jahr um die Spitze, doch hat einiges auch mit persönlicher Präferenz zu tun. So gibt es unter den Proidl-Fans natürlich auch viele Weinfreunde, die sich des spezifischen Charakters wegen fast immer für ein und dieselbe spezifische Lage entscheiden.

Gekostet wurden zwei Jahrgänge aus diesem Jahrzehnt, und dann ab 2008 fast alle Jahrgänge bis 1999 zurück. Der Jahrgang 2015 ist trotz Hitze besonders beim Riesling hervorragend gelungen, der in der Jugend etwas kratzbürstige 2013er hat sich deutlich entwickelt – vor allem Ehrenfels hat sich grandios entwickelt. 2008 stellte eine sehr schöne positive Überraschung dar, 2007 war in der Spitze wie erwartet hervorragend, dafür der in der Jugend hochgelobte, barocke Jahrgang 2006 eher breit und schon weit entwickelt.

Richtig toll war der 2005er, die Weine haben noch viel Potenzial. Der eher unreife Jahrgang 2004 schlug sich wacker, die Weine waren noch vital. Der vielerorts schon weit gereifte, hitzige plumpe 2003er ist im Hause Proidl beachtlich gut gelungen, wobei der große Ehrenfels herausstrahlt. 2002 bietet saftigen Trinkspaß, doch werden die Weine vermutlich nicht besser, manche waren es früher. 2001 ist dafür eine Krönung, von einer Struktur, Tiefe und Frische und Komplexität, die man selten findet. Da konnte auch der an sich sehr gute 1999er nicht ganz mithalten.

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Peter Schleimer
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