„Cheese“ in Bra: Käseduft liegt in der Luft

„Cheese“ in Bra: Käseduft liegt in der Luft

„Cheese“ in Bra: Käseduft liegt in der Luft

Wenn Slow Food zur „Cheese“ ruft, verwandelt sich die gesamte Altstadt von Bra (Piemont, Italien) in eine große Käsetheke. Ein Besuch auf der Cheese bedeutet nur eines: kosten, kosten und nochmals kosten. Das lässt man sich in Italien nicht zwei Mal sagen, und so stürmten tausende Besucher Mitte September den Feinschmecker-Event.

Stolz sind sie alle auf ihre Produkte und jeder einzelne Erzeuger erzählt gerne und – typisch italienisch – wild gestikulierend über seine Schätze. Ob man will oder nicht, erfährt der Besucher dabei auch die ganze Familiengeschichte: von der Urstrumpftante bis zum jüngsten Sprössling.

2 Meister ihres Fachs - Francesco Saverio ist eigentlich ein Newcomer. Als er in Pension ging, war es ihm zu langweilig, mit den anderen alten Männern im Caffèe zu sitzen, Wein zu trinken und Karten zu spielen. Er begann, sich mit der Käseproduktion zu beschäftigen, vertiefte sein Wissen, experimentierte mit alten Rezepten und der Erfolg kann sich schmecken lassen. Mit seinem Caciocavallo Podolico (ein Kuhmilchkäse, der die Form eines übergroßen Tropfens hat) räumte vor einigen Jahren den ersten Platz beim World Cheese Award ab.

Sich auf den Lorbeeren auszuruhen und den Ruhestand zu genießen, kam für Francesco nie infrage. Er experimentierte weiter an dem süditalienischem Traditionskäse. Das jüngste Produkt ist ein Caciocavallo mit Limone. Die ganze Frucht wird im Käse eingepackt und gibt ihr Aroma ab. Man riecht und schmeckt leicht die Limone, die dem Käse besondere Frische verleiht.

Ganz anders war es bei Angelantonio Tafuno. Der 26-jährige entstammt einer Familie von Käsemachern und bringt seit kurzem neue Ideen und frischen Wind in die traditionelle Käserei. Er möchte moderne Käse machen, dabei aber nicht auf die alten Traditionen vergessen. Am Anfang, erzählt er, gabe es immer wieder kleine Reibereien mit seinem Vater, der die Ideen seines Filius als zu neumodisch abgetan hat. Aber der juge Mann hat sich durchgesetzt: Sein Pallone sieht aus wie ein überdimensionales Straußenei, schmeckt aber wie ein Pallone eben schmecken muss: leicht würzig mit einer milden Schärfe.

An jedem einzelnen der 400 Stände der Cheese in Bra kann der Besucher neue Geschmäcker entdecken: einen Peccorino, der in Tabakblätter eingewickelt wird und leicht rauchig schmeckt. Eine Burrata, die so cremig ist, dass sie regelrecht auf der Zunge zergeht oder ein Riesenkäserad, für das 1000 Liter Milch verarbeitet wurden.

Wer dann im käsegefüllten Magen noch Platz findet, kann an einem der Streetfood-Stände einen schmackhaften Burger gefüllt mit Pulpo probieren oder sich durch diverse Salumis und Prosciutti durchprobieren. Natürlich ist auch für die passende liquide Begleitung gesorgt: alle Regionen Italiens sind in der Enoteca vertreten. Von A wie den Abruzzen bis V wie Veneto – 700 verschiedene Weine warten in der Enoteca darauf, verkostet zu werden.

Essen und Trinken sind in Italien ein Kulturgut. So musste jüngst eine Mc Donald’s-Filiale in Bari schließen. Die Burgerbrater hatten einfach keine Chance gegen die köstlichen Foccaccias und Panninis einer alteingesessenen Bäckerei direkt nebenan.

Alexandra Salvinetti

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