Herkunftsweine: Neue DAC in Carnuntum

Herkunftsweine: Neue DAC in Carnuntum

Herkunftsweine: Neue DAC in Carnuntum

Doch überraschend, kommt die Weinregion Carnuntum (Niederösterreich) flotter als gedacht mit einer neuen DAC. Dabei hat es im Gebiet schon seit Längerem gebrodelt. Die Planungszeit hat sich aber ausgezahlt, ist doch die neue DAC-Regelung gut durchdacht mit festen Grundsätzen bei genügend Flexibilität.

Das Weinbaugebiet Carnuntum galt längere Zeit als DAC-kritisch, man verfolgte das DAC-Treiben eher von der Seitenlinie. Dabei war Herkunft für die Winzerschaft in diesem Weinbaugebiet schon seit langem ein wichtiges Thema, dessen Definition und Unterteilung man viel Aufmerksamkeit widmete. So lief etwa bereits seit vielen Jahren ein aufwändiges Projekt zur Charakterisierung und Klassifikation der verschiedenen Terroirs im Gebiet, dessen Ergebnisse nun in eine Lagenklassifizierung einfließen.

In Sachen DAC wollten die Carnuntiner Winzer ein umfassendes wie überzeugendes Konzept liefern. So beobachtete man die Entwicklungen in den anderen Gebieten, die Fehler und die Errungenschaften sowie die Evolution des DAC-Systems an sich. Seit kurzem steht der Verordnungstext fest, den das zuständige Ministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus verordnen wird. Die DAC-Verordnung wird für den das Weinbaugebiet Carnuntum ausmachenden politischen Bezirk Bruck an der Leitha sowie den Gerichtsbezirk Schwechat gelten. Wie in anderen Gebieten werden die für Carnuntum DAC vorgesehenen Weine neben der Analyse von einer amtlichen Kostkommission auf Typizität geprüft.

Die neue Regelung ist ab dem Jahrgang 2019 verpflichtend, kann aber wo zulässig auch für Weine aus den davorliegenden Jahrgängen in Anspruch genommen werden. Die den Regeln entsprechenden Weine müssen die Herkunft Carnuntum am Vorderetikett anführen. Die Weine – weiß wie rot – müssen trocken sein und aus einem Erntejahr. Herstellung und Abfüllung muss im Gebiet erfolgen. Ausnahmen nur nach Genehmigung durch das regionale Weinkomitee.

Die DAC-Sorten - Interessant wird es bei den Sorten, denn dabei werden neue Wege beschritten: Weißweine müssen aus den Rebsorten Chardonnay, Weißburgunder oder Grüner Veltliner bestehen. Zulässig sind auch Verschnitte, wobei gilt: 2/3 müssen aus den drei genannten Rebsorten stammen, für den Rest können sich die Winzer an sonstigen Qualitätsweinsorten bedienen. Analog dazu ist es beim Rotwein: Diese müssen aus den Sorten Zweigelt oder Blaufränkisch bestehen, die wiederum erlaubten Verschnitte folgen ebenfalls der Zwei-Drittel-Regel. Damit sind die Winzer Cuvée-mäßig sehr flexibel.

Ortsweine aus 6 Gemeinden - Auch bei Carnuntum DAC gilt die mittlerweile bewährte Wein-Qualitätspyramide, die sich aus Gebietswein, Ortswein und an der Spitze Riedenwein zusammensetzt. Für Ortswein sind nur sechs Gemeinden zugelassen: Göttlesbrunn, Hainburg, Höflein, Petronell, Prellenkirchen und Stixneusiedl. Ried und Ort dürfen ausschließlich bei DAC-Weinen anfgeführt werden – hier entfällt also die in anderen Herkünften genutzte Möglichkeit, einen nicht den Regeln (Sorte) entsprechenden Wein mit Einzellage unter der Herkunft Niederösterreich (oder Burgenland) in den Verkehr zu bringen.

9 x 1.ÖTW Lage - Für Orts- und Riedenweine gilt bei Weiß der 15. März, bei Rot der 1. November des auf die Ernte folgenden Jahres als frühestes Datum für die Veröffentlichung. Abseits der DAC ist noch die vereinsinterne Lagenklassifizierung (Österreichische Traditionsweingüter - ÖTW) erwähnenswert: Hier hat man sich auf lediglich 9 Lagen für das gesamte Gebiet festgelegt – erfreulich und seriös.

Neues aus der Wachau – Den einen oder anderen Schritt näher zur DAC-Regelung ist auch die Wachau gekommen. Der neue Antrag des regionalen Weinkomitees liegt für Dienstag, 3. September 2019, dem Nationalen Weinkomitee zur Beschlussfassung vor. Wenn dort ein Beschluss gefasst wird, geht dieser umgehend an den zuständigen Minister zur Verordnung. Die Handlese für alle Qualitätsstufen der Weinpyramide wurde neuerlich beantragt und wird wohl durchgehen. Auch in der Steiermark wurde die generelle Handlese in der DAC-Vorordnung umgesetzt.

Das Mostwäger-System für Traubenverarbeitung außerhalb der Region Wachau wurde ebenfalls beantragt. Das ist ein arger Streitpunkt, vor allem mit den großen Produzenten des Kremstales, die Wachauer Trauben vorwiegend vom Südufer zu Wachauer Wein verarbeiten.

Die Qualitätsspitze in der Wachau sollen künftig die Riedenweine einnehmen, hier allerdings nur Grüner Veltliner und Riesling. Eine Stufe darunter dann der Ortswein, für den sieben regionaltypische Sorten zugelassen werden sollen: neben Veltliner und Riesling noch Weißburgunder, Neuburger, Sauvignon Blanc, Traminer und Gelber Muskateller. Bei der Basisstufe der Pyramide, den Gebietsweinen, wären dann 17 Rebsorten zugelassen, somit ziemlich alles, was an Reben in der Wachau wächst.

Auf Mindest-Alkoholwerte wird bei Wachau DAC verzichtet werden. Die Riedenweine dürfen nicht aufgezuckert werden. Rieden- und Ortsweine dürfen keinen schmeckbaren Holzeinsatz aufweisen. Als Gebinde sollen nur 0,75 Liter und ein Vielfaches zugelassen werden. Im ersten Anlauf wollten die Wachauer die Literflasche auch noch dabei haben.

Zurück