Österreich ist Vorbild für deutsches Weingesetz

Österreich ist Vorbild für deutsches Weingesetz

Österreich ist Vorbild für neues deutsches Weingesetz

Unterschiedliche Traditionen haben auf den Etiketten der deutschen Weinflaschen ein heilloses Durcheinander von Bezeichnungen und Informationen verursacht. „Das Problem ist, dass praktisch jeder nach seinem eigenen Regelwerk arbeitet“, sagt Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). Bei den Konsumenten führt das zu heilloser Verwirrung. Mehr Klarheit soll ein neues Weingesetz bringen, das Klöckner Anfang 2020 vorlegen will. Viele Inhalte davon orientieren sich am österreichischen Weingesetz. Diesbezüglich ist die Alpenrepublik dem großen Nachbarn um einiges voraus.

Das deutsche Weinrecht stellt bislang die Angabe der Rebsorten in den Mittelpunkt, oft verbunden mit Jahrgang und dem Namen der Weinbergslage. In Frankreich, Italien oder Spanien steht hingegen die Herkunftsangabe im Zentrum: für Weine mit höherem Qualitätsanspruch wird die genaue Lage genannt, für Landweine wird allenfalls die Region genannt. Das Weinrecht der EU orientiert sich am romanischen Weinrecht, das Herkunftsangaben mit einem Qualitätsversprechen verbindet.

Bundesministerin Klöckner: „Herkunft im Sinne einer geschützten Herkunft ist ein Gesamtpaket aus Boden, Klima, Umwelt, Anbaumethode, Rebsorte, Weinbereitungs- und -ausbauverfahren sowie vielem mehr. All diese Faktoren machen den jeweiligen Wein aus, verleihen ihm seinen Charakter und Geschmack.“ Eine Erkenntnis, die in Österreich schon vor vielen Jahren in die Weingesetze eingeflossen ist und ständig verfeinert wird.

Die Österreichische Weinmarketing (ÖWM) hat mit dem DAC-System und der Weinpyramide Herkunft und Lagen immer mehr in den Mittelpunkt gerückt. Zuletzt wurden an der Spitze der Pyramide die Lagen zu Rieden zugespitzt, um noch präziser sein zu können. Davon sind die deutschen Freunde noch ein ordentliches Stück entfernt.

Terroir-Prinzip - Zurück zur geplanten Reform des deutschen Weingesetzes: Je enger die Herkunftsangabe, desto höher die Qualität - das ist die Grundidee der Reform. Das Terroir-Prinzip in Verbindung mit Qualitätsanforderungen ist bereits Grundlage für die Einstufung von Weinen im Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP), dem aber nur rund 200 der mehr als 15 000 Weinbau-Betriebe in Deutschland angehören. Prädikate wie Spätlese oder Eiswein sollen weiterhin erhalten bleiben, ebenfalls nach österreichischem Vorbild.

Winzer mit größeren Flächen oder Genossenschaften sehen die Zuspitzung auf Lagenweine allerdings kritisch. Der Fokus auf die 2600 Einzellagen in Deutschland orientiere sich zu sehr auf eine kleine Gruppe kaufkräftiger und überdurchschnittlich informierter Weintrinker, die breite Masse der Konsumenten fange damit nichts an, meinen die Kritiker. Die Kaufentscheidung ist in Deutschland sehr stark preisgetrieben, erst danach folgen Rebsorte, Geschmacksangabe und Anbaugebiet.

Bei der Neufassung des Gesetzes gehe es ihr auch darum, neue Vermarktungsperspektiven für die Winzer in Deutschland zu eröffnen und die Marktanteile für deutsche Weine auszubauen, erklärt Bundesministerin Julia Klöckner, selbst eine Winzertochter.
Die Umsetzung der Reform wird von entsprechenden Marketing-Maßnahmen begleitet werden. Das Deutsche Weininstitut (DWI) hat bereits eine Werbekampagne gestartet, die das Herkunftsprinzip und das damit verbundene Qualitätsversprechen aufgreift.

Ministerin Klöckner versucht jedenfalls die Quadratur des Kreises und möchte alle Erzeugergruppen gleichermaßen von der Überarbeitung des Weingesetzes profitieren lassen: Fassweinerzeuger, Selbstvermarkter, Genossenschaften und Kellereien. Ob der fromme Wunsch Realität werden kann, wird sich im kommenden Jahr weisen.

www.bmel.de
www.deutscheweine.de
Zurück