Wein aus Kärnten: „Do woxt wos!“

Wein aus Kärnten: „Do woxt wos!“

Wein aus Kärnten: „Do woxt wos!“

Kärnten ist noch nicht wirklich als Weinbauland in den Köpfen der Menschen etabliert. Aber: „Do woxt wos!“ Für Nicht-Kärntner: Da wächst etwas! Vinaria hat die besten Tipps für Sie.

Im Lavanttal wurde schon von den Kelten und später von den Römern Wein angebaut. Schon vor 1200 Jahren wurden im südlichsten Bundesland Österreichs Weinreben kultiviert. Der erste schriftliche Beleg geht auf das Jahr 822 zurück. Danach wurde der Weinbau mehrfach urkundlich erwähnt. Triebfeder im Hochmittelalter war die katholische Kirche. Unter ihrer Patronanz wurden Reben von den Stiften Arnoldstein, Millstatt, Ossiach, Viktring, St. Georgen am Längsee, Griffen, Eberndorf und St. Paul sowie beim Vizedom Bamberg in Wolfsberg ausgepflanzt.

Alleine rund um Wolfsberg im Lavanttal erreichten die Weingärten ein Ausmaß von rund 400 ha. Als Zentrum galt die Weinbaustadt Wolfsberg. Überlieferungen zufolge kelterten anno 1557 Bauern in der Umgebung und 59 bürgerliche Weingartenbesitzer ca. 560.000 Liter Wein, was rund 750.000 Flaschen mit 0,75 Liter Inhalt entspricht. Dass er heutigen Qualitätsstandards entsprochen hat, darf hingegen bezweifelt werden.

Welche Sorten wurden zu dieser Zeit angebaut? Das weiß man nicht so genau, bekannt waren der „Sittersdorfer“ im Jauntal und der „Wolfberger“ im Lavanttal. Vermutlich war es die Blaue Wildbacherrebe, was aufgrund der geografischen Nähe zur Weststeiermark nicht unlogisch scheint. Auch der Heunisch, eine im Mittelalter weitverbreitete Rebsorte, dürfte angebaut worden sein. Der Heunisch wurde umgangssprachlich „der Grobe“ genannt. Diese wenig schmeichelhafte Bezeichnung lässtt Rückschlüsse auf dessen Qualitäten zu.

Ende des 19. Jahrhunderts breiteten sich Pilzkrankheiten, vor allem der Falsche Mehltau, dramatisch aus. Möglicherweise hat auch die Reblauskatastrophe eine Rolle gespielt. Ebenfalls zum Niedergang beigetragen hat eine moderate Abkühlung des Klimas, was auch in anderen ehemaligen Weinbauregionen zu beobachten war; die Forschung spricht von einer kleinen Eiszeit, die bis ins 19. Jahrhundert andauerte.

Die Auferstehung - Der Dornröschenschlaf des Weinbaus in Kärnten endete im Frhjahr 1972. Da pflanzte Herbert Gartner gemeinsam mit seinem Vater Christian eine kleine Rebanlage am Weinzedl in der Nähe der Stadt St. Andrä; der Flurname deutet auf eine renommierte Riede im Mittelalter hin. Damit feierte eine tausendjährige Tradition ihre Auferstehung. Das war aber kein bloßer Zufall, denn Herbert Gartner war Absolvent der Weinbauschule in Klosterneuburg.

In den folgenden Jahren fanden sich weitere Pioniere, sodass bis um die Jahrtausendwende rund 4 ha mit Reben bestockt waren. Das schien Vorbild und Anziehungskraft gleichermaßen zu sein. Seither ist die Entwicklung der Anbaufläche stark nichtlinear, wie Mathematiker es formulieren würden.

Bis vor Kurzem betrug sie nach Berechnungen des Weinbauverbandes rund 130 ha, ungefähr 250.000 Flaschen wurden jährlich erzeugt, so der Kärntner Weinbaupräsident Horst Wild. Für 2020 wird mit 750.000 Flaschen gerechnet. Dass „nur“ 250.000 Flaschen produziert wurden, geht primär auf das Konto vernichtender Hagelschläge im Jahr 2017 und auf die Folgen des Spätfrostes 2016 zurück.

„Wein aus Kärnten“ - Der schon angesprochene Weinbauverband ist ausgesprochen aktiv. Gegründet wurde er im Jahr 2003 als Dachorganisation der Winzer dieses Bundeslandes. Er pflegt die Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer und steht der Kärntner Weinbauernschaft als Informationsplattform zur Verfügung. Der Fokus ist ganz klar auf Qualität gerichtet.

Dazu gehört auch, sich dem Wettbewerb zu stellen. In diesem Sinne nehmen Winzer aus Kärnten seit einigen Jahren an Veranstaltungen wie dem Salon Österreich Wein teil und erringen dabei mehr als nur Achtungserfolge. Aktuell gliedert er sich in den Kärntner Weinbauverein Vinum Carinthiae, die Weinbauvereine Feldkirchen/Ossiacher See und Völkermarkt/Trixnertal, den Verein zur Förderung des Weinbaus in Sittersdorf, den Weinbauverein St. Veit/Hochosterwitz und den Verein „Lavanttaler Wein“.

Der Arbeitskreisen vor „Wein aus Kärnten“ besteht aus rund 25 Winzern und koordiniert die Marketingaktivitäten für den Kärntner Wein; zum Teil führt er sie auch selbst aus. „Wein aus Kärnten ist mittlerweile zur Marke geworden“, freut sich Horst Wild. Ein Mitgliedsbetrieb muss mit seinen Weinen an der Kärntner Landesweinbewertung teilnehmen. Wird ein Wein mehrheitlich negativ bewertet, wird er aus der Liste, die im Internet aufgerufen werden kann, gestrichen. Unter www.weinauskaernten.at findet man alle Weine mit den wichtigsten Analysedaten und der Preiskategorie.

Wie bereits im Mittelalter, ist auch heute das Lavanttal, und hier insbesondere die Gegend um Wolfsberg, St. Andrä und St. Paul, einer der vinophilen Brennpunkte. Die Landeshauptstadt Klagenfurt liegt rund 60 km südwestlich; das weststeirische Schilcherland um Stainz ist etwa gleich weit in nordöstlicher Richtung entfernt. Einige kleinere Weingärten wurden im Bezirk Völkermarkt, genauer, im Jauntal – insbesondere in Sittersdorf – angelegt. Flächenmäßig liegt der Schwerpunkt des Weinbaus in der Gegend um St. Veit an der Glan, im Umkreis der Burg Hochosterwitz und am Längsee, also etwa 30 km nördlich von Klagenfurt.

Weinregion Bergland - Die Anbaufläche der einzelnen Winzer reicht von weniger als 1 Hektar bis zu rund 40 ha. Der größte Betrieb in Kärnten ist das Weingut Burg Taggenbrunn in St. Veit an der Glan. Gegründet wurde es von Alfred und Andrea Riedl, bekannt als Hersteller von Uhren der Marke Jacques Lemans. Im Sinne des Weinrechts gehört Kärnten mit Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg zur Region Bergland.

Der Rebsortenspiegel in Kärnten ist vergleichsweise bunt. Hauptsächlich angebaut werden die weißen Varietäten Chardonnay, Riesling, Weißurgunder, Traminer, Grauburgunder und Sauvignon Blanc, fallweise auch andere wie Grüner Veltliner oder Gelber Muskateller. Im roten Segment dominieren Blauer Burgunder und Zweigelt, aber auch Komplementärsorten wie Roesler sind anzutreffen.

Angesichts der latenten Gefahr von Pilzinfektionen ist es naheliegend, pilzwiderstandsfähige Reben wie den Roesler auszupflanzen. Mittlerweile zählt er ja zu den in Österreich für Qualitätswein zugelassenen Sorten. Für den ziemlich kapriziösen Blauen Burgunder, den Pinot Noir, sind die klimatischen Verhältnisse Vor- und Nachteil zugleich. Seine Rasse entfaltet er dann am besten, wenn ihm nicht zu heiß ist. Es ist wohl kein Zufall, dass sich ein INTERREG-Projekt zur Evaluierung der Qualität von Weinbergslagen den Pinot Noir als Leitsorte auserkoren hat.

Angesichts der vergleichsweise großen Erstreckung der Weinbauzone liegt es auf der Hand, dass die geologischen Verhältnisse und damit die Zusammensetzung der Böden stark heterogen sind. Mitunter wechselt die Beschaffenheit des Untergrundes auch innerhalb einer einzigen Lage. Verwitterter Kalkstein ist ebenso anzutreffen wie kalkfreier Schiefer oder lehmige Böden. Festzuhalten ist, dass die Reben praktisch ausschließlich in Hang- und Steillagen auf einer Seehöhe zwischen 400 und 750 m ausgepflanzt sind. Die Exposition ist überwiegend Südost bis Südwest.

Klima und Terroir - Was den Sommertourismus beflügelt, hilft auch dem Weinbau. Die Rede ist vom Alpenhauptkamm, der vor atlantischen und arktischen Klimaeinflüssen aus dem Norden und dem Westen schützt. Dass die Vegetation im Frühjahr etwas verzögert startet, ist der kalten Luft aus den Bergen zuzuschreiben. Dieser Effekt wird im Sommer mehr als kompensiert, denn hier herrschen nahezu mediterrane Temperaturen, die Anzahl der Sonnenstunden ist ungewöhnlich hoch.

Die Durchschnittswerte für Niederschlag liegen zwischen 800 und 1.300 mm pro Jahr. Zum Vergleich: Die Weinstadt Krems an der Donau bringt es auf rund 500 mm per anno, Bad Radkersburg am südlichen Rand des steirischen Vulkanlandes auf rund 800 mm. Der Spätsommer und der Herbst, also die Zeit zwischen dem Weichwerden der Beeren und der Lese, sind in Kärnten meist trocken und sonnig.

www.weinauskaernten.at 


Wolfgang Wachter

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