Sekt: Die Perlen der Kremstaler Winzer

Sekt: Die Perlen der Kremstaler Winzer

Sekt: Die Perlen der Kremstaler Winzer

Schaumwein aus Österreich ist en vogue. Vor allem die durch das Österreichische Sektkomitee – ihm gehört auch der Kremstaler Winzer Michael Malat an – 2015 eingeführte dreistufige Sekt-Qualitätspyramide mit geschützter Ursprungsbezeichnung hat beigetragen, dass die Konsumenten eine übersichtliche Darstellung erhielten. Mit den Qualitätsstandards „Klassik“, „Reserve“ und „Große Reserve“. Aber auch zeitgleich die heimischen Winzer ihren Fokus vermehrt auf Sekt richteten. „Durch die Sektpyramide können wir uns stark abgrenzen von den Billigprodukten, die den Markt überschwemmen“, sagt der Kremstaler Leopold Müller, Winzer aus Krustetten. Er betont auch, dass durch die Klassifizierung und Betonung des österreichischen Ursprungs „Sekt wieder mehr getrunken wird“.

Ideale Sekt-Lage - Müller ist überdies Obmann des Regionalen Weinkomitees und überzeugt, dass das Kremstal auch für Sekt prädestiniert sei. Einerseits habe man hohe Lagen. Krustetten zum Beispiel mit seiner Lage in 350 Metern Höhe sei ideal. Denn: „Die spät reifenden Lagen sind heute die Kronjuwelen.“ Andererseits wehe aus dem Waldviertler Hügelland im Norden und dem Dunkelsteinerwald im Westen kühle Luft ins Kremstal herein.

Der Weg des heutigen Sekt-Zuspruchs wurde über viele Jahre aufbereitet, wobei das Kremstal mit dem Weingut Malat in Palt, am Fuß des Göttweiger Bergs, auch einen Pionier und Vorreiter beim Sekt hat. Gerald Malat hat 1976 mit seinem „Malat Brut“ den ersten Winzersekt Österreichs gekeltert, der nach „traditioneller Methode“ in der Flasche vergoren und händisch gerüttelt wird. „Traditionell“ bedeutet nach alter Champagne-Methode – aber das ist den Sektherstellern verboten, da alles Begriffliche in Zusammenhang mit „Champagne“ markenrechtlich als Ursprungsbezeichnung geschützt ist. Für Betriebsführer Michael Malat ist es besonders wichtig, dass sämtliche Sekt-Produktionsschritte ausschließlich in seinem Weingut erfolgen. Damit unterscheide man sich von anderen Herstellern, die den Prozess des Versektens zu Spezialisten auslagern.

„Große Reserve“ - Mit der vorgezeichneten Sektpyramide rücken für die Winzer die „Reserven“ in den Vordergrund. Diese müssen mindestens 18 Monate auf der Hefe lagern. Seit wenigen Monaten erstmals auf dem Markt: die „Großen Reserven“, die mindestens 30 Monate Reifezeit auf der Hefe hinter sich bringen müssen. „Wir haben vor sechs Jahren mit Sekt begonnen und uns damals entschieden, gebietstypisch zu arbeiten – mit Veltliner und Riesling.“ Vom Grünen Veltliner und Riesling Sekt gibt es auch bei Müller seit Kurzem eine „Große Reserve“, die er 33 Monate auf der Hefe lagerte. Der Fokus liegt darauf, das Traubengut bei etwa 16,5° KMW (Anm.: Klosterneuburger Mostwaage, Messeinheit für den Zuckergehalt des Traubenmosts in Gewichtsprozenten) hereinzubringen.

Aushängeschilder - Spricht man vom Kremstaler Wein – und weitergedacht vom Sekt, so kommt man an den beiden Kremstal-Aushängeschildern, dem Weingut Buchegger aus Droß und dem Wein-Gut Nigl aus Senftenberg nicht vorbei. Während sich Martin Nigl mit einem Non-Vintage-Sekt Brut de Brut in Szene setzt, einer Cuvée aus Pinot Noir, Chardonnay, Zweigelt und Grüner Veltliner, punktet Buchegger-Weingutsleiterin Silke Mayr mit einer Großen Reserve vom Chardonnay: ein Extra Brut Sekt aus Jahrgang 2014, der bei der jüngsten Vinaria-Sektverkostung vorne mit dabei war.

Und man spricht auch von Josef Dockner. Der Höbenbacher Winzer ist im Jahr 2013 mit seinen hochwertigen Winzersekten gestartet – da war das Sektkomitee gerade gegründet, die Sektpyramide aber noch nicht ausgereift. Aber Dockner wusste von Anfang an, was er wollte: „Wir wollen uns mit unseren Sekten distanzieren.“ Weder die Champagne imitieren, noch andere. Wir wollen unsere eigene Linie entwickeln.“ Obwohl: Wie es andere machen, dafür war man doch immer aufgeschlossen. Dockner holte sich Ideen in der Champagne – und es half auch das Sekt-Wissen aus mehr als 25 Jahren – so lange macht das Höbenbacher Weingut nämlich bereits Schaumwein an der Basis – im Drucktank. Die Sektpyramide mit den Reserven und Großen Reserven war für Dockner eine neue Herausforderung, von der Traube bis zum Degorgieren alles auf einem Platz und aus einer Riede selbst machen zu wollte. Daher gründete er die „Erste Sektmanufaktur in Krems“ – in der Kellergasse am Kremser Frauengrund. Dafür hat er mehrere nebeneinanderliegende Keller gekauft, zusammengeschlossen und aufwendig restauriert. Den „Frauengrund“ bezeichnet Dockner auch „als seine wichtigste Lage“.

Zwei Schaumweine aus Josef Dockners Sektmanufaktur nach „traditioneller Methode“ gibt es bereits: eine Brut Rosé Reserve aus dem Jahrgang 2015 mit zwei Drittel Pinot Noir und einem Drittel Zweigelt. Und: einen Blanc de Blancs Brut Große Reserve aus dem Jahrgang 2014, eine Cuvée aus mehrheitlich Chardonnay sowie Weißburgunder und einem Schluck Grauburgunder. Wichtig ist Dockner, dass auf jeder Reserve und Großen Reserve die Lage „Ried Frauengrund“ und der Jahrgang draufsteht. Den eigenen Stil unterreicht Dockner auch, „dass wir mit dem Grundwein ein Jahr ins Holzfass gehen, bevor er versektet wird“. Und er lässt seinen Top-Sekten auch länger Zeit: „Wir gehen bei der Hefelagerung bei den Reserven auf 24 Monate und bei den Großen Reserven auf 36 Monate.“ Also jeweils ein halbes Jahr länger, als verlangt.

Wie zuvor schon bei Winzerkollege Müller, ist auch Dockner ein Anhänger davon, dass der „Sektgrundwein eine physiologische Reife haben muss, um harmonisch zu sein.“ Aber Dockner ist auch klar, dass man erst am Beginn der Sektreise ist: „Es wird sicher noch zehn bis 20 Jahre dauern, bis der Sekt auch dort ist, wo der Wein heute ist.“

Hans Pleininger
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