Steuergeld für einen Michelin Österreich?

Steuergeld für einen Michelin Österreich?

Steuergeld für einen Michelin Österreich?

Die 3 Sterne für Juan Amador und alle Sterne, die es in Österreich gibt, werden lediglich im Sammel-Guide „Michelin Main Cities of Europe“ publiziert, der die wichtigsten Genuss-Städte Europas abbildet. In Österreich sind das für Michelin Wien und Salzburg. In der Euphorie seines Erfolges forderte Juan Amador rasch einen eigenen Guide für Österreich, wie es diesen bis 2009 ein paar Jahre hindurch gegeben hatte. Dafür müsse, so Amador, auch Steuergeld in die Hand genommen werden. In der Tat denken darüber Touristiker und Gastro-Vertreter seit langem nach. Rund 600.000 bis 1,0 Mio Euro wären dafür erforderlich, schließlich möchte sich Michelin die Mühen teuer bezahlen lassen.

Kein Griff in den Steuertopf! - Die Redaktion, die Tester und Bewertungen bleiben davon weitgehend unbeeinflusst. Das Geld fließt in ähnlichen Modellen meist über fixe Abnahmekontingente für die Guides oder direkte Förderungen. Aus grundsätzlichen Gründen muss so eine Forderung, nämlich Steuergeld oder andere öffentliche Mittel, für einen bestimmten Guide auszugeben, strikt abgelehnt und scharf zurück gewiesen werden.

Da würden Dämme brechen und die gesamte Kritikerszene, egal ob Gastronomie oder Wein, bald nur noch aus gekauften PR-Bewertungen bestehen. Schließlich kann man in einem kleinen Medienmarkt wie Österreich, wo die Werbeerlöse im weitesten Sinn Printprodukte zu gut 80 Prozent finanzieren müssen, über solche Mittel sehr leicht sehr viel Einfluss ausüben.

Österreichs führender Gourmetkritiker Severin Corti begründet seine Ablehnung in der Tageszeitung „Der Standard“ auch mit der Richtung, die Michelin mit den 3 Sternen für Amador vorgibt: „Die Außenwirkung eines eigenen Österreich-"Michelin" ist unbestritten. Wenn dieser aber einen Küchenstil favorisiert, der die Region so gar nicht abbildet, wie dies bei Amador der Fall ist, dann müssten Österreichs andere beste Köche ihre Ausrichtung radikal ändern. Oder gut überlegen, ob sie sich einen Guide, der so abgehoben von lokalen Küchentraditionen benotet, wirklich leisten wollen – noch dazu mit unserem Steuergeld.“

Den gesamten Kommentar Cortis finden Sie hier

Michelin „kauft“ rund um die Welt - Das „kaufen“ von Michelin-Ausgaben ist international durchaus üblich, zumal Michelin sein Geschäftsmodell expandieren muss. Zahlreiche neue Guides kamen in jüngerer Vergangenheit hinzu, rund um den Globus. Oft für Großstädte wie New York, wo die Guides auch ohne Hilfe leicht zurecht kommen. Oder in Kroatien, wo der noch relativ dünne Guide massiv aus Steuermitteln gefördert werden muss.

Große Kasse macht Michelin etwa in Macau im Süden Chinas, einer früher portugiesischen Enklave, heute chinesische Sonderwirtschaftszone nach dem Muster der Nachbarstadt Hong Kong. Macau ist ein Casino-Paradies und der dortige Mogul Stanly Ho ließ sich die Aufnahme Macaus in den Hong Kong-Guide viel Geld kosten, dem Vernehmen nach bis zu 2,0 Mio Dollar pro Ausgabe. Für ihn macht es Sinn: in seinen Casinohotels finden sich auch zwei 3-Sterne-Restaurants.

Erwin Goldfuss
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