Die besten Weine aus dem Douro-Tal

Die besten Weine aus dem Douro-Tal

Die besten Weine aus dem Douro-Tal

Nach der Verkostung von 90 Weinen aus dem Dourotal kann mit Hochachtung festgestellt werden, dass sich nach der erst 20-jährigen Entwicklungsphase eine Rotwein-Appellation gebildet hat, die von den Weinkarten nicht mehr wegzudenken sein wird.

Begonnen hat freilich alles ganz anders, denn jahrhundertelang wurde die Alto Douro-Region mit Portwein verbunden, dessen erste urkundliche Erwähnung aus 1675 datiert. Nach den Feindseligkeiten zwischen England und Frankreich haben sich die britischen Importeure auf den Import des Portweines konzentriert, der unter der Herrschaft des Marques de Pombal bereits im Jahr 1756 ein eigenes Regelwerk bekam.

Steile Hänge, viele Rebsorten - Das heutige Weinbaugebiet Douro befindet sich entlang des Douro-Flusstals und an den Nebenflüssen Varosa, Corgo, Távora, Torto und Pinhão. Die Region wird von den atlantischen Winden und permanenten Regenfällen, die für Nordportugal so typisch sind – so ist Porto eine der feuchtesten Städte von Europa –, durch das Marão- und Montemuro-Bergland abgeschirmt.

Beherrscht wird das Landschaftsbild durch die terrassierten Weinberge, die sich an den Flussufern auf steilen Hängen weit hinaufziehen und dann in Hochplateaus übergehen. Die weitaus überwiegende Bodenformation ist der dunkle Schiefer, der vertikal von den Rebwurzeln durchdrungen werden kann, während sich auf den Hochplateaus Granitböden befinden, deren Eignung für trockene Rotweine erst in letzter Zeit akzeptiert wird.

Portugal hat eine unglaubliche Vielzahl an Rebsorten angemeldet, zum Beispiel mehr als Italien oder Spanien, und das Douro-Gebiet ist ein Ebenbild dieser Vielfalt. Nach der sogenannten Ramos Pinto-Formel wurden im Allgemeinen die Rebsorten Touriga Nacional, Touriga Francesa, Tinta Barroca, Tinta Cão und Tinta Roriz (Tempranillo) als jene fünf wertvollen Rebsorten identifiziert, die für die Erzeugung von Portwein und trockenem Rotwein am besten geeignet erscheinen.

Unbedingt hinzufügen sollte man dieser Aufzählung nach heutiger Ansicht aber auch die Rebsorten Alicante Bouschet, Sousão und Bastardo. Alicante Bouschet ist bekanntlich die einzige Rebsorte, die sogar über rotes Fruchtfleisch verfügt, was für den Sousão, der oft mit Ersterem verwechselt wird, eigentlich nicht gilt. Dennoch hat er so viel Farbstoff wie kaum eine andere Rotweinrebe aufzuweisen und dient im Übrigen im Minho-Gebiet der Erzeugung des eher anspruchslosen Tischweines Vinho Verde Tinto.

Die Douro Boys - Als ich im Juni 2000 die Weinmesse in Porto besuchte, gab es eine Verkostung, die allgemein auf großes Interesse stieß. Es waren wohl nicht mehr als rund 25 Weine, die zur Verkostung gereicht wurden, aber die sorgten auch international für einiges Aufsehen, waren darunter doch Perlen wie die Weine von Niepoort, Quinta Vale Dona Maria und Quinta do Vale Meão, deren hoher Anspruch sofort schmeckbar wurde. Im Jahr 2003 formierte sich dann die Gruppe der „Douro Boys“, welche die fünf Weingüter Quinta do Vallado, Niepoort, Quinta do Crasto, Quinta Vale Dona Maria und Quinta do Vale Meão repräsentieren und seither unablässig aktiv waren, um ihre Rotweine auf den Weinkarten der Welt festzuschreiben.

Dramatische Landschaft - Wer das Dourotal erstmals bereist, wird von der Dramatik der terrassierten, unendlich weiten und steilen Reblandschaft beeindruckt sein. Auf den zweiten Blick sind ganz unterschiedliche Schattierungen von Grün zu bemerken, die auf die diversen Methoden der Terrassierung zurückgehen.

Hatte ursprünglich die Faustregel gegolten, ein Mann und ein Maultier müssen genug Platz auf der Terrasse haben, so wurden die Patamares genannten Terrassen im Zuge der mechanischen Bearbeitung immer breiter angelegt, was sich natürlich auch in der Höhe und Ausgestaltung der lehmgelben Stützmauern manifestiert. Die neueste Entwicklung geht nach deutschem Vorbild in Richtung vertikaler Bepflanzung, sofern es die Hangneigung einigermaßen erlaubt.

Tolle Spitzen - An der Spitze der Verkostungsreihe gab es eine kleine Sensation in Gestalt des 2015ers Sousão der Horta Osório Wines. Dieser ebenso seltenen wie eigenwilligen Rebsorte hätte man einen derartigen Höhenflug vorher wohl kaum zugetraut. Zudem kommt der Wein noch aus der weniger angesehenen Zone von Baixa Corgo, seine Frische und Eleganz haben aber die Jury sofort beeindruckt, die 15-monatige Reifung in neuen französischen Barriques wurde bestens integriert.

Ganz knapp dahinter rangiert mit Quinta do Vale Meão eines der renommiertesten Weingüter des Douro, allerdings auch mit einem sehr speziellen, relativ neuen Wein, nämlich dem Monte Meão Vinhos dos Novos, der ausschließlich aus Touriga Nacional bereitet wird. Punkto Eleganz und Fruchtexpression ist hier ein Volltreffer gelungen, der gleich vom zweiten Gewächs, dem altbekannten Quinta do Vale Meão aus dem Jahrgang 2016, abgerundet wird.

Hervorzuheben ist auch die wunderbare Performance der Duorum Vinhos mit ihrer Old Wines Reserva, die uns mit ihrer betörenden Kirschfrucht, Eleganz und Dichte schon in der Vorrunde begeisterte, und dies zum Preis von rund 30 Euro. Apropos Preisniveau: Hier gab es eine durchaus große Spannweite, wobei uns der zuvor gelobte Vinhos dos Novos mit rund 30 Euro ebenfalls durchaus preiswert erscheint. Am anderen Ende der Skala befand sich übrigens der ausgezeichnete Vinha da Ponte von Crasto mit 134 Euro. Besonders erwähnenswert ist an dieser Stelle der Inquieto 2011 von Douro Prime, der zu 9 Euro angeboten wird.

Zu den Jahrgängen lässt sich feststellen, dass 2016 und 2015 als sehr gute Weinjahre zu klassifizieren sind. 2014 war auch im Douro aufgrund der Niederschläge durchaus problematisch, wenn auch weit besser als in Mitteleuropa. Zu loben ist auch vor allem das mittlerweile erreichte hohe Durchschnittsniveau, wie es aus unseren Verkostungsergebnissen hervorgeht, denn eine Vielzahl von Weinen hat eine Punktezahl zwischen 16,0 und 17,0 erreicht, und dies teilweise zu sehr günstigen Preisen.

Douro Wissen - Portugal hat heute insgesamt 31 DOC-Regionen; eine davon ist Douro. DOC steht für die portugiesische Denominação de Origem Controlada, eine kontrollierte Ursprungsbezeichnung noch europäischem Recht, die dem französischen AOC-System gleicht und nicht nur die geografischen Grenzen für die DOC-Weine definiert, sondern auch eine Obergrenze der Traubenproduktion sowie jene Reben nennt, die für diesen Wein verwendet werden dürfen. Zudem werden alle Weine sensorisch und analytisch geprüft. Nahezu alle Weine unserer Verkostung wiesen diesen DOC-Status auf.

Reserva - Dieser Weintyp muss mindestens ein Jahr im Fass und insgesamt drei Jahre in Fass und Flasche reifen.

Grande Reserva - Diese Weine werden mindestens zwei Jahre im Eichenholzfass gelagert und müssen insgesamt mindestens fünf Jahre in Fass und Flasche reifen.

Toplist Douro (Auszug)


18,6 2015 Horta Osório Wines | Sousão
18,5 2014 Quinta do Vale Meão | Monte Meão Vinhos dos Novos Touriga Nacional
18,2 2016 Quinta do Vale Meão | Tinto
18,1 2015 Duorum Vinhos | Reserva Old Wines
18,0 2014 Quinta do Crasto | Vinha da Ponte
18,0 2011 Douro Prime | Inquieto Reserva
18,0 2009 Quinta do Sagrado | V.T. Grande Reserva
17,6 2015 Quinta da Romaneira | Reserva
17,5 2015 Rui Roboredo Madeira | Douro Superior
17,5 2015 Quinta Vale D. Maria – Cristiano van Zeller | Vinha da Francisca

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Viktor Siegl
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