Großes Vinaria Tasting: Die besten Barolo 2014

Großes Vinaria Tasting: Die besten Barolo 2014

Großes Vinaria Tasting: Die besten Barolo 2014

Mit feingliedriger Noblesse und reifer Tanninstruktur strahlen die Besten im großen Vinaria Tasting. Das verregnete Jahr 2014 prägte die Stilistik: die Winzer zogen alle Register und überraschten mit eleganten wie gut strukturierten Barolo-Weinen.

Der Wetterverlauf für den im Herbst 2018 aktuell auf den Markt gekommenen Barolo 2014 war alles andere als optimal. Für die Winzer war es ein annus horribilis: ein verfluchtes Jahr, das Erinnerungen an den Jahrgang 2002 weckte: Frost in der Austriebsphase, dann Kühle und Nässe den ganzen Sommer, was zu hohen Ertragsverlusten führte.

Bezeichnenderweise war der Jahrgangsverlauf in der Barbaresco-Zone – obwohl nur 15 Kilometer Luftlinie von Barolo entfernt – viel weniger dramatisch. Das Barolo-Gebiet kämpfte nicht nur mit viel zu viel Regen, der fast durchgehend im Juni/Juli anhielt, sondern auch mit Hagel, der Ende Juli in kurzer Folge dreimal hintereinander niederging und enorme Schäden verursachte. Entsprechend weniger Menge und Weine kamen 2018 in den Verkauf.

Zahlreiche Winzer wie Vietti, Ceretto, Gianfranco Alessandria, Parusso u. a. verzichteten komplett auf ihre Lagen-Weine, oder sie füllten einen einfachen Barolo als Lagencuvée auf die Flasche (als neues Label „Unio“ von Brovia). Cavallotto deklassierte alle seine Barolo-Lagen gar zur preisgünstigeren Nebbiolo-Variante, die übrigens vorzüglich mundet und bereits erste Trinkreife zeigt.

Underdog-Jahrgang – Die große Chance der Winzer. James Stuckling begeisterte sich in seinem einflussreichen US-Weinmagazin „Wine Spectator“ von den „many outstandig bottles of Barolo“, und der Italien-Experte für Robert Parker, Antonio Galloni, fand auf seiner „Vinous“-online nur die Worte: „surprise, surprise …“. Tatsächlich erstaunte und begeisterte in der jüngsten Vinaria-Jahrgangsverkostung die Homogenität einer gelungenen Weinstilistik, die sich durch Gleichgewicht von heller Frucht, Frische und Finesse auszeichnete.

Pio Boffa von Pio Cesare sieht gerade in diesem kühlen Jahrgang „die Reinheit des Nebbiolo am besten charakterisiert“, und die er mit seinem MGA-Cru „Ornato“ auch eindeutig unter Beweis stellte. Es zeigte sich erneut, dass die besten Winzertalente von den besten Barolo-MGA-Crus, egal ob im lagenreinen Ausbau oder in Lagencuvées, auch in (klimatisch) schwierigen Jahren inzwischen in Aromatik und Struktur tiefgründige und komplexe Nebbiolo-Weine erzeugen, die den wärmeren Jahrgängen um nichts nachstehen.

Zwar fehlt das Quäntchen an Plus, das vollreife Jahre mit überschwänglicher Fruchtfülle und verspieltem Aromenspiel auszeichnet, doch vergleicht man die aktuelle Barolo-Topliste, so ist das hohe Niveau der besten Weine in der Bewertung eindrucksvoll ersichtlich. Dies erklärt sich auch darin, dass seit einigen Jahren mit verbessertem Weingartenmanagement und mit verfeinerten Kellertechniken auf problematische Jahrgänge reagiert wird.

Schwieriger hatte es 2014 die sehr terroirempfindliche Nebbiolo-Rebe in den höher gelegenen, von Kalk und Lehm dominierten Lagen um Monforte, Serralunga und Verduno, um zur physiologischen Vollreife zu gelangen. Hingegen präsentieren sich die Weine von den tiefer gelegenen nördlicheren Gemeinden Barolo und La Morra mit feinem Fruchtcharme und mit erfreulich reduziertem Barriqueeinsatz.

Nicht alle 2014er-Weine konnten in der Verkostung glänzen, da sie die Schwierigkeiten des Jahrgangs in Form von Strukturschwäche und Eindimensionalität aufzeigen. Hingegen präsentiert sich eine Vielzahl jener Weine, die in der Verkostungsbewertung im ***- bis ****Segment liegen, durchgehend in stilsicherer Manier eines feingliedrigen wie finessenreichen Barolo, der in 3 bis 10 Jahren große Trinkfreude bereiten wird.

Crème de la Crème 2014 - Die Toplist war heuer besonders dicht gedrängt und mit nur knappen 0,5 Punkten im VINARIA 20-Punkteschema voneinander getrennt. Mit Ausnahme von Conterno Fantino (Monforte d’Alba) kommen alle weiteren Ex-equo-Gewinner aus den nördlichen Gemeinden: Bartolo Mascarello und Giuseppe Rinaldi aus Barolo, La Spinetta aus Castagnole Lanze.

Spezifiziert man nach der Häufigkeit jener Lagen, die auf dem Podium der Topweine stehen, so hatten die Richtung Süden exponierten MGA-Lagen den Jahrgangs-Vorteilsbonus. Noch dazu, wenn diese Lagen allesamt über sandig bis kalkig-lockere Bodenformationen verfügen. Der fein ziselierte, in moderner Stilistik vinifizierte Campè von La Spinetta kommt direkt aus dem Herzstück der MGA-Lage Garretti.

Die moderate Hochlage Brunate mit durchschnittlich 400 Meter Höhe, die sich auf die Ortschaften Barolo und La Morra aufteilt, ist reich an Sandstein und gilt als frühreif. Die beiden namensgleichen Weingüter Francesco Rinaldi und Martha Rinaldi, die das Weingut des vor Kurzem verstorbenen, legendären Vaters Giuseppe (alias Pepe) seit Jahren erfolgreich führen, vinifizierten 2014 vollreif-elegante wie tiefgründige Weine, die dem 2013er um nichts nachstehen.

Ebenso tritt die Lage Ginestra in Monforte d’Alba von Diego Conterno und Conterno Fantino am Toplist-Radar auf, wobei die Parzellen des Letztgenannten als Subriede „Sori Ginestra“ im unteren Hangbereich besonders durch die Südposition eine weichere „burgundische“ Interpretation begünstigen. Der mit Verspieltheit und großer Frische strahlende Barolo von Maria Theresa Mascarello (Weingut Bartolo Mascarello) bildet hier die Ausnahme und wird als Lagencuvée von den vier MGA-Crus Cannubi, Rocche Annunziata, Rué und San Lorenzo vinifiziert.

Toplist Barolo 2014 (Auszug)

17,5 La Spinetta | Barolo Campè
17,5 Conterno Fantino | Barolo Sori Ginestra
17,5 Giuseppe Rinaldi | Barolo Brunate
17,5 Bartolo Mascarello | Barolo
17,4 Azelia | Barolo Margheria
17,4 Francesco Rinaldi | Barolo Brunate
17,4 Pio Cesare | Barolo Ornato
17,3 Brovia | Barolo Unio
17,2 Barale | Barolo Castellero
17,1 Diego Conterno | Barolo Ginestra


BAROLO INFO

DOCG – Denominazione di origine controllata e garantita – ist die höchste Qualitätsstufe in der Pyramide der kontrollierten und geschützten Ursprungsbezeichnungen in Italien. Produktionsrichtlinien, Rebsorten und Anbaugebietsgrenzen sind in der DOCG streng geregelt. Sehr selten – wie z. B. bei Gaja – findet sich am Etikett die gleichwertige DOP-Bezeichnung (Denominazione di origine protetta), das als neues Regulativ im Zuge der EU-Weinmarktreform 2009 eingeführt wurde.

Anbaugebiet Barolo DOCG: 11 Gemeinden südlich der Stadt Alba
Fläche/Produktion: 1800 ha/ca. 11 Millionen Flaschen
Traubensorte: 100% Nebbiolo
Höchstertrag: 8000 kg Trauben/ha (mit MGA und Nennung des Weinbergs 7200 kg/ha)
Mindestalkohol: 13,0 Vol.-%
Vorgeschriebene Lagerzeit: 38 Monate (ab 1. November), davon 18 Monate im Holzfass (Riserva: 62, davon 18 Monate in Holz)
MGA: fakultativ darf eine der 181 offiziellen geografischen Zusatzbezeichnungen auf dem Weinetikett aufscheinen.


MGA – Offizielle Lagenbezeichnungen des Barolo
Seit dem Jahrgang 2010 gelten für Barolo DOCG 181 offizielle Lagenbezeichnungen, die Menzioni Geografiche Aggiunte (= Ergänzende geografische Angaben), kurz: MGA, und Weinbergsnamen (Vigna). MGA zeichnen besondere Barolo-Lagen aus, ohne diese zu klassifizieren, wie dies im Burgund bzw. Deutschland (Große Lage/Erste Lage) der Fall ist. Die offiziellen MGA-Crus sind nicht verpflichtend am Etikett anzuführen, vielmehr bieten sie Hilfe zur Unterscheidung von traditionellen Orts- und modischen Fantasie-
bezeichnungen oder Markennamen.

Einen Überblick zu den MGA-Lagenidentifizierungen bieten einerseits die offiziellen Cru-Karten des Langhe-Konsortiums, die kostenfrei als pdf zur Verfügung stehen: www.langhevini.it, andererseits das Standardwerk „BAROLO MGA“ von Alessandro Masnaghetti, das als Buch oder App zu beziehen ist: www.enogea.it.


BAROLO MGA Vol. I und BAROLO MGA Vol. II
Für alle Nebbiolo-Liebhaber, die an einer seriösen Klassifizierung von Barolo-Lagen interessiert sind, ist das inzwischen als Barolo-Bibel titulierte Werk BAROLO MGA VOL. I des italienischen Journalisten Alessandro Masnaghetti ein unverzichtbares Standardwerk.
Nach dem großen Erfolg der ersten Auflage ist nun eine erweiterte und aktualisierte Ausgabe erschienen. Detaillierte Lagenbeschreibungen, fantastische 3D-Karten und Informationen zu Geologie, Jahrgängen und Besitzverhältnissen von MGA-Lagen inkl. Index verleihen diesem übersichtlich gestalteten zweisprachigen Werk (italienisch/englisch) einen enzyklopädischen Charakter.

Neu auf dem Markt ist seit Kurzem eine erweiterte Version und als Band 2 titulierte Ausgabe des Autors unter dem Titel BAROLO MGA VOL. II. Beide Ausgaben - BAROLO MGA Vol. I und BAROLO MGA Vol. II - können als Buch oder App direkt über den Verlag ENOGEA des Autors www.enogea.it bezogen werden.


Die gesamte Verkostungs-Reportage mit allen Weinbewertungen und -beschreibungen und den Winzer-Interviews finden Sie in der aktuellen Ausgabe Vinaria 7/2018. Bestellen Sie Vinaria jetzt einfach & bequem zum Erscheinungstermin nach Hause. Das 1-Jahresabo Vinaria inkl. Prämie für Neuabonnenten ist ab € 39,- (EU-Ausland € 55,-) erhältlich. Jetzt im Vinaria Abo-Shop bestellen!

Uwe Schögl

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