Knalleffekt: ÖWM-Chef Klinger tritt vorzeitig ab!

Knalleffekt: ÖWM-Chef Klinger tritt vorzeitig ab!

Knalleffekt: ÖWM-Chef Willi Klinger tritt vorzeitig ab!

Knalleffekt in der Weinbranche: Der Chef der Österreichischen Weinmarketing (ÖWM), Willi Klinger (62), hat seinen Rückzug verkündet und wird seinen noch zwei Jahre laufenden Vertrag nicht erfüllen. „Man muss wissen, wann es Zeit ist“, erklärte der am längsten dienende Weinmarketing-Chef. „Ich bin stolz auf das, was uns gemeinsam gelungen ist.“

Klinger scheidet bereits im kommenden Jahr aus seinem Job. Dies wurde am 6. Dezember 2018 von ÖWM in einer Medienaussendung bestätigt. Dem voraus gegangen war eine Aufsichtsratssitzung der ÖWM just am Krampustag, dem 5. Dezember: Im Verlauf der Sitzung kündigte Willi Klinger selbst seinen vorzeitigen Rückzug im Laufe des Jahres 2019 an. Sein Vertrag wäre regulär noch zwei Jahre gelaufen, danach wollte Klinger in Pension gehen. In einer Erklärung bedauert NR Johannes Schmuckenschlager, Vorsitzender des Aufsichtsrates der ÖWM, Klingers Entscheidung, verstehe aber die Beweggründe. Klingers verdienstvolle Tätigkeit für den österreichischen Wein werde – so Schmuckenschlager – zu einem späteren Zeitpunkt entsprechend zu würdigen sein: „Jetzt aber freuen wir uns noch auf ein Jahr guter Zusammenarbeit für den österreichischen Wein. Im kommenden Jahr werden wir in aller Ruhe einen geeigneten Nachfolger suchen!“

Klinger versicherte dem Aufsichtsrat seinen vollen Einsatz als Geschäftsführer bis zum letzten Arbeitstag: „Für mich ist klar, dass ich dem österreichischen Wein auch nach meiner Zeit als Geschäftsführer der ÖWM eng verbunden bleibe.“ Nach 2019 will sich der 62 Jahre alte Klinger noch einmal einer Herausforderung auf internationaler Ebene stellen.

Zank um 2. Chef - Vor wenigen Wochen hatte der turnusmäßige Aufsichtsratsvorsitzende der ÖWM, Bundes-Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager, in einem Gespräch mit dem ÖWM-Chef seine Pläne für eine geordnete Amtsübergabe in zwei Jahren dargelegt. Demnach sollte ein längerfristig geplanter Übergang behutsam Platz greifen. Ein Aspekt davon sollte die Bestellung eines zweiten Geschäftsführers sein, der sich vor allem um interne Organisation und die Absatzförderung im breiteren Weinsegment bis zu den Massenmärkten kümmern sollte.

Willi Klinger bestand dem Vernehmen nach allerdings auf einer Solo-Geschäftsführung bis zur Amtsübergabe. Die Einigung in der Mitte ist der vorzeitige Abschied Klingers 2019. Der Aufsichtsrat beschloss noch am 5. Dezember 2018 die – gesetzlich erforderliche - Neuausschreibung der ÖWM-Geschäftsführung. Die bereits angeworfene Gerüchtebörse nennt bereits zahllose Namen. Vinaria sind Kandidaten mit reellen Chancen sehr wohl bekannt, auch heiße Favoriten. Wir werden uns allerdings an keinen Personalspekulationen beteiligen, um keine infrage kommenden Persönlichkeiten durch öffentliche Diskussion um ihre Chancen zu bringen.

Gründe liegen tiefer - Die Gründe für die Ereignisse liegen tiefer. Vinaria berichtete mehrfach und exklusiv über die Angst der Winzer, auf Teilen der reichlichen Ernte des Jahrgangs 2018 und auf den üppigen Lagerbeständen aus den Vorjahren sitzen zu bleiben. Dabei wurde auch Kritik an der ÖWM laut, die nach Meinung einiger Winzer und Weinbaufunktionäre ihren Fokus über lange Jahre zu sehr auf das Topwein-Segment und dessen Verankerung auf den internationalen Märkten gelegt habe. Eine Kritik, die unter vorgehaltener Hand lange latent war, in Zeiten geringer Ernten aber keine Relevanz erfuhr.

Derzeit bunkern die Winzer 3,2 Millionen Hektoliter Wein des qualitativ und quantitativ sehr guten Jahrgangs 2018 in den Kellern. Der Inlandsverbrauch beträgt rund 2,4 Mio. HL, ergibt einen Überschuss von 800.000 HL. Dazu kommen gut 1,2 Mio. HL Altwein, der vor allem aus spekulativen Gründen gehortet wurde und aktuell kaum vermarktbar ist. Ergibt in Summe einen Weinsee von rund 2,0 Mio. HL oder rund 266 Millionen Flaschen 0,75 Liter, die im Ausland untergebracht werden müssen.

Hier ist ÖWM gefordert. Willi Klinger sah die Lage zuletzt entspannt und setzt auf eine Mengenregulierung durch die Märkte und die durch das große Angebot sinkenden Weinpreise. Lesen Sie dazu den gesamten Beitrag auf www.vinaria.at mit einem ausführlichen Statement von Willi Klinger.

Wie dem auch sei, wird die ÖWM beziehungsweise deren Aufsichtsrat gut beraten sein, die Expertise von Willi Klinger über dessen Abschied hinaus zu nutzen. Sei es als Consulter, Berater oder für Projekte. Er ist unbestritten einer der allergrößten Weinmarketing-Experten Europas.

Himmelfahrts-Kommando - Der Job des ÖWM-Chefs ist ein sehr diffiziler. Zum einen ist ein ausgewiesener Experte gefordert, sattelfest in allen Segmenten des Weingeschäfts bis hin zu Vertrieb, Marketing, Kommunikation, Präsentation – alles auf internationaler Ebene, gerüstet für die globalen Märkte. Neben der Positionierung der Benchmarks des österreichischen Weins sind zusehends neue Inputs für die Exportförderung großer Überschussmengen gefragt. Dazu muss der oder die künftige ÖWM-Chef/in politisch bestens vernetzt sein. In alle Richtung, sind doch nicht nur die Interessen der politischen Couleurs unter einen Hut zu bringen, sondern auch die oft diametral angesiedelten Interessen von Bund, Ländern und Interessensvertretungen. Die Winzer stehen traditionell gespalten zur ÖWM, unabhängig von der Person an der Spitze. Der Gesetzgeber zwingt alle Weinbauern zu festgelegten Marketingbeiträgen, die sich an Erntemengen orientieren. Damit werden die Budgets der ÖWM dotiert. Den exportstarken Winzer werden durch die weltweiten Aktivitäten der ÖWM im Spitzensegment viele Türen geöffnet, deren Klinken sie selbst sonst nicht erreichen könnten. Diese Winzer singen ein Hohelied auf die ÖWM. Die vielen kleinen Winzer, oft im Nebenerwerb, die ihre Weine selbst ab Hof oder beim Heurigen vermarkten, sehen oft nicht ein, warum sie überhaupt gesetzliche Marketingbeiträge zahlen müssen. Das ist das Spannungsfeld, in dem sich die ÖWM bewegt. Allen recht machen, kann man es dabei sicher nicht.

INFO – Mag. Willi Klinger (62) wurde in Wels in Oberösterreich geboren und wuchs in Gaspoltshofen (OÖ) auf. Er studierte Romanistik und legte die Lehramtsprüfung in Französisch und Italienisch ab. Mitte der 1980er-Jahre war er auch als Schauspieler und im Kulturmanagement tätig. Legendär sind spontane Auftritte des ÖWM-Chefs am Klavier, wo er auch weltbekannte Hits professionell zu interpretieren weiß. Ins Weingeschäft kam Willi Klinger als Marketingleiter der damals führenden Weinhandelsfirma A.V. Stangl in Salzburg, ehe ihn Heinz Kammerer als operativen Geschäftsführer zum Aufbau der Handelskette Wein & Co an Bord holte (1993-1995). Danach reorganisierte Klinger die Genossenschaft Freie Weingärtner Wachau, baute dort radikal um, sanierte und legte den Grundstein für den internationalen Erfolg der heutigen Domäne Wachau.

Von 2000 bis 2006 war Willi Klinger Berater mit weitreichenden Vollmachten bei Piemont-Legende Angelo Gaja, wo er sich um den weltweiten Export, Produktpräsentation und globale Medienarbeit kümmerte. Mit so großem Erfolg, dass er bis heute mit der Gaja-Familie eng verbunden ist. Seit 01.01.2007 ist Willi Klinger alleiniger Geschäftsführer der ÖWM, führte diese und damit den österreichischen Wein zu hohem Ansehen auf den Weltmärkten.

Zahllose Initiativen wie der konsequente Ausbau des DAC-Systems, die Herkunfts- und die Sektpyramiden, der Aufbau neuer Märkte oder die Positionierung österreichischer Weine in der Top-Gastronomie rund um die Welt gehen auf Willi Klinger zurück. Dazu die enge Vernetzung mit hunderten Weinjournalisten und der Aufbau von Signature-Veranstaltungen, etwa der VieVinum und der Sektgala.

Privat ist Willi Klinger verheirateter Vater und begeisterter Koch. Als Hommage an seine Mama, die bis heute im elterlichen Gasthaus in Gaspoltshofen werkt, hat er sogar ein Kochbuch geschrieben: „Hedi Klingers Familienküche“, auf Anhieb ein Bestseller. Der musische Humanist setzt sich gerne ans Piano, intoniert dazu Klassiker der Popmusik.


Hier finden Sie den kompletten Lebenslauf von Willi Klinger. 

www.oesterreichwein.at

Erwin Goldfuss
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