Rarität Roter Veltliner: Comeback einer Diva

Rarität Roter Veltliner: Comeback einer Diva

Rarität Roter Veltliner: Comeback einer Diva

Früher Leitsorte am Wagram (Niederösterreich), war es um den Roten Veltliner lange Zeit recht ruhig, ja fast totenstill. Seit einigen Jahren erlebt die Rebsorte eine Renaissance. Vinaria hat sich durch die besten Sortenvereter gekostet.

Er ist eine Diva, der Rote Veltliner. Besonders seine Fäulnisanfälligkeit hat dazu geführt, dass er beinahe ausgestorben wäre. Darüber hinaus reagiert er empfindlich auf Winter- und Frühjahrsfröste. Pilzinfektionen wie Peronospora haben leichtes Spiel mit dieser autochthonen Rebsorte, und er ist ausgesprochen fragil in der Blüte. Außerdem ist er wählerisch, was seinen Standort angeht. Feuchte und allzu fruchtbare Böden mag er nicht, trocken kann es aber ruhig sein und heiß auch.

Gute Erfolge stellen sich auf südexponierten, warmen Lagen ein. Schotter und Löss liebt er. Jetzt könnte man meinen, dass diese für ihn optimalen Bedingungen zu säurearmen Weinen führen. Das Gegenteil ist der Fall. Selbst bei hoher Reife wirkt die Säure frisch. Weil die Sorte sehr wüchsig ist, erfordert sie hohen Arbeitsaufwand im Weingarten. Ein Winzer vom Wagram sagte einmal, das Einflechten der Triebe in den Drahtrahmen sei eine Sisyphusarbeit – kaum abgeschnitten, seien sie schon wieder nachgewachsen.

Will man Qualität, ist Ertragsreduktion ein Muss, speziell auf fruchtbareren Böden wie Löss, der am Wagram bekanntlich oft vorkommt. Andernfalls liefert diese Rebe dünne Weine mit wenig Ausdruck.

Diese kapriziöse Sorte ist eher dünnhäutig und zu allem Überdruss auch noch sehr dichtbeerig. Das begünstigt die Fäulnis, die in feuchten Jahren ein gravierendes Problem darstellt. Dagegen hilft die Traubenteilung, und auch die ist mit viel Aufwand verbunden. Die Laubarbeit muss konsequent erledigt werden, damit sich die Beeren möglichst vollständig verfärben und im reifen Zustand hellrötlich bis fast violett aussehen.

Reife & Extrakt - Die Aromatik hängt sehr von Reife und Extrakt ab. Bei zu hohem Ertrag wirkt sie unharmonisch und nichtssagend. Das Primärbukett ist im Jugendstadium zaghaft bis bescheiden, mit etwas Lagerung zeigen die Weine gelbfruchtige Nuancen und brotige Komponenten. Das Spektrum reicht von frischen Kräutern bis zu saftigem Steinobst, Quitten oder exotischen Aromen, die an Mandarinen, Orangen und Tropenfrüchte erinnern. Mitunter zeigen Rote Veltiner burgundische Anklänge. Substanzreiche Repräsentanten dieser Varietät können unglaublich lange halten, ohne ihr inneres Gefüge wesentlich zu verändern – sie nähern sich dann im Ausdruck großen weißen Burgundern.

Genetik & Verbreitung - Der Rote Veltliner ist die Stammsorte der Veltliner-Gruppe, die mehrere Spielarten aufweist, welche durch Mutationen oder Auskreuzungen entstanden sind, zum Beispiel Neuburger oder Zierfandler. Wo er herkommt, weiß man nicht genau. Genetische Untersuchungen haben gezeigt, dass er mit dem Grünen Veltliner nicht verwandt ist.

Wie man mittlerweile herausgefunden hat, ist der Grüne Veltliner ein Halbbruder des Rotgipflers mit Verbindungen zum Traminer. Möglicherweise wurde er wegen seines Aussehens mit dem Braunen Veltliner verwechselt, einer alten Rebsorte und Farbvariante des Roten Veltliners. Faktum ist, dass beide Varietäten in gewisser Konkurrenz stehen, was die Standorte angeht. Das mag einer der Gründe sein, warum der Rote dem Grünen Platz machen musste. Man kann es den Winzern nicht übelnehmen, wenn sie der pflegeleichten, ausdrucksstarken und beliebten Sorte den Vorzug geben.

2011 wurde der Rote Veltliner als besonders schützenswert in das Arche-Projekt „Slow Food Foundation for Biodiversity“ zur Erhaltung alter Pflanzensorten aufgenommen.

In Österreich sind knapp 200 Hektar mit dem Roten Veltliner bestockt, was ungefähr 0,4 % der gesamten Anbaufläche der Alpenrepublik entspricht. Hochgehalten wird er am Wagram, im Kremstal und im Kamptal, in geringem Umfang auch im Weinviertel und in Wien. In der Slowakei kommt er häufiger vor als in Österreich, geringe Bestände gibt es auch in Ungarn und in Tschechien.

Der Wagram ist mit seinen 2720 Hektar Weingärten ein mittelgroßes Weinbaugebiet, eine hinsichtlich ihrer Mächtigkeit einzigartige Löss-Stufe. In den letzten Jahren wurde Rote Veltliner wiederentdeckt und als regionale Spezialität gefördert. Regelmäßig werden Rote Veltliner im Weinguide von Vinaria als TOP-Weine geadelt, sie gehören zu den großen Weinen dieser Welt.

Die große Vinaria Verkostung Roter Veltliner fand in der Vinothek & Weinlokal Weritas in Kirchberg am Wagram statt. Für die Unterstützung bedankt sich die Redaktion bei Patron Gerhard Hintermayer. www.weritas.at – Eine große Regionsreportage über das kleine, feine und junge Weinbaugebiet Wagram finden Sie in der aktuellen Ausgabe 6/2018 von Vinaria. Bestellen Sie Vinaria jetzt einfach & bequem zum Erscheinungstermin nach Hause. Das 1-Jahresabo Vinaria inkl. Prämie für Neuabonnenten ist ab € 39,- (EU-Ausland € 55,-) erhältlich. Jetzt im Vinaria Abo-Shop bestellen!


Wolfgang Wachter (Text), Peter Schleimer, Adi Schmid, Erwin Goldfuss (Verkostung)

Roter Veltliner-Verkostung


** Stefan Bauer, Königsbrunn
2017 Roter Veltliner WG, 12,5%, S * € 8,50
Kühl, sehr frisch, bisschen hefige Noten, etwas frische Kräuter, Zitronenmelisse, recht gerundet, etwas Kriecherln; eher schüchterne Frucht am Gaumen, zartbitter, bisschen Zitrus, mittlerer Ausdruck, etwas neutral nach hinten, unkompliziert.

*** Leopold Blauensteiner, Gösing
2017 Roter Veltliner Ried Fumberg WG, 14%, S * € 11,-
Cremig, schöne Würze, cremige Fülle, etwas nussig, Laub, Pfeffer, Schwarzbrot, cremige Gelbfrucht; saftig, viel Frucht, etwas burschikos, etwas robust, viel saure Orangen, Zitrus überhaupt, fest, strukturierender Gerbstoff, mittellang, fest, hinten zartbittere Note.

** Karl Ecker, Mitterstockstall
2017 Roter Veltliner Ried Schlossberg WG, 13,5%, S * € 8,-
Etwas pfeffrig, bisschen Steinobst, Blüten, etwas Zitrusnoten, ein Hauch von Blütenhonig, eher dezent; recht griffig und fest, Orangenfrucht, begleitet von merklich herben Noten, bisschen haftend, mittleres Finish.

*** Weingut Ecker–Eckhof, Mitterstockstall
2017 Roter Veltliner Ried Steinberg WG, 13,5%, S * € 16,-
Etwas Bananenchips, sehr kühl, duftig, bisschen Früchtebrot, ziemlich traubig, bisschen Weihrauch, ausgewogen, schöne Frucht; kernig, sehr viel Frucht, mittelkräftig, schöne Frucht, mittlerer Schmelz und Spiel, dichte Frucht, recht lang.

**** Weingut Ecker–Eckhof, Mitterstockstall
2016 Roter Veltliner Ried Steinberg Große Reserve WG,
13,5%, S * € 22,-
Reichhaltig, dicht, etwas Krachmandeln, kandierte Melonen, dicht, frisch, durchaus helle Noten, schöne Fülle, Klarapfel, auch etwas sehr dezente Birne; saftig, kraftvoll, dicht, viel Frucht, Biss, straff, kernig, lang, fest, schön trocken.

**** Harald Ernst, Großwiesendorf
2017 Roter Veltliner Ried Steinberg WG, 13,5%, S * € 12,-
Ziemlich reduktiv zu Beginn, würzig, etwas Hülsenfrüchte, braucht viel Luft, bisschen brotig, Räuchernoten, dann etwas Bananenschalen, reif, Gewürzbrot, einige Fülle; saftig, schöner Schliff, mittleres Spiel, cremig, fruchtsüß, recht reichhaltig, Dörrfruchtbrot, hinten guter Biss, kraftvoll, gewisse Länge.

*** Josef Fritz, Zaußenberg
2017 Roter Veltliner Ried Mordthal WG, 12%, S * € 19,-
Etwas röstig und auch reduktiv zu Beginn, leicht cremig, Bananenbrot, etwas verhangen, deutet aber Tiefe an, würzig, bisschen süß-sauer; etwas herb, trocken, bisschen kantig, Zitrus auch sauer Orangen, hinten eher geradlinig, rassig, kraftvoll, sehr saftig, lang nach hinten.

*** Josef Fritz, Zaußenberg
2017 Roter Veltliner Ried Steinberg WG, 13,5%, S * € 12,50
Toller Fruchtausdruck, glockenklar, duftig, sehr schöner Ausdruck, leicht cremig, subtile Fülle, Orangen, Aprikosen; saftig, dicht, viel Frucht, viel Orangengelee, saftig, elegante Seidigkeit, hinten etwas schüchtern, schön trinkig, braucht noch.

*** Josef Fritz, Zaußenberg
2016 Roter Veltliner Ried Steinberg Privat WG, 14%, S * € 21,-
Dicht, cremig, üppige Fülle, ausgereift, viel Karamell, Plunder, rauchig, süße Gewürze, Dörrzwetschken, etwas Sägespäne; reichhaltig, dichte Fülle, schmelzig, reif, schöne Fülle, Riesenfrucht, Wassermelonen, Orangengelee, kraftvoll, bisschen burschikos, gute Länge, abwarten.

** Weingut Heiderer-Mayer, Baumgarten
2017 Roter Veltliner Ried Steinberg WG, 13,5%, S * k. A.
Recht würzig, recht cremig, bisschen germig, dicht, Kuchennoten, etwas rauchig, zieht sich zurück; füllige Textur mit weicher Frucht, bisschen breit angelegt, mittlere Maschen, leicht laktisch, bisschen haftend, typisch, mittlerer Abgang.

*** Weingut Leth, Fels
2017 Roter Veltliner Ried Fumberg WG, 13%, S * € 15,-
Rauchig, würzig, auch Pfeffer, Gewürzbrot, auch etwas Kuchen, reife Gelbfrucht, recht rauchig; griffig, sehr fest, burschikos, gute Substanz, bisschen Orangengelee, mittellang, recht saftig, fest, guter Trinkfluss.

HHHH Weingut Leth, Fels
2017 Roter Veltliner Ried Scheiben Lagenreserve WG,
13,5%, S * € 21,60
Ziemlich würzig, ordentlich Kräuter, recht dezent, viel Laub, frische Schwarzwurzeln, auch Kräuter; saftig, straff, schöne Frucht, Orangengelee, griffig, leicht herb, sehr fest, robust, hinten saftig und schmelzig, Spur füllig, einige Länge.

**** Weingut Reinberger, Grafenwörth
2017 Roter Veltliner Lössterrassen WG, 13,5%, S * € 9,90
Duftig, frisch gemähtes Gras, wunderschöne cremige Note, Nougat de Montelimar, cremig und recht reichhaltig, viel Charme; supersaftig, viel Frucht, bisschen Rosinenbrot, schön cremig, fest, vorne zarte Fruchtsüße, hinten angenehm trocken.

*** Franz Sauerstingl, Fels
2017 Roter Veltliner Reserve WG, 13,5%, S * € 13,50
Etwas Tortenglasur, duftig, schön ausgewogen, einige Fülle, eher dezente Ausprägung, bisschen Quitten, ein Hauch von weißer Melone; , am Gaumen dann auch viel Zitrus, saftig, sehr erfrischend, fast ein bisschen spritzig, viel Frucht, lebhaft, bildhübsch.

*** Weingut Schabl, Königsbrunn
2017 Roter Veltliner Wagramkante, G, 12,5%, S * k. A.
Kühle Würze, etwas Chili, viel Nussnoten, auch Laub, wirkt recht dicht, schöner Ausdruck, erinnert an Tarte au Citro; griffig, saftig, rasend frisch, viel Biss, schöne Zitrusnoten, griffig, straff, rassig, pikant, fest, mittellang, anregend, klar, Limettenschalen.

*** Herbert Schabl, Königsbrunn
2016 Roter Veltliner Reserve WG, 14%, S * k. A.
Recht füllig, dunkle Würze, Kletzenbrot, dicht, Schwarzbrotrinde, ein Hauch ätherisch, leicht nach Menthol; saftig und dicht, saftig, fruchtsüß, etwas laktisch, ungemein fruchtsüß, kraftvoll, mittlere Konturen, lang, etwas vierschrötig, lang.

** Familie Schuster, Großriedenthal
2017 Roter Veltliner Ried Altweingarten WG, 12,5%, S * € 9,90
Bisschen Bananennoten, süß und einnehmend, etwas Schoko-Trauben-
Noten, etwas Knäckebrot, ein Hauch von Menthol; knackig, erfrischend,
etwas milchige Noten, recht cremige Mitte, Traubengelee, leicht fruchtsüß, mittleres, feinherbes Finish.

*** Familie Schuster, Großriedenthal
2017 Roter Veltliner Ried Eisenhut WG, 13,5%, S * € 16,-
Kühl, duftig, zart hefig, elegant, schöner Schliff, bisschen Mirabellen, auch dezente kandierte Birnen, schöner Fruchtbiss, lebhaft, recht kräftig, fest,
ruhig fließend, recht ausgewogen, ziemlich geschmeidig, mittellang.

** Weingut Ulzer, Seebarn
2017 Roter Veltliner WG, 11,5%, S * € k. A.
Kühl, frisch, fruchtbetont. Transparent, etwas Kernobstfrucht, dann etwas frische Würze, bisschen rauchig, Blütennoten, zart heuig; eher schlank gebaut, frische Frucht, Ringlotte, bisschen Apfel, hinten etwas nervige Säure.

** Urbanihof Paschinger, Fels
2017 Roter Veltliner Ried Dorner WG, 13,5%, S * € 10,50
Rauchig, süße Holznoten, dunkle Röstung, dichte Frucht, ausgereift, recht viel hefige Noten, etwas Bananen; griffig, sehr saftig, viel Frucht, satte Frucht, Plumpudding, Orangenzesten, Biss, recht lang, sehr viel Holz, derzeit zu prominent.

** Elfriede und Anton Waldschütz, Sachsendorf
2017 Roter Veltliner Ried Goldberg WG, 13,5%, S * € 14,90
Etwas hefige Würze, Orangenpimms, bisschen frische Wiesenblüten, helle Noten, lebhaft und kühl; am Gaumen eher geradlinig, eher schlanke Bauart, sehr zitrusbetont, rassig, mäßiges Spiel, nicht allzu lang.

 

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