Entdecken Sie die rote Seite des Kamptals

Entdecken Sie die rote Seite des Kamptals

Die rote Seite des Kamptals


Das Kamptal mit seinen DAC-Größen Grüner Veltliner und Riesling, mit seiner enormen Sortenvielfalt an Weißweinen kann auch mit sehr schönen roten Gewächsen aufwarten. Vinaria hat sich umgesehen und die besten Tipps zusammen gestellt. Das Kamptal kann auch mit roten Gewächsen aufwarten, mit gar nicht so wenigen, denn der Anteil blauer Trauben an der Gesamtrebfläche beträgt immerhin 21 Prozent.

Klimatisch macht sich im Kamptal die Dynamik zwischen dem heißen, pannonischen Becken im Osten und dem kühlen Waldviertel im Nordwesten bemerkbar. Vom Spiel zwischen der Hitze am Tag und den kühlen Nachttemperaturen profitieren selbstverständlich blaue Trauben genauso wie ihre grünen Pendants. Die daraus resultierende Aromafinesse und eine frische, lebendige Säurestruktur machen die Weine anders als in vielen bekannten Rotweingebieten.

Cool-climate-Weine - Wenig überraschend fiel daher die hohe Zustimmungsrate bei den Aussagen befragter Winzer zu einem möglichen Kamptal-Profil bei Rotweinen aus, wenngleich ein solches in weiten Bereichen auch für die umliegenden Weinbaugebiete (Kremstal, Wagram, südliches Weinviertel) Gültigkeit haben dürfte. Tatsächlich schätzen viele Kunden – übrigens gerade in den ausländischen Destinationen – die spezielle Aromatik der klassisch ausgebauten Zweigeltweine, die sich mit ihrer Frische und Klarheit von der „internationalen Stilistik“ oft diametral unterscheiden.

„Es sind im Vergleich zum internationalen Angebot letztlich cool-climate-Weine, mit denen wir punkten“, meint auch Thomas Klinger, Vertriebsleiter bei Willi Bründlmayer, „also legen wir unser Hauptaugenmerk auf Sorten, wie Zweigelt, Sankt Laurent und Pinot Noir!“ Wobei er nicht versäumt hinzuzufügen, dass die Kernkompetenz im Gebiet eindeutig beim Zweigelt liege.

Zweigelt machen alle - Wen wundert’s? Die Sorte, die in vier Jahren ihren hundertsten Geburtstag feiert, ist schließlich das Ergebnis der Rebsortenzüchtung eines Langenloisers, des Prof. Zweigelt, aus dem Jahr 1922. Freilich haben sich längst auch andere Varietäten etabliert, man trifft sowohl auf das Bordeaux-Dreigestirn Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Merlot, als auch auf Pinot Noir und Sankt Laurent, die hier offensichtlich gute Bedingungen vorfinden.

Unser erster Weg führt uns zu einem der bedeutendsten und größten Betriebe, zu Willi Bründlmayer und seinem Sohn, deren Vornamen das Etikett eines herausragenden Rotweins zieren, der aus Cabernet Franc und Merlot vinifizierten Cuvée „Willi & Vincent“. Auch Pinot Noir nimmt in Form zweier Varianten eine wichtige Position im Sortiment ein, als Reserve bildet er, gemeinsam mit der eingangs erwähnten Cuvée die Speerspitze des Rotwein-Segments. Ergänzt wird die Palette um zwei Zweigelts, einen Klassiker aus dem Stahltank, sowie um die in kleinen, 300 Liter fassenden Holzfässern vinifizierte Reserve. Der Anteil blauer Trauben an der rund 80 Hektar messenden Eigenfläche des Weinguts liegt mit rund 30 % über dem Kamptaler Durchschnitt, sie wachsen vorwiegend in den Toplagen Dechant und Käferberg. Freilich geht in etwa die Hälfte davon in Rosé-Weine und in die Sektproduktion.

Nur wenige Schritte entfernt besuchen wir einen anderen renommierten Weinbaubetrieb, den von Rudolf Rabl, dessen Preisliste mittlerweile an die 50 Positionen zählt. Mehr als 80 Hektar Weingartenfläche nennt der schlaksige, dynamische Langenloiser sein Eigen. Der Anteil blauer Trauben liegt mit einem guten Viertel ebenfalls überraschend hoch, wobei ein Teil davon auch in sehr ansprechende Rosés wandert. Entsprechend umfangreich ist das Sortiment, das in erster Linie die mittlere Preisklasse abdeckt und diverse Weine aus Zweigelt, St. Laurent, Blauburger, Pinot Noir und Cabernet Sauvignon beinhaltet. Eine besondere Spezialität ist der pfeffrig frische Syrah, der ein wenig an Rhône-Weine erinnert.

Zu den größeren Betrieben zählt auch das traditionsreiche, biologisch bewirtschaftete Weingut Jurtschitsch. Hier trifft man u.a. auf einen Wein, der seit Jahrzehnten zum Portefeuille des Hauses gehört, den „Rotspon“, eine Cuvée aus 80 % Zweigelt sowie je 10 % Cabernet Sauvignon und Merlot, die es mittlerweile sowohl als „Classic“- wie als „Reserve“-Variante gibt. Für Alwin Jurtschitsch ist sie untrennbar mit dem Haus verbunden, wenngleich seine Favoriten Merlot- und Pinot Noir-Reserve heißen.

Einer, dessen Rotweine – nicht nur, aber auch – in der Löss-Toplage Dechant wachsen, ist Fred Loimer. Der umtriebige Biodynamiker mit Weingärten im Kamptal wie auch in der Thermenregion (Gumpoldskirchen) macht mit seinen Pinots ausgesprochen feine, elegante Weine, von denen in der Preisliste gleich fünf Varianten aufscheinen.

Wer im Kamptal vom Zweigelt redet, wird vermutlich auch den Namen Thomas Leithner kennen, den Urenkelsohn jenes Prof. Zweigelt, der der Welt die nach ihm benannte Rebe geschenkt hat. Klar ist es für den schnauzbärtigen Langenloiser Ehre und Verpflichtung, dieser Sorte auch im eigenen Sortiment breiten Raum zu geben. In der Tat wird ihr ungefähr ein Drittel der gesamten Eigenfläche gewidmet – vinifiziert werden drei Varianten, neben dem klassischen Sortenvertreter der Zweigelt Privat und die nur in guten Jahren produzierte „Hommage“.

Unser nächster Ansprechpartner heißt Toni Eitzinger, der mit seiner charmanten Nadja ein 16 Hektar großes Weingut leitet und sich in den letzten Jahren mit feinen Rotweinen aus Zweigelt und St. Laurent einen Namen gemacht hat. Einen so guten, dass viele bei seinem Klang auch sofort an Rotwein denken, obwohl natürlich, angeführt vom Grünen Veltliner, die Weißweinsorten das Sagen haben. „Trotz unserer langen Familientradition, war es eigentlich erst mein Vater, der sich ernsthaft der Rotweine angenommen hat“, lächelt der Junior.

Rund um Langenlois - Lediglich fünf Autominuten entfernt von Österreichs größter Weinstadt befindet sich eine Pilgerstätte für Weinliebhaber – Schloss Gobelsburg, das den Besucher am Anfang des gleichnamigen Orts empfängt. Michi Moosbrugger, der Vorarlberger Quereinsteiger, hat das alteingesessene Weingut vor über 20 Jahren aus seinem Dornröschenschlaf erweckt und ihm zu neuem Glanz verholfen. Das tut er vornehmlich mit großen Grünen Veltlinern und Rieslingen, hat aber auch einige bemerkenswerte rote Gewächse im Sortiment. Neben einem Kamptal-klassischen Zweigelt etwa die Reserven vom Zweigelt, St. Laurent und Pinot Noir, sowie den auf lehmig-lössigen Böden und in Lyra-Erziehung wachsenden Merlot „Privatkeller“.

Doch nicht nur das „erste Haus am Platz“ hat feine Rotweine vorzuweisen, bei genauerer Suche lassen sich weitere Perlen entdecken, wie jene zwei Betriebe, die uns bei unseren Recherchen auch mit ihren Rotweinen beeindruckt haben. Zum einen ist das Andreas Schmid, dessen 18 Hektar Rebfläche von rund 30 % blauen Trauben bedeckt sind. Zweigelt und Pinot Noir sind präsent; hervorzuheben ist aber vor allem die Cuvée „Barbarossa“, eine im Barrique ausgebaute Melange aus 50 % Cabernet Sauvignon, 15 % Merlot und 35 % Blauburger.

Beim zweiten Gobelsburger handelt es sich um das Weingut Reithmaier, in dem der junge Hannes Reithmaier mit dem Kamptal-typischen Sortenmix aus Zweigelt, Pinot Noir und Sankt Laurent eine formidable Cuvée zaubert, die sich „Pinot Noir and friends“ nennt – einfach deswegen weil der Pinot mit einem Anteil von 60 % die bestimmende Sorte ist. Auch Zweigelt reinsortig gibt es in den Varianten Klassik und Reserve. Sowohl die Cuvée als auch die Zweigelt Reserve sind Daueranwärter für vorderste Plätze beim Langenlois-internen Weinchampion-Wettbewerb.

Einen Abstecher machen wir noch ins nahe Lengenfeld, wo Kurt Angerer ganze 16 Hektar seines Weinguts mit Rotweintrauben bepflanzt hat. Hier tummeln sich zumeist kräftige, ausgiebige Gewächse aus Zweigelt, Sankt Laurent, Pinot Noir, Cabernet Sauvignon. Dazu jene aus der Premiumlinie „Limited Edition“, je ein Merlot, Cabernet Franc und der „Red Granite“ getaufte Syrah (nicht zu verwechseln mit dem ebenfalls hochdekorierten Zweigelt „Granit“). Gerade die letztgenannten weichen in der Stilistik von der eingangs zitierten Kamptal-Linie ab – es sind durchwegs substanzielle, fleischige Rotweine mit Fülle und Konzentration.

Empfehlenswerte Betriebe im Kamptal mit Rotweinen im Sortiment:


Josef Aichinger, 3562 Schönberg am Kamp, Hauptstraße 15
T: +343 2733 8237, Fax 76458, kamptal@wein-aichinger.at
Zweigelt Bernthal, Cuvée CMZ

Alfred Markus Deim, 3562 Schönberg am Kamp, Mollandser Straße 14
T: +43 664 5091148, Fax 02733 8236, weinbau@deim.info
Pinot Noir Bernthal, Zweigelt Klopfhartsberg, Zweigelt Barrique Bernthal

Peter Dolle, 3491 Strass im Strassertal, Herrengasse 2
T: +43 2735 2326, Fax 02735 2857, weingut@dolle.at
Zweigelt, Zweigelt Reserve, St. Laurent, Cuvée Année (CS/ME/PN)

Weingärtnerei Engelbrecht, 3492 Etsdorf, Obere Marktstraße 1
T: +43 2735 2320, engelbrecht.wein@aon.at
Zweigelt Exklusiv, Zweigelt Hengstberg, St. Laurent, Spätburgunder (PN), Cuvée Rubin

Wolfgang & Sylvia Groll, 3553 Langenlois, Reith 59
T: +43 2734 8522, info@weingut-groll.at
Zweigelt Seeberg, Zweigelt Seeberg Reserve

Ludwig & Michael Gruber (Weingut am Berg), 3550 Langenlois, Mittelberg 41
T: +43 2734 2965, Fax 2965-90, office@weingut-am-berg.at
Zweigelt, Pinot Noir und Merlot Reserve, alle aus der Ried Loiserberg

Oskar Hager, 3562 Mollands, Weinstraße 42
T: +43 2733 8278, 0664 1414636, info@weingut-hager.at
Zweigelt, auch als „Barrique Reserve“ und als „Grande Reserve“

Gerhard & Brigitte Kirschner, 3561 Zöbing, Heiligensteinstraße 3
T: +43 2734 4213, 0664 3824469, kirschner@zoebing.at
Zweigelt Reserve, Merlot Reserve

Weingut Rosner, 3550 Langenlois, Großer Buriweg 29
T: +43 2734 4152, office@rosnerwein.at
Zweigelt Klassik und Reserve, „Rotburger“, Sankt Laurent

Gerda & Martin Schierer, 3561 Zöbing, Heiligensteinstraße 6
T: +43 2734/2143, Fax: 02734/21439, office@weingut-schierer.at
Merlot, Cabernet Sauvignon, Cuvée Elysium (alle Barrique), Zweigelt Kogelberg, Syrah

Winzerfamilie Steiner, 3550 Langenlois, Mühlgasse 8
T: +43 2734 2464, steiner@hauermandl.at
Zweigelt Reserve, Blauburgunder Reserve


Bernulf Bruckner
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