Große Knoll Vertikale: 1996 – 2006 – 2016

Große Knoll Vertikale: 1996 – 2006 – 2016

Kalt & warm: Knoll Vertikale 1996 – 2006 – 2016


Schon Tradition hat eine rare Vertikale über drei Jahrzehnte, die Emmerich Knoll stets im Rahmen des wachau GOURMETfestival organisiert. Emmerich Knoll, seit Anfang März 2018 jüngster Vinaria Lebenswerk-Preisträger, und seine Söhne Emmerich H. und August, stellen jeweils einen Jahrgang aus einer Dekade in den Fokus, großteils Grüne Veltliner und Rieslinge aus den bekannten Lagen, ergänzt durch Chardonnay.

Drei Jahrgänge sind es stets, die das Reifepotenzial der einzelnen Lagen über die Jahrzehnte wunderbar aufzeigen. Diesmal waren mit den Jahrgängen 1996, 2006 und 2016 drei geradezu exaltierte Jahrgänge an der Reihe, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Kalt & warm sozusagen. – Die Kostnotizen:


1996 – Der legendäre Katastrophen-Jahrgang. Naß, feucht, schrecklich. Bis heute ein Alptraum für viele Winzer. Saure Weine, ohne Frucht und Fluss, der Spaßfaktor weit unterm Gefrierpunkt.

2006 – Die Jahrgang gewordene Opulenz! Genau das Gegenteil von 1996. Ein perfekter Witterungsverlauf ließ die Trauben hochreif gedeihen. Die Weine opulent, geradzu barock, mit Üppigkeit und Wucht, Saft und Kraft ohne Ende ausgestattet. Weine für die Ewigkeit mit hohen Extrakt- und Alkoholwerten. Für die einen der Weinhimmel, für die anderen eine fette Keule mit eingeschränktem Trinkspaß. Riesiges Lagerpotenzial unbestritten.

2016 – Ein sehr schöner Jahrgang, der eben seine erste Trinkreife erlangt. In der Wachau sagt man zwar, die besten Jahrgänge sind die ungeraden. Ausnahmen bestätigen aber bekanntlich die Regel. 2006 sowieso, aber auch 2016, nur mit deutlich mehr Eleganz und Finesse.

Das Weingut Knoll vorzustellen wäre wie Wasser in die Donau zu schütten. Allgemeine Bekanntheit genießen auch dessen Toplagen: Kreutles, Schütt, Loibenberg und Kellerberg, auf die sich diese Jahrzehnt-Vertikale konzentrierte. Die Weine weisen in der Regel - wenn nicht explizit anders angegeben – um die 13,5 % Alkohol auf, die Federspiele 12,5%.


2016 Grüner Veltiner Kreutles Federspiel – Feine Frucht, schöne Säure, wunderbare Balance, animierend, Fluss, macht Lust auf die 2. Flasche, pardon: das 2. Glas
16,0

2006 Grüner Veltiner Kreutles Federspiel – Nase schon füllig und deutlich breiter, am Gaumen ein echt fettes Federspiel, füllig, cremig, Karamell, die Opulenz des Jahrgangsist präsent, schöne Länge, „kleiner Smaragd“ mit etwas unter 13% Alkohol.
16,0

1996 Grüner Veltiner Kreutles Federspiel – Schwerer Kontrast, 11% Alkohol, ganz typisch 1996, überraschend jugendlich durch extrem hohe Säure, würde man blind nicht so alt einreihen, nur noch wenig Frucht.
14,5

2016 Grüner Veltliner Schütt Smaragd – Perfekte erste Reife eines großen Weines, opulent, lang, füllig, bei guter Struktur, straff, reife Frucht, Marillenröster, Orangenzesten, Exotik, Tiefe, Mineralik, Fluss, Potenzial.
18,0

2006 Grüner Veltliner Schütt Smaragd – Hochreife Früchte, Marillen, Birnen, Bananen, Mango; überbordend, mächtig, Saft & Kraft, enormer Extrakt, Zuckerrest, nichts für Weicheier – wow!
18,8

1996 Grüner Veltliner Schütt Federspiel – Ja, Federspiel, weil zum Smaragd hat es in diesem Jahr nicht gereicht. Präsente Säure dominiert alles, jugendlich, straff, aber durchaus mit beachtenswertem Fluss, alles andere als über den Jordan.
15,0

2016 Grüner Veltliner Loibenberg Smaragd – Tolles Frucht/Säurespiel, ganz andere – durchaus kantigere – Struktur als Schütt, perfekter Trnkfluss, noch primärfruchtig, Fluss, Pfeffer.
18,4

2006 Grüner Veltliner Loibenberg Smaragd – Barocke Opulenz, breitschultrig, massiv, Extrakt und Exotik pur, Karamell, Würze und Tiefe, saftig, druckvoll, unendlich lang.
18,0

1996 Grüner Veltliner Loibenberg Smaragd – Überraschende Frische und guter Fluss, das eine oder andere Glas trinkt man mit Freude, würde aktuell auch als Aperitif gute Figur machen.
15,7

2016 Grüner Veltliner Vinothekfüllung Smaragd – Großartig, gaumenfüllend, wunderbare Frucht und Struktur, Tiefe und Balance, nachhaltig, saftig, reife Marille, exotische Früchte, Zester, Röster, braucht noch Zeit – 14,0 Alkohol.
18,9

2006 Grüner Veltliner Vinothekfüllung Smaragd – Im Vergleich mit dem 2016er sehr ähnlich strukturiert, aber von allem deutlich mehr. Das macht den Wein überbordend, schmelzig, cremig, Lychee und Mango, reife Birne, Botrytis – 14,5 Alkohiol.
18,5

1986 Grüner Veltliner Loibenberg Honifogl – Ja, richtig gelesen: 1986. Weil es 1996 keine Vinothekfüllug gab, griff Emmerich Knoll kurzerhand in die Schatzkiste. Damals hieß der Smaragd noch Honifogl, ehe ein Rechtsstreit die bis heute gültige Neufassung der Kategorien (Steinfeder, Federspiel, Smaragd) erzwang. Wunderbar erhalten, macht Freude, straff bei guter Struktur, durchaus Fluss, früh geerntet in einem tollen Jahr. Real nicht mehr bewertbar.
17,3


2016 Riesling Loibenberg Smaragd – Wunderbare Mineralik, Struktur und Finesse, feingliedrig, frische (gelbe) Früchte, Mandarinen, reife Zitrus.
17,9

2006 Riesling Loibenberg Smaragd – Ungeheurer Trinkfluss, animierend, macht Lust auf (immer) mehr, saftig, reife Früchte, endlos, tolle Struktur und Mineralik, Riesling vom Feinsten, gewaltig, Potenzial!
19,0

1996 Riesling Loibenberg Smaragd – Ein Wein der Extreme: 9 Promille Säure bei 8 Gramm Restzucker! Nichts für schwache Säurenerven. Fast angriffig, wirkt viel jünger.
15,0

2016 Riesling Kellerberg Smaragd – Schöner Frucht-Saäurekomplex, pures Trinkvergnügen, schöner Fluss, exotische Früchte, komplex, Finess, saftig, allererste Reife.
17,9

2006 Riesling Kellerberg Smaragd – Nuanciert, feine Reife, Karamell, cremig, braucht Luft und Temperatur. Kann im Moment aber mit dem Loibenberg nicht mithalten.
17,9

1996 Riesling Kellerberg Federspiel – Wieder ein Federspiel im Bewerb, weil es 1996 keinen Smaragd aus dieser Lage gab. Knochentrocken, fordernd, kein Spaziergang, wird auch in 10 Jahren nicht viel anders schmecken. 9 Promille Säure, 11,5 % Alkohol.
14,5

2016 Riesling Schütt Smaragd – So muss großer Wein! Explosion in Nase und Gaumen, tolle Mineralik und Frucht, Struktur und Saftigkeit, Tiefe und trotzdem balanciert. Ein Meisterstück Knoll’scdher Hollunderfrucht, dazu Marille und Exotik, feines Bukett, vielschichtig, macht Lust auf eine 2. Flasche, gerne noch mehr. Enormes Potenzial.
19,2

2006 Riesling Schütt Smaragd – Opulente Kraft, wuchtig, konzentriert, Extraktbombe, Restzucker, überreife Früchte, Exotik, Marillenröster, Mango. Dabei straffer als Loibenberg, im Moment.
18,8

1996 Riesling Schütt Smaragd – Überraschend guter 1996er, keine so derbe Säure wie die anderen Jahrgangsvertreter, saftig, jünger, ansprechender Fluss. Hat Vorteile durch Lage mit schöner Reife. Mit 12,5 % Alkohil gerade schon ein Smaragd.
15,5



2016 Chardonnay Smaragd – Feine, nuancierte Nase, gute Struktur, durchaius engmaschig, saftig, klare Frucht schöne Mineralik, präzise, geradlinig.
17,5

2006 Chardonnay Smaragd – Karamell, cremig, schmelzig, am Gaumen füllig, mit Noten nach Krokant und Nougat.
17,0

2016 Feinburgunder Smaragd – Der Chardonnay, der damals in der Wachau noch Feinburgunder hieß, um sich von den steirischen Chardonnays abzugrenzen, die eine ganz andere Stilistik aufweisen. Straffe Säure hält den Wein frisch, noch etwas Frucht, rassig, herausfordernd, kein Spassmacher.
14,5
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