Noblesse in Pink: Die besten Schilcher 2017

Noblesse in Pink: Die besten Schilcher 2017

Noblesse in Pink: Die besten Schilcher 2017


Das Jahr 2017 war auch in der Weststeiermark weinmäßig mehr als nur in Ordnung. Die Mehrheit der diesmal verkosteten Schilcher ist überdurchschnittlich fein ausgefallen, um nicht zu sagen nobel. Richtig grobe Lackl gab es kaum.

Die Jungweintour einige Wochen vor der Blindverkostung der besten Schilcher des Landes ließ bereits erkennen, dass im Herbst 2017 elegante und fruchtbetonte Roséweine aus der Blauen Wildbachertraube gekeltert wurden.

Jahr der Extreme - 2017 wird als Jahr der extremen Temperaturwechsel in die Annalen eingehen. Der Jänner war sehr kalt, der Februar dafür (zu) warm, der darauf folgende Monat legte diesbezüglich noch eins drauf. Die Meteorologen sprechen vom wärmsten März seit 251 Jahren. Dann kam ein kühler April, in der zweiten Hälfte drohte schon wieder ein Spätfrost. Dabei waren die Frostschäden vom April 2016 noch in schmerzhafter Erinnerung, insbesondere im Schilcherland, wo die Keller wegen des extremen Ernteausfalls leergefegt waren. Sehr warm bis ungewöhnlich heiß ging es in den Sommer, der Regen fiel spärlich. Bei den Säurewerten der Schilcher ist deshalb weder analytisch noch sensorisch ein Mangel auszumachen.

Wegen des vorgezogenen Lesezeitpunktes waren die Säurewerte zum Teil recht hoch, nicht selten musste eine Doppelsalz-Entsäuerung für sensorische Balance sorgen. Ungeachtet der Wetterkapriolen war die Qualität der Trauben doch sehr gut, was in Verbindung mit penibler Kellerarbeit zu außergewöhnlichen Weinen führte. Man kann ohne Weiteres von einem sehr eleganten Jahrgang sprechen. Die physiologische Reife hat weitgehend gepasst, die Aromatik war ausgeprägt, die Frucht klar und präsent.

Sanft und nobel - Die Abkehr von den ruppigen „Heckenkleschern“, die von einigen weitsichtigen Leitbetrieben schon vor längerer Zeit eingeleitet worden ist, setzt nun auf breiter Front ein. Physiologisch reifes Lesegut ohne extreme Zuckergradationen und ausreichende Säurewerte stellen gute Voraussetzungen dar, um diese Stilistik umzusetzen.

Die sortentypische Aromatik ist nicht auf der Strecke geblieben. Rote und schwarze Johannisbeeren, Stachelbeeren, Erdbeeren, Rhabarber und grünblättrige Noten wie Cassislaub sind nach wie vor präsent. Die Weine präsentierten sich heuer wie ernsthafte und hochkarätige Rosés mit schilchertypischen Aromen. So kann man neue Kundenschichten erschließen. Das Vorurteil, Schilcher seien unzugängliche Weine für Menschen mit Magenwänden aus Edelstahl, hält sich noch immer hartnäckig.

Verkostungs-Impressionen - Die Familie Friedrich aus St. Stefan ob Stainz widmet sich ausschließlich der Blauen Wildbacherrebe. Schon seit Jahren pflegt man hier einen feinen Stil, legt aber Wert auf Sortentypizität und Erkennbarkeit. Das ist heuer perfekt gelungen. Den ersten Platz unserer vergleichsweise gut beschickten Sortenverkostung belegt der Schilcher aus der Einzellage Pirkhofberg, ein zarter Wein, dem man ohne Zögern Noblesse attestieren muss. Mit ein wenig Abstand auf Rang zwei dann der Schilcher Ried Kirchberg aus dem gleichen Haus, der sich durch Vielschichtigkeit und eine zeitgemäß zugängliche Art auszeichnet. Auch die dritte eingereichte Probe, jene aus der Ried Langegg, schaffte es unter die Top fünf.

Ebenauf mit diesem Wein liegen der Schilcher „Harmonie“ von Lazarus und der Gutswein der Domäne Müller. Das Weingut Lazarus schickte damit einen hochgradig eleganten, fruchtsüßen und einnehmenden Sortenvertreter ins Rennen, der sich von den anderen beiden Schilchern dieses Betriebes doch deutlich abhob. Die Domäne Müller setzt mit dem Gutswein jenen erfolgreichen Weg fort, den sie letztes Jahr eingeschlagen hat. Der Wein ist druckvoll und facettenreich.

Wiederum als sichere Bank erwies sich die Schilcherei Jöbstl, diesmal mit dem gleichermaßen eleganten wie druckvollen Rosé „Alter Weingarten“, der Drittplatzierte unserer Verkostung. Ebenfalls sehr zu empfehlen ist Ried Schilcherberg, Ried Krass ist noch etwas zurückhaltend, zeigt aber viel Lagencharakter. Schilcher-Großmeister Stefan Langmann hat das Siegerpodest mit seinem druckvollen und tieffruchtigen Ried Hochgrail nur um Haaresbreite verpasst. Uneingeschränkt zu empfehlen sind auch Ried Greisdorf und Ried Langegg aus diesem Haus.

Von Christian Reiterers Schilchern hat sich der „Lamberg“ am besten geschlagen, gefolgt vom sehr eigenständigen Engelweingarten Alte Reben, der nicht ungeteilte Zustimmung fand, aber dennoch 15,6 Punkte erreichte. Eine ungewöhnlich kompakte und ansprechende Dreier-Serie hat der Peiserhof der Familie Strohmeier aus Eibiswald eingereicht, wobei eine der beiden Klassik-Varianten um eine Nasenlänge vorne war. Etwas polarisiert hat der „Sonnleiten“, der es trotzdem auf beachtliche 15,6 Punkte gebracht hat. Den letztes Jahr schon angekündigten Aufwärtstrend hat das Weingut Weber aus St. Stefan mit dem Schilcher Langegg bestätigt, ein druckvoller, fast rotweinartiger und von dunkler Beerenfrucht gekennzeichneter Rosé. Als Einstiegswein in das Thema Schilcher empfiehlt sich die „Trilogie“. Mit seiner feingliedrigen Art punktet der Schilcher Klassik des Weinguts Hiden vlg. Höllerhansl aus St. Stefan.

INFO - Zur Verkostung der trockenen Schilcher des Jahrganges 2017 wurden 37 Proben eingereicht. Sämtliche Flaschen waren mit Schraubverschlüssen versehen. Das Jurorenteam bestand aus den Sommeliers Helmut Jörg (viele Jahre Kellermeister im Arlberg Hospiz Hotel), Günther Meindl (Chef-Sommelier im Hotel Berghof in Lech) und Pepi Neubauer (Vorarlberger Sommelierverein), Martin Tasser sowie Wolfgang Wachter, dem Autor dieses Beitrages. Die Blindverkostung fand Mitte April im Hotel Berghof in Lech am Arlberg statt.

Toplist Schilcher 2017


16,7 Friedrich | Ried Pirkhofberg
16,4 Friedrich | Ried Kirchberg
16,2 Jöbstl | Alter Weingarten
16,1 Langmann | Ried Hochgrail
16,0 Friedrich | Ried Langegg
16,0 Lazarus | Harmonie
16,0 Domäne Müller | Gutswein
15,9 Christian Reiterer | Rosé Lamberg
15,7 Langmann | Ried Langegg
15,7 Peiserhof | Klassik S-1082
15,7 Weber | Langegg

Die gesamte Verkostungs-Reportage mit allen Weinbewertungen und -beschreibungen und den Winzer-Interviews finden Sie in der aktuellen Ausgabe Vinaria 4/2018. Bestellen Sie Vinaria jetzt einfach & bequem zum Erscheinungstermin nach Hause. Das 1-Jahresabo Vinaria inkl. Prämie für Neuabonnenten ist ab € 39,- (EU-Ausland € 55,-) erhältlich. Jetzt im Vinaria Abo-Shop bestellen!


Wolfgang Wachter

Zurück