Weingut Brovia: Barolo vom Feinsten

Weingut Brovia: Barolo vom Feinsten

Weingut Brovia: Barolo vom Feinsten


Das kleine, aber feine Traditionsweingut Brovia ist bei den jüngsten Barolo-Verkostungen von Vinaria jeweils
unter den drei Besten gelandet. Grund genug, anlässlich einer Vertikalverkostung im Piemont-Treff „Barolista“
weitere Erfahrungen zu sammeln

Das Familienweingut Brovia wurde bereits im Jahr 1863 gegründet und hat seinen Sitz in Castiglione Falletto, während sich die Weinberge sowohl dort als auch in Serralunga befinden. Die ausschließlich organisch bewirtschaftete Rebfläche von 17 Hektar ergibt freilich eine recht limitierte Produktion, im Durchschnitt lediglich 70.000 Flaschen im Jahr. Durch die Verkostung geführt hat der aus Barcelona gebürtige Àlex Sánchez, der in das Weingut eingeheiratet hat und es gegenwärtig gemeinsam mit seiner Frau Elena, die für den agronomischen Bereich zuständig ist, und deren Schwester Cristina, die für die Kellerwirtschaft verantwortlich ist, leitet.

Sämtliche Rotweine verbleiben drei bis vier Wochen auf der Maische, für den sehr guten Jahrgang 2013 wurde beispielsweise Letzteres gewählt, wobei Àlex Sánchez auf öfteres, doch gemächliches Umpumpen setzt, um eine möglichst sanfte Extraktion zu erreichen. „Unser Ziel ist weder Kraft noch Frucht, sondern vielmehr höchstmögliche Eleganz“, so der Betriebsführer im Originalton. Folgerichtig wird auch der gesamte Presswein im Gebinde verkauft. Im Übrigen werden alle Crus auf die gleiche Weise ausgebaut und verbleiben stets zweieinhalb bis drei Jahre in großen Fässern mit einem Fassungsvermögen von 30 bis 40 Hektolitern. Die Wahl des Toastings vergleicht Àlex Sánchez mit jener des T-Shirts, denn auch hier ist XS, also die kleinste zur Verfügung stehende Einheit, gefragt. Nach einem Jahr in der Flasche kommen die Weine dann in den Verkauf. Angebaut werden Dolcetto, Barbera und vor allem Nebbiolo, wobei großes Augenmerk auf die Lagenunterschiede gelegt wird.

So werden in Castiglione Falletto die bekannten Rieden Rocche di Castiglione (1986 gepflanzt), Villero (1981 gepflanzt) und Garblèt Sué (45 Jahre alt) betreut, während in Serralunga die acht Hektar umfassende Monopollage Brea und Gianetto zur Verfügung stehen. Das größte Renommée genießt zweifellos die bereits 1955 ausgesetzte Spitzenlage Brea, die zur Gänze Brovia zur Verfügung steht und von der ihr Spitzen-Barolo Brea vigna Ca’Mia stammt, der auch für die beiden Vinaria-Spitzenplatzierungen verantwortlich war.

Aus diesem Weinberg stammt auch der seit 1985 ganze elf Mal erzeugte Dolcetto der Sonderklasse namens Solatio, der zuletzt leider 2009 erzeugt worden ist und als Statement dafür gelten kann, was aus Dolcetto in bester Lage und mit größter Sorgfalt tatsächlich möglich ist. Von den verkosteten Weinen waren der 2010er Rocche di Castiglione und der 2004er Garblèt Sué kaum zu beurteilen, was wohl auf eine nicht optimale Flaschenverfassung zurückzuführen ist. Von den diversen Crus überzeugten der von einem sandigen, leichteren Boden stammende Rocche di Castiglione, der laut Brovia am stärksten jahrgangsabhängig ist, und die nach Südwesten exponierte, noch bekanntere Lage Villero ebenso wie selbstverständlich der Primus inter Pares Brea, der vermutlich auch das größte Lagerpotenzial besitzt.
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