Die besten Premium- Rotweine Österreichs

Die besten Premium- Rotweine Österreichs

Die besten Premium-Rotweine Österreichs 2015

 
Die größte Verkostung österreichischer Premiumrotweine war von der grundsätzlich starken Performance des Jahrgangs 2015 geprägt. Das Feld der Reserveweine war durch die Jahrgänge 2014 und 2013 qualitativ wie quantitativ limitiert.  

Von Anfang an haben hohe Reife, gesundes Traubenmaterial und die guten Erträge des Jahrgangs 2015 für Zufriedenheit unter der österreichischen Winzerschaft gesorgt. Zudem kamen die vollreifen 2015er nach zum Teil mengenmäßig geringen Ernten und dem enden wollenden Niveau der Jahrgänge 2013 und 2014 gerade zur rechten Zeit.
 
Haben sich diese hohen Erwartungen nach der Verkostung der Premiumrotweine bestätigt? Ja und nein: Zum einen war das Niveau der allerbesten Gewächse, sagen wir, der besten 60 bis 70, die durchwegs Punktewertungen über 16,5 aufwiesen, wirklich untadelig. Dabei handelt es sich um Weine, die über genügend Körper, reife Tannine und auch jene Balance verfügen, die sie für die längere Lagerung prädestinieren.
 
Zum anderen gab es im breiten Mittelfeld und im unteren Bereich doch recht viele Weine, die gewisse Schwächen aufwiesen. Einerseits die relativ hohen Erträge und andererseits die extreme Hitze und Trockenheit des Jahrgangs 2015, unter der vor allem relativ junge Rebanlagen gelitten haben.
 
Was waren die anderen Wermutstropfen im österreichischen Rotweinglas? Manchmal eine gewisse Überextraktion im Verein mit hohen Alkoholwerten, welche die Weine seltsam klobig und einseitig erscheinen ließ; auch unsensibel starker Fassbrand, der dazu geführt hat, dass Mokka- und Rauchtöne alle anderen Bukett- und Geschmacksattribute überlagert haben, war zuweilen noch anzutreffen.
 

Viele Stilrichtungen und ein Ziel - Präferenzen bezüglich einzelner Weinbaugebiete oder Rebsorten waren in einem derart ausgeglichenen Jahr wie 2015 eigentlich nicht zu bemerken. Auch Cabernet, Merlot und Syrah haben die nötige Reife mehr oder weniger spielend erreicht und für feine Trinkerlebnisse gesorgt. Herausragend waren in dieser Kategorie beispielsweise der Merlot Privat des Weingutes Schwertführer 47 sowie der ausschließlich aus Merlot gekelterte Schützner Stein des Weingutes Prieler, der Cabernet Sauvignon des Weingutes Am See, und zwar aus dem gar nicht so einfachen Jahrgang 2013, und die Bordeaux-Blends der Weingüter Trapl, Bründlmayer und Gesellmann.
 
Von den verschiedenen Zweigelt-Interpretationen konnten insbesondere der altbewährte und überaus lagerfähige Zweigelt Schüttenberg von Philipp Grassl, der Steinäcker des Weingutes Artner und als dritter Carnuntiner im Bunde der Kirchweingarten von Gerhard Markowitsch überzeugen und jene Qualitäten ins Glas bringen, die dieses Segment vor allem auch im Export sehr beliebt macht. Auffallend war auch die Dominanz von Zweigelt und Merlot für die preisgünstigeren Weine.
 
Eine Kategorisierung der einzelnen Cuvée-Typen fällt naturgemäß schwer, weil sie aufgrund der unterschiedlichen Zusammensetzung doch in sehr viele Stilrichtungen gegangen sind. Ganz an der Spitze stand ein in jeder Hinsicht großartiger Tropfen in Gestalt des 2015er Comondor von John Nittnaus, der zu 85 Prozent aus Merlot und zu 15 Prozent aus Blaufränkisch komponiert war, wobei mehr als fünf verschiedene Lagen im Spiel waren. Schliff, Dichte und Fruchtexpression lassen dieses Meisterwerk auf einer Linie mit hochwertigem Pomerol erscheinen. Ausdruckskraft und Präzision dieser Kreszenz lassen sie auch für die jahrzehntelange Lagerung prä-destiniert erscheinen.
 
In ganz anderer Zusammensetzung glänzte der XUR von Werner Achs, der diesmal so gut wie noch nie gelungen ist und auf die einheimischen Rebsorten Blaufränkisch, Zweigelt und St. Laurent zurückgreift. Auf die bewährte Mischung zwischen Bordeaux-Rebsorten und Zweigelt setzt hingegen Philipp Grassl mit seinem Bärenreiser, der wieder einmal punkto Fruchtreichtum und Harmonie eine Klasse für sich war und ebenfalls erst ganz am Beginn der Entwicklung steht.
 
In eine völlig andere, aber ebenso feine und lohnenswerte Richtung geht der Paradigma von Claus Preisinger, womit wir schon bei der Gruppe der sehr reduktiven Rotweine wären. Vom anderen Trend oder, sagen wir, von der Modeerscheinung, die besonders harte, asketische Weine mit höchstens mittlerer Reife und zurückhaltender Frucht favorisiert, war bei unserer Verkostung eigentlich wenig zu merken. Im Falle der zunächst sehr reduktiv anmutenden Weine, zu denen fraglos der genannte feinstrahlige Paradigma, aber vor allem auch der Kalkofen-Blaufränkische von Franz Weninger und der Spitzerberg des Weingutes Muhr-van der Niepoort zählen, sei angemerkt, dass man mit ihnen einfach Geduld haben sollte. Das bedeutet ausgiebiges Belüften oder Dekantieren oder einfach noch ein paar Jährchen zuwarten.
 

Dominante Blaufränkische - Die vorgenannten Weine ermöglichen auch den perfekten Übergang zur österreichischen Paraderebsorte, die wie bereits in den Vorjahren die Verkostung eindeutig dominiert hat. Dabei waren die Stilistiken so unterschiedlich wie kaum jemals zuvor. Auf der einen Seite waren sehr mächtige, extraktreiche Weine voll Saft und Kraft anzutreffen, von denen sich der Dürrau von Paul Kerschbaum und der CALX von Alexander Leberl als wahre Meisterwerke ihrer Art vorgestellt haben. Während der CALX mit ungestümer Fruchtfülle und sattem Schmelz brillierte, hat der Dürrau Unmengen an Fruchtsüße und hohe Eleganz ins Glas gezaubert.
 
Unmittelbar danach positionierten sich die durchaus unterschiedlich gearteten Blaufränkischen von Franz Weninger: Während nämlich der Dürrau mit rotbeerigem Fruchtspiel und nahezu ebenso reichem Körper wie die beiden Vorgenannten überzeugte, benötigte der Kalkofen viel Belüftung, um die Reduktionstöne abzuschütteln, bevor er dann mit Bodenstämmigkeit, Nuancenreichtum und unnachahmlichem Trinkfluss überzeugt hat.
 
Einer Einordnung in eine dieser Kategorien widersetzt sich hingegen jener Wein, der alles überstrahlt hat, nämlich der Blaufränkische Lutzmannsburg v.v. aus altem Rebbestand.  Individualität, Finesse und das nicht enden wollende Feuerwerk von Facetten verschiedener Fruchteindrücke haben dazu geführt, dass dieser Wein von acht Juroren einstimmig auf den ersten Platz gesetzt wurde, was kaum jemals zuvor vorgekommen ist. Uwe Schiefer, der für diesen Solitär verantwortlich ist, hat auch mit dem „late release“ eines 2012er Reihburg r2 für Furore gesorgt, der mit seinem sehnig-muskulösen Gefüge an so manchen Piemonteser der Spitzenklasse erinnert hat.
 

Apropos Korkqualität - Nachdem wir in den vergangenen Jahren eine leichte Besserung zu konstatieren glaubten, ist diese für den 2015er so miserabel wie eh und je ausgefallen. Auch zahlreiche Weine prominenter Produzenten waren von TCA & Co. betroffen, sodass vielfach auf eine zweite und dritte Flasche zurückgegriffen werden musste. Auch das half freilich nicht in allen Fällen, weil eine schlechte Korkcharge ja nahezu immer mehrere Flaschen des gleichen Weines beeinträchtigt.
 

Fortschritte beim Burgunder - In der Gruppe der Burgundersorten gab es für die Vinaria-Verkoster eine erfreuliche Tendenz: Hatten wir in den vergangenen Jahren bei der Sorte St. Laurent bereits mehrfach die dank zunehmender Erfahrung und Stilsicherheit den mittlerweile sehr guten Qualitätslevel wie auch Konstanz und Kontinuität gelobt, so war dieses Level für uns beim Pinot Noir noch nicht erreicht.
 
Ähnlich erfreulich waren die Ergebnisse beim St. Laurent, wo die Familie Gisperg aus Teesdorf mit der herausragenden 2015er-Reserve für Furore sorgte. Deutlich vom St. Laurent geprägt war auch die mit gleicher Punktzahl bewertete Laurent-Pinot-Cuvée St. Georg vom Golser Weingut Juris. Auch hier folgten Klassiker von den Spezialisten Stift Klosterneuburg, Reinisch, Grassl, Pittnauer & Co.
 

Wie gut ist der Jahrgang - 2015 muss zweifellos als sehr guter bis ausgezeichneter Rotweinjahrgang bezeichnet werden, was vor allem für die allerbesten Produzenten und Lagen gilt. Diese Weine sollten auch gefahrlos zehn Jahre und zuweilen wesentlich länger gelagert werden können. Insgesamt dürfte der Jahrgang 2015 allerdings nicht die Qualität von 2011 erreichen und wohl auch nicht ganz das Niveau von 2009 oder 2006, wenn auch seit diesen Jahren das Know-how der führenden österreichischen Erzeuger sprunghaft angestiegen ist. Vergleiche mit dem Jahr 2012 sind aber durchaus statthaft.
 

Toplist Premium Rotwein Cuvées 2015 (Auszug)

18,4  J. & A. Nittnaus | Comondor (ME/ZW)
17,9  Werner Achs | XUR (BF/ZW/SL)
17,8  Philipp Grassl | Ried Bärnreiser Höflein (ZW/ME/BF/CS)
17,8  Weingut Juris – Axel Stiegelmar | 2015 St. Georg Reserve BG
17,7  Gerhard Markowitsch | Rosenberg
17,6  Paul Kerschbaum | Cuvée Impresario
17,6  Claus Preisinger | Paradigma (BF/ME)
17,5  Aumann | Harterberg (CS/ME/ZW)
17,3  47er – Schwertführer | Privat (ME/ZW)
17,3  Heinrich | terra O. (BF/CS/ME/SY)
17,3  Trapl | Tillhofen (CS/ME)
17,0  Bründlmayer | CF & ME Willi & Vincent
17,0  Esterházy | Tesoro (BF/ME)
 

Toplist Rotwein Reserven (Auszug)

17,8  Uwe Schiefer | 2012 BF Reihburg r2
17,4  In Signo Leonis | 2014 In Signo Leonis (BF/ZW/CS)
17,4  Gesellmann | 2013 „G“ (BF/SL)
17,2  Am See | 2013 CS Alter Satz
17,1  In Signo Leonis | 2014 In Signo Sagittarii BF
17,1  Kollwentz | 2013 Steinzeiler
17,0  Dopler | 2012 Daniel CS
 

Toplist Rotwein reinsortig 2015 (außgenommen Blaufränkisch; Auszug)

17,8  Weingut Johann Gisperg | 2015 SL Reserve TH
17,7  Weingut Familie Auer | 2015 PN Reserve TH
17,5  Philipp Grassl | Schüttenberg ZW
17,3  Artner | Steinäcker Reserve ZW
17,3  Weingut Bründlmayer | 2015 PN Reserve NÖ
17,3  Weingut Stift Klosterneuburg | 2015 SL Reserve Tattendorf TH
17,1  F. & E. Lentsch | Markus CF
17,0  Gerhard Markowitsch | 2015 PN Ried Scheibner CA
17,0  Johanneshof Reinisch | 2015 SL Frauenfeld TH
16,9  Michael Auer | Ried Bühl ZW
16,9  Michael Auer | Ried Kirchthal SY
16,9  Weingut Am Berg – Ludwig Gruber | 2015 PN Ried Loiserberg Reserve NÖ
16,9  Prieler | Schützner Stein ME
16,9  Johanneshof Reinisch | 2015 PN Grillenhügel TH
 

Toplist Blaufränkisch 2015 (Auszug)

18,5  Uwe Schiefer | Lutzmannsburg „v.v.“
18,1  Paul Kerschbaum | Dürrau
18,0  Leberl | CALX G.
17,9  Weninger | Dürrau
17,8  Ernst Triebaumer | Mariental
17,8  Weninger | Kalkofen
17,7  Krutzler | Perwolff
17,3  Hans Igler | Biiri MB-R
17,3  Juliana Wieder | Bodigraben MB-R
17,2  Paul Achs | Spiegel
17,2  Muhr-van der Nierpoort | Spitzerberg
17,1  Paul Achs | Ungerberg
17,0  S. Heinrich | Goldberg Reserve
17,0  Ernst Triebaumer | Oberer Wald
17,0  Niki Windisch | Leithen
 

Best Buy Rotweine reinsortig bis € 15,00 (Auszug)

16,6  Mandl-Brunner | 2015 BF EB-R € 15,–
16,5  Wein & Schnaps Mariell | 2015 Blauburgunder BG € 9,50
16,4  Weinbau Weber | 2015 Centauros BF € 13,–
16,2  Domaine Pöttelsdorf | 2015 Amore BF Rosalia Reserve € 14,90
16,1  Schwarzböck | 2015 ZW Reserve Stammersdorfer Ried Proschen € 13,–
16,1  Fam. Weber | 2015 BF Reserve MB € 13,–
16,0  Wallner | 2015 BF EB-R € 12,–
15,9  Schneider | 2015 ZW Reserve € 12,–
15,8  Deutsch | 2015 ZW Reserve € 12,–
15,8  Weingut Johann Gisperg | 2015 SL Exklusiv TH € 9,70
15,8  Jalits | 2015 BF Diabas EB-R € 14,–
15,7  Weingut Familie Auer | 2015 SL Reserve TH € 21,20
15,7  Mayer am Pfarrplatz | 2015 PN WI € 13,50
 
 

Best Buy Rotwein Cuvée bis € 15,00 (Auszug)

17,0  Dopler | 2012 Daniel CS € 14,90
16,4  Mandl-Brunner | 2015 Majestas Maxima (CS/ME/PN) € 13,–
16,4  Mandl-Brunner | 2015 Majestas ME € 12,–
16,3  Familie Auer | 2015 Pino Laurent Premium TH € 12,20
16,3  Schöfmann | 2015 ME Reserve € 14,–
16,2  47er Schwertführer | 2015 ME Top Edition € 13,20
16,2  Malteser Ritterorden | 2015 Merlot € 15,–
16,0  Eminger | 2012 CS Reserve Ried Obersulzer Baumleiten € 13,–
16,0  Wein und Schnaps Mariell | 2015 Rosengarten (SL/PN) BG € 11,50
16,0  Pröll | 2015 Antonia (CS/ME) € 14,–
16,0  Schneider | 2015 Cuvée Noir € 12,–
15,9  Schwarzböck | 2015 Grande Reserve Enzersfelder Ried Fürstenberg € 15,–
15,8  Dopler | 2015 Merlot € 14,–
15,8  Fam. Weber | 2015 Villa Nomine Lusman (BF/ZW/CS/ME) € 14,50
 
 
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