Hey, Winemaker, was verdienst du eigentlich?

Hey, Winemaker, was verdienst du eigentlich?

Hey, Winemaker, was verdienst du eigentlich?


An und für sich mag ich es ja sehr, die Essays für das Master of Wine-Studium zu schreiben. Es gibt so viele gute Bücher über Weinbau und Kellerwirtschaft. Bei jedem Weinguts-Besuch kann man alles Mögliche erfahren. Als Student ist man in der Lage, sich ein ordentliches Repertoir an Beispielen und Gegenbeispielen anzulegen.

Manche Fragen bringen mich aber zur Verzweiflung. Beispielsweise: “Who is making money in the wine industry and why? Discuss in detail three specific examples of profitable wine businesses from different parts of the wine industry supply chain.“ Natürlich macht es absolut Sinn, in einem Studium mit Schwerpunkt Weinwirtschaft, über die Profitabilität von Traubenlieferanten, Weinbauern und Händlern Bescheid zu wissen.

Trotzdem fühle ich mich nicht in der Lage, mein Handy zu zücken, einen Winzer anzurufen und zu fragen: „Hey, was verdienst du eigentlich mit deiner Blaufränkisch Reserve? Schick mir mal deine Belege durch.“ Die Internetrecherche fällt ebenfalls mager aus. Zahlen findet man bestenfalls von den großen internationalen Konzernen.

Über die Finanzen von Produzenten lässt sich kaum etwas herausfinden. Und selbst wenn dann doch einmal jemand über seine Produktionskosten und Gewinnspannen redet, ob das wirklich alles der Realität entspricht bleibt fraglich.

Ich kann diese Scheu über Gewinne zu sprechen durchaus nachvollziehen. Es gibt viele Menschen, die nicht verstehen, warum die eine Flasche Grüner Veltliner 5 Euro und die andere 50 Euro kostet. Und da ist noch lange nicht die Rede von den Top-Gewächsen aus Bordeaux oder der Burgund, bei denen die Flaschenpreise im vierstelligen Bereich liegen.

Wein unterliegt dem subjektiven Empfinden und ist teilweise recht emotionsbehaftet. Raritäten können zu oft utopischen Preisen an den Mann und an die Frau gebracht werden. Andererseits lernt heute jeder in der Mittelstufe, dass es Angebot und Nachfrage sind, die den Preis bestimmen.

Als Sommelière muss ich mich mit Aufschlägen und Margen auseinandersetzen. In Zeiten, in denen jeder Gast mit einem Blick aufs Smartphone den Einkaufspreis der auf der Weinkarte angebotenen Flasche aufrufen kann, ist es umso wichtiger, fair und transparent zu kalkulieren. Niemand muss mit einer einzigen verkauften Flasche reich werden, aber es ist natürlich wichtig, genug zu verlangen, um das Bestehen des Unternehmens zu sichern. Nach diesem Grundsatz handelnd, sehe ich kein Problem, über Preisgestaltungen Auskunft zu geben.

Wahrscheinlich war ich bis dato einfach zu schüchtern, vehement genug nachzuforschen. Mein Studium zwingt mich auf jeden Fall, der Sache mit den Profiten noch auf den Grund zu gehen.


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