Kremser Pfaffenberg: Vertikale 2015–1958

Kremser Pfaffenberg: Vertikale 2015–1958

Kremser Pfaffenberg-Vertikale 2015–1958


Neue Perspektiven eröffnen sich für die geschichtsträchtige Ried Pfaffenberg in Krems an der Donau, direkt an der Grenze zur Wachau. Ihr Lagenpotenzial entdecken immer mehr Winzer und eine neue Riedenverordnung lässt auf neue Impulse hoffen. Vinaria widmet dem Pfaffenberg ein umfassendes Riedenporträt und geht der Frage nach: Wie schmeckt Pfaffenberg eigentlich?

Pfaffenberg ist ein beliebter und häufiger Riedname in Österreich und Deutschland, der früher sehr oft Auskunft über den Besitz der Kirche gab. Der bekannteste ist die Ried in Krems-Stein, die sich über zwei Weinbaugebiete erstreckt und im kollektiven Weinbewusstsein noch viel zu wenig verankert ist: Erstaunlich, erfüllt sie doch in klimatischer wie geologischer Hinsicht alle Voraussetzungen für tolle Weine. Und spricht man mit Topwinzern vor Ort, so fällt ihr Name in einem Atemzug mit Achleiten, Kellerberg, Loibenberg, Kögl oder Wachtberg.

Der Dornröschenschlaf hat viele Ursachen: eine davon ist, dass der Pfaffenberg wie kaum eine andere Riede in Österreich von einer vielschichtigen Historie geprägt ist. Ursprünglich ist der Name Pfaffenberg im Ortsteil Stein seit 1230 urkundlich geläufig und genießt seitdem hohe Wertschätzung. Die Kirche (Bistum Passau) und Klöster (Tegernsee, Göttweig, Osterhofen etc.) blieben über die Jahrhunderte Mehrheitseigentümer dieses Kleinods, sodass sich die volkstümliche Bezeichnung „der Pfaffen (Wein)berg“ durchsetzte.


Eine Riede über zwei Weinbaugebiete - Erwähnt sei, dass ursprünglich das Wort Pfaffe gleichbedeutend mit Priester war und die abfällige Bedeutung erst seit der Reformationszeit gebräuchlich wurde. Ebenso war die untere Wachau im Bereich Loiben über Jahrhunderte (bis zur josephinischen Säkularisation) geprägt durch die mehrheitlich kirchlichen Besitzverhältnisse wie das salzburgische Erzbistum und das bayrische Kloster Tegernsee und nicht zu vergessen die wenigen landesfürstlichen und bürgerlichen Besitzungen. Dieser wirtschaftshistorische Kontext macht es verständlich, dass der Pfaffenberg zwar vollständig auf dem Gemeindegebiet Krems, genauer: in der Katastralgemeinde Stein liegt, zugleich aber auf zwei Weinbaugebiete aufgeteilt ist, nämlich die Wachau mit dem Weiler Rothenhof/Gemeinde Unterloiben und der viel größere Part im Kremstal (Stein-Krems).


Topografie und Riedendefinition - Erst vom rechten Donauufer in Mautern öffnet sich im Auge des Betrachters die circa 15 Hektar große Lage in voller Pracht mit ihren steilen Terrassenanlagen bis zum Steilabbruch („Klarwand“) zur Donau. Die Topografie der Ried Pfaffenberg ist eindeutig festgelegt: begrenzt im Süden durch die Donau, im Osten vom Förthofgraben und auf Wachauer Seite durch den Rothenhofgraben.

Weinpolitische Beschlüsse zur Riedendefinition haben dem Pfaffenberg mehr geschadet als genutzt: Im Jahr 1974 wurde die Kernlage in Stein-Krems zur 185 Hektar großen „Flur Pfaffenberg“ zugeordnet, die wiederum Teil der Großlage Kremstal wurde. In die Flur Pfaffenberg sind die weiteren Rieden Kreuzberg, Kögl, Wachtberg, Wieden eingegliedert, die aber alle differierende Bodenvarianten und Klimabedingungen aufweisen. Die Bezeichnung Pfaffenberg am Etikett ließ – mit wenigen lagenreinen Bouteillenfüllungen – wenig Rückschlüsse auf die Herkunft des Inhaltes zu, meist verbarg sich hinter dem „Kremser Pfaffenberg“ die „Flur“.

Die bedeutendsten Pfaffenberg-Winzer aus Krems und Loiben haben nun alle Anstrengungen unternommen, um eine Änderung der Herkunftsbezeichnung in der Riedenverordnung zu erwirken. Die Großriedenbezeichnung „Flur“ für den Pfaffenberg ist ab nun gesetzlich untersagt, sodass seine topgraphische Ausdehnung nun als Einzellage (Katastralgemeinde Stein/Krems) begrenzt sein wird.


Facettenreiche Geologie - Der kompakt-halbkegelförmige und steil-terrassierte Pfaffenberg weist im Wesentlichen mit Gneis durchsetzte Verwitterungsböden auf. Die Bodenzusammensetzungen variieren auf engstem Raum und sind durch unterschiedliche Bodenprofile gekennzeichnet. In westlichen, zur Wachau disponierten Lagen ist mehrheitlich Gföhler Gneis anzutreffen, der östliche Teil in Stein zeichnet sich durch stärkere Amphibolit-Einschlüsse aus. Spezifisch haben sich in den östlichen Flanken Lössablagerungen (sog. Lösspakete) aus der Eiszeit (Pleistozän) angesammelt, die man im Westteil nicht findet. Dieser Bereich verfügt auch über die kargeren Böden, was nicht unwesentlich für das Geschmacksbild der Weine beiträgt.


Pannonisch heiß und windig - Am Pfaffenberg treffen jene zwei unterschiedlichen Klimaeinflüsse im Wechselspiel aufeinander, die das Donautal in diesem Abschnitt kennzeichnen: das westlich-ozeanische mit dem kontinental-pannonischen Klima im Osten. Das bedeutet, dass die trockenen, warmen Luftmassen und die nächtlich feuchten Strömungen aufeinandertreffen. Entsprechend seiner spezifischen Exposition ist der Pfaffenberg viel stärker dem Osteinfluss mit intensiverem Wind ausgesetzt, was erhöhte Trockenheit für die Vegetation bedeutet.


Wie schmeckt Pfaffenberg? - Beginnen wir mit dem Grünen Veltliner, der 20% Flächenanteil hat und vor allem auf den tiefgründigen Böden im Mittelbereich anzutreffen ist. Nur wenige Weingüter wie Pichler-Krutzler und Tegernseerhof in Loiben, Rainer Wess und Hörth in Krems/Rohrendorf bewirtschaften dort diese Sorte. Auffallend zeigte sich in der Verkostung eine sehr uneinheitliche Stilistik mit wenig ausgeprägter Terroirspezifik, noch dazu fiel das geringe Reifepotenzial der Veltliner auf – die bis zum Jahrgang 2003 zurückreichten. Hinsichtlich präziser Struktur, Klarheit und Balance ist grosso modo bei den Pfaffenberg-Veltlinern noch viel Luft nach oben. Die erfreulichsten Vertreter kamen von Sortensieger Rainer Wess sowie vom Weingut Hörth und Tegernseerhof.

Ganz anders präsentierten sich die Pfaffenberg-Rieslinge (80% Flächenanteil), von denen die besten Vertreter in puncto Vielschichtigkeit, Finesse und Langlebigkeit voll überzeugen konnten. Emmerich Knoll ist der Doyen für Pfaffenberg-Rieslinge, mit jahrzehntelanger Erfahrung und Wissen, was die jeweilige Lagenspezifität ausmacht. Geschmacklich, so Emmerich Knoll, „stellt sich der Pfaffenberg deutlich eigenständig dar, der erst mit längerer Lagerung (8 bis 10 Jahre) voll seine Stärken ausspielt“.

Er konstatiert dem Pfaffenberg dieselbe Wertigkeit wie dem Loibenberg – beide sind ja bekanntlich im Portefeuille des Weinguts bestens vertreten – aber: Auch wenn „die Böden der beiden Rieden sich kaum unterscheiden, so hat der Pfaffenberg nie so primärfruchtige und intensive Steinobstkomponenten wie der Loibenberg“. 1,5 Hektar bewirtschaftet die Familie Knoll, der mittelgewichtige „Kabinett“ kommt von den oberen „trockeneren, östlich gelegenen Parzellen“, die „Selection“ liegt vorrangig im tiefgründigeren Mittelbereich, reift früher und erbringt die gewünschten höheren Mostgewichte.

Erich Krutzler vom gleichnamigen Weingut Pichler-Krutzler in Oberloiben hat sich voll der Entdeckung der Lagenqualitäten am Pfaffenberg verschrieben und bewirtschaftet inzwischen 1,5 Hektar, vor allem Riesling. Entsprechend dem Knoll’schen Vorbild führt er die zwei Varianten von „Klassik“ und eine kräftigere Premiumlinie „Alte Reben“ mit späterer Lese und mehrmonatiger Feinhefestandzeit. Erich Krutzler beeindrucken die Pfaffenberg-Weine durch die „unaufdringlich klare Stilistik und distinguierte Frucht, die in der Jugend ruhig fließen“ und die ganz seiner Ausbauphilosophie von klar und präzis strukturierten Weinen entgegenkommt.


Botrytis am Pfaffenberg – obwohl trocken und windig – ist ein Thema und zeigt, wie vielschichtig das Mikroklima dort ist: Sie bildet sich unterschiedlich stark (besonders 1995 und 1998), vor allem in den kühleren Seitengräben in Kombination mit der Feuchtigkeit der Donau, aus. Bertold Salomon vom Weingut Salomon – Undhof in Krems verweist auf dieselben Erfahrungswerte für seine seit 2006 ausgebauten, straff-klarfruchtigen Rieslinge „Kremstal DAC Reserve“, die er absolut Botrytis-frei halten möchte. Das Weingut Salomon – Undhof kann auf eine bis in die 1970er-Jahre zurückreichende Ausbautradition am Pfaffenberg zurückblicken und besitzt beste Parzellen mit altem Rieslingbestand.


Nobler Riesling - Die Siegerweine überraschten nicht: Die Highlights stammten von den sehr guten bis ausgezeichneten Jahrgängen 2015, 2013, 2007 und 2006 und von den angesehensten Weinbaubetrieben Knoll, Pichler-Krutzler, Salomon – Undhof und Tegernseerhof, die sich unisono mit viel Engagement und Weitsicht für das Lagenpotenzial des Pfaffenbergs stark machen. Die gemeinsamen Merkmale der top gelisteten Rieslinge waren puristische Fruchtausprägung, feinziseliert-saftige Struktur, Vielschichtigkeit und Tiefgang.

Bei den Altweinen war nicht zu erwarten, dass jeder Wein bezaubert, aber es überraschte dann doch, dass jene aus den 1970er- und 80er-Jahren nicht an die Qualitäten der Jungweine heranreichten und auch in puncto Langlebigkeit nicht die Erwartungen erfüllten. Ein Riesling-Methusalem aus dem Jahr 1958 überstrahlte aber alle Altweine: der Kremser Pfaffenberg Kabinett der Winzer Krems, komponiert aus der „Flur“ Pfaffenberg.

Toplist Vertikale Pfaffenberg Riesling

18,5 Weingut Knoll | 2007 Pfaffenberg Selection
18,2 Pichler-Krutzler | 2013 Steiner Pfaffenberg Alte Reben
18,0 Weingut Knoll | 2006 Pfaffenberg Selection
17,5 Weingut Salomon – Undhof | 2015 Pfaffenberg KR-R, 1ÖTW
17,4 Pichler-Krutzler | 2013 Steiner Pfaffenberg
16,9 Pichler-Krutzler | 2015 Steiner Pfaffenberg
16,8 Weingut Salomon – Undhof | 1995 Steiner Pfaffenberg Heiliggeist Auslese
16,7 Weingut Tegernseerhof | 2015 Steiner Pfaffenberg
16,7 Weingut Winzer Krems | 2007 Kremser Pfaffenberg
16,6 Weingut Tegernseerhof | 2009 Steiner Pfaffenberg
16,5 Weingut Winzer Krems | 1958 Kremser Pfaffenberg Kabinett
16,5 Weingut Tegernseerhof | 2010 Steiner Pfaffenberg


Toplist Vertikale Pfaffenberg Grüner Veltliner

16,4 Rainer Wess | 2010 Steiner Pfaffenberg KR-R, 1ÖTW
15,7 Rainer Wess | 2012 Steiner Pfaffenberg KR-R, 1ÖTW
15,4 Weingut Tegernseerhof | 2013 Steiner Pfaffenberg
15,4 Weingut Hörth | 2015 Steiner Pfaffenberg KR-R, 1ÖTW


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