Was trinken wir im Super- markt, Herr Schmid?

Was trinken wir im Super- markt, Herr Schmid?

Was trinken wir im Supermarkt, Herr Schmid?

Herbert Schmid ist den Gourmets im ganzen Land als Wein- und Käsesommelier bekannt. Seine Karriere startete im Steirereck, jetzt leitet er die wohl beste Weinbar des Landes im Merkur-Flagshipstore Hoher Markt im Herzen Wiens.


Vinaria: Bekannt geworden sind Sie als Käsesommelier im Steirereck. Wann kam der Sprung vom Käse zum Wein?

Herbert Schmid: Käse und Wein gehören einfach zusammen, beiden gilt meine Liebe. Ich war immer ein Freak, Sammler und Genießer. Auch hier in unserer super Weinbar im Merkur am Hohen Markt ist der Käsewagen immer dabei.



Was haben Sie eigentlich gelernt?

Koch und Kellner mit Begeisterung. Ich stamme ja aus einer Wirtsfamilie im Waldviertel, aus Kirchberg am Walde. Meine Mama wollte immer, dass ich Zuckerbäcker lerne, weil meine älteren Brüder schon Koch und Kellner waren (Anmerkung: Bruder Adi ist der legendäre Sommelier im Steirereck in Wien).



Nach 25 Jahren im Steirereck hat Ihr Abschied damals die Szene überrascht.

Ja, das kann man sagen. Aber ich wollte einmal etwas anderes machen, eine neue Herausforderung, die Gesamtverantwortung für ein Lokal.



Das Gasthaus Eisvogel war das, im 2. Bezirk in Wien beim Riesenrad?

Exakt. Es hat auch Riesenspaß gemacht mit einem tollen Team. Wir haben im ersten Jahr eine Haube erhalten, im nächsten dann gleich die zweite.



Über weitere Jobs als Leiter renommierter Restaurants sind Sie im Vorjahr bei Merkur am Hohen Markt, dem Flagshipstore des größten heimischen Handelskonzerns Rewe, gelandet. Ein ganz anderes Geschäft, oder?

Wieder eine ganz neue Herausforderung, und was für eine! Es ist ein schönes Gefühl, das Herzstück dieses Hauses zu leiten und in einem tollen Umfeld dieses weltstädtische Lokal- und Shopkonzept umsetzen zu können. Wir haben einen guten Lauf und ein super Team mit meinen Kollegen Christian Kaufmann und Rudi Ferenzcy und mit unserem Marktleiter Leo Krastev.



Aber ist es nicht etwas ganz anderes, in einem Konzern zu arbeiten als in einem Familienbetrieb?

Na klar. Aber wir haben hier alle Möglichkeiten, um erfolgreich zu sein. Und Chefeinkäufer Gerhard Hammer ist ein ausgewiesener Weinexperte, der uns ein Riesensortiment von gut 1.200 Positionen ermöglicht. Dazu viele Raritäten, 25 wechselnde Positionen glasweise und das beste Bordeaux-Angebot der Stadt mit etwa 200 Weinen bis zurück zum Jahrgang 1975.



Die kann ich auch im Shop kaufen und bei Ihnen an der Bar genießen?

Selbstverständlich! Um ganze sieben Euro Servicepauschale öffnen wir unseren Gästen jeden Wein an der Bar. Klingt unglaublich, ist aber so. Und umgekehrt: Alles, was Sie bei uns trinken, können Sie auch zum Mitnehmen kaufen.



Stichwort „drink at home“: Die Gastronomie beklagt, dass immer mehr Alkoholisches zu Hause, immer weniger in den Lokalen getrunken wird.

Das ist ein Trend, ja. Kommt uns sehr zugute. Andere Gründe sind sicher die Kosten, die strengen Verkehrskontrollen und das „Cocooning“, das Sich-Wohlfühlen zu Hause. Wir haben in diesem Geschäft natürlich sehr viele Gourmets und Weinfreaks als Kunden. Die fühlen sich bei mir in der Bar rasch wohl.



Was trinken die Gäste in der Merkur-Weinbar?

Das ist wenig überraschend vorwiegend Weißwein, etwa zwei Drittel. Und der kommt zu 70 Prozent aus Österreich. Der Grüne Veltliner ist auch bei uns der Renner. Natürlich hat in Wien der Gemischte Satz sein Publikum, der mittlerweile auch tolle Qualitäten in die Flaschen bringt.



Die Gäste trinken ihr Glaserl im Vorbeigehen?

Nein, gar nicht. Sicher ist es in unserer Bar legerer als im Haubenrestaurant und die Verweildauer untertags kürzer, aber am Abend bleiben die Gäste zwei bis drei Stunden. Viele Gruppen und Runden treffen sich bei uns, stellen ihre eigenen Verkostungen aus dem Shop zusammen und genießen einen schönen Abend. Wir haben zum Beispiel einen richtigen Stammtisch junger Weinakademikerinnen.



Kommen viele Damen als Gäste?

Auf jeden Fall, sie trinken zwar anders als die Männer, haben aber großes Interesse und kennen sich gut aus. Damen genießen eher glasweise und kosten durch, was sie mit nach Hause nehmen. Die Herren greifen lieber gleich nach ganzen Flaschen und setzen sich im Freundeskreis zusammen.



Und dazu wird der bestens gereifte Käse genossen?

Nicht nur, wir haben eine Speisekarte, die die Küche der Merkur-Feinkostabteilung „bespielt“, das wird sehr gerne angenommen.



Wohin geht der Trend, was trinken wir morgen?

Selektiver, aufgeschlossener, besser informiert, vielleicht auch wählerischer und preisbewusster. Unser Konzept passt da punktgenau. Auch teurere und rarere Weine gegen einen fixen Aufpreis zum Shoppreis in einem netten, entspannten Lokal genießen.


Österreich hat so große Süßweine, kaum jemand trinkt diese. Warum?

Süßwein wird auch bei uns maximal zum Dessert oder als Abschluss eines Besuches getrunken. Das wird kein Massenprodukt werden.



Warum scheuen sich nach wie vor viele namhafte Winzer, mit ihren Weinen in den Lebensmittelhandel zu gehen?

Das wird immer ein Rätsel bleiben und ist rational nicht zu erklären. Aber die Zahl der „Verweigerer“ sinkt stetig. Ich verstehe, dass ein Winzer mit seinen besten Weinen nicht beim Diskonter im Regal stehen möchte. Aber wir hier im Merkur Hoher Markt, wir sind kein gewöhnlicher Supermarkt, sondern ein ganz tolles Feinkostgeschäft. Wer mal hier war, denkt darüber nach.


Herr Schmid, danke für das Gespräch!




ZUR PERSON
Herbert Schmid (57) ist gebürtiger Waldviertler und lebt in Wien. Er ist seit 31 Jahren verheiratet mit Elisabeth und hat zwei erwachsene Söhne (27 und 29 Jahre). Die Arbeit ist sein Hobby, daneben fährt er gerne Rad, kocht und geht leidenschaftlich gerne gut essen. Einen Lieblingswein hat er nicht: „Alles was gut ist, trinke ich gerne und wenn ich mit Freude eine Flasche leere, dann war es ein guter Wein!“


WEINBAR MERKUR
HOHER MARKT
Eröffnet im Oktober 2016 im Merkur-Flagshipstore in 1010 Wien, Hoher Markt. Das Sortiment umfasst rund 1.200 Positionen, davon etwa 25 wechselnd auch glasweise. Jede Flasche Wein kann gegen ein Servicepauschale von 7,00 Euro in der Bar konsumiert werden. Kleine, feine Speisekarte, gereifter Käse vom Wagen.
Öffnungszeiten: MO–FR von 12.00 bis 22.00 Uhr, SA von 12.00 bis 
18.00 Uhr.

www.merkurhohermarkt.at


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