Weinhändler „Just Taste“ ist endgültig pleite

Weinhändler „Just Taste“ ist endgültig pleite

Weinhändler „Just Taste“ ist endgültig pleite

Für Insider nicht verwunderlich, schlitterte der Weinhandels-Newcomer „Juste Taste“ nach der eröffneten Insolvenz nun endgültig in die Pleite. Der Versuch der Sanierung und Fortführung ist wenige Wochen nach Insolvenzeröffnung bereits Geschichte.

Nach dem überraschenden Ableben von Dietmar Pirolt, einem der beiden Geschäftsführer, ist „Just Taste“ in eine massive Liquiditätskrise geschlittert. Der verbliebene Geschäftsführer Oliver Sartena musste Insolvenz anmelden und einem Sanierungsverfahren ohne Selbstbestimmung zustimmen. Nun warf er das Handtuch, die Schuldenlast war zu hoch, die Perspektiven einer Sanierung nicht ersichtlich. Die Sommerflaute in dem Geschäft tat ein übriges.

„Just Taste“ steht zum Verkauf, ob sich Interessenten für den Gesamtbetrieb finden, darf bezweifelt werden. Einerseits geht es um den in Aufbau befindlichen Online-Handel, andererseits um die erst im Frühjahr 2017 eröffnete Bar am Wiener Stubenring. Der Standort ist sicher verwertbar, das wird aber „Just Taste“ nichts bringen, da es sich um ein (teures) Mietlokal handelt.

Oliver Sartena war jahrelang im Marketing von Wein & Co in leitender Funktion tätig, wo er vor zwei Jahren ausschied. Seit damals tüftelte er mit seinem verstorbenen Partner an einem Konzept eines neuen Weinhändlers, basierend auf einer Online-Plattform zum Versand der Weine und einem Standort-Handel samt Gastronomie an der Topadresse Wien, Stubenring.

Von sogenannter Fachpresse und der Weinszene wurde das neuen Konzept ungeprüft gefeiert. Vinaria hielt sich dabei stets zurück, weil die Redaktion das „Just Taste“-Konzept immer kritisch sah. Es basierte letzlich auf der Idee, Weine in Kleinstflaschen von weniger als 0,2 Liter Menge zur Verkostung zu versenden und den Kunden in weiterer Folge Appetit auf mehr zu machen. Eine eigene Schankanlage wurde teuer konstruiert, die Weine in die Miniflaschen umgefüllt, da kaum ein Winzer diese Gebinde abfüllt. Viel Geld wurde ins Marketing und in die Produktion eigener Versandverpackungen gesteckt.

Im Lokal am Stubenring wurde ähnlich verfahren: in einer ebenfalls eigens konstruierten Schankanlage wurde ein große Zahl von Weinen glasweise in Miniportionen zur Verkostung angeboten, anfangs bis zu 200 verschiedene Weine. Dazu wurden bereits Filialen in Berlin und Hamburg geplant….

Insider waren über die akuten Probleme von „Just Taste“ schon nach wenigen Wochen nicht verwundert. Das Konzept hätte möglicherweise in Millionen-Metropolen wie London funktioniert, in Regionen ohne eigene Weinkultur und –tradition. Sicher nicht aber in Österreich oder in der Weinstadt Wien. Die Bevölkerung hierzulande braucht keine Verkostungen in Schluck-Form. Die meisten Österreicher verfügen über gutes Wein-Basiswissen, haben ihre Lieblingssorten und meist auch –winzer, sind imstande, ganze Gläser zu trinken und Wein in Flaschen zu kaufen. Die vor der Haustüre liegenden Weinregionen, die Heurigenkultur, aus ausgepägte Weinangebot in Lokalen und im Lebensmittelhandel – alles Gründe, warum das Konzept von „Just Taste“ wahrscheinlich zum Scheitern verurteilt war.

Zurück