Willi Klingers „Ode an den G’spritzten“

Willi Klingers „Ode an den G’spritzten“

An G‘spritzten für Michl und mich!

Für meinen alten Kumpel Michl und mich geht nichts über einen guten G’spritzten. „Spritzwein“ nennt er diese köstliche Erfrischung liebevoll, und je wärmer es draußen wird, desto größer wird das Verlangen nach diesem österreichischen Urlongdrink, unserem Identitätsstifter und Labsal an heißen Tagen. Das Leben ist hart genug.
Über alle anderen Erwägungen triumphiert die Gewissheit, dass nur saubere, nicht zu schwere Weltweine aus besten Rieden auch im spritzigen Aggregatzustand überzeugen. Auf aperolimprägnierten Frizzante können wir verzichten. Auch Hugos sind bestenfalls für den Hugo, aber nichts für Michl und mich, wenn ein frischer, junger Veltliner, Welschriesling oder Gemischter Satz seine kongeniale Verbindung mit dem zischenden Inhalt einer Syphonflasche eingeht.

Bevor ich meinen herrlichen Spritzer mit bunten Essenzen entstelle, variiere ich den Wein, wie seinerzeit, als ich noch nach jedem großen Menü in Österreichs berühmtesten Haubenrestaurant mit dem legendären Patron des diesbezüglichen Mekkas genüsslich eine Zigarette rauchte und von ihm die Vorzüge eines Muskatellerspritzers mit seiner traubigen Pikanz schätzen lernte. Dabei fiel mir regelmäßig ein, dass die Steirer den Mineralspritzer „Mischung“ nennen, was drunten an der Weinstraße meistens wie „Maischung“ klingt.

Ich weiß schon, man kann Vieles spritzen: Weißburgunder (kann sehr fein sein!), Frühroten Veltliner, Müller-Thurgau und so fort. In meiner Jugend war in unserem Wirtshaus auch ein roter Spritzer eine ganz normale Bestellung. Das verleitete die Mutter eines Freundes, die in Ermangelung von Besserem einen Mouton-Rothschild köpfte, dazu, ihn zu spritzen, weil er gar so herb war. Ein Rothschild-Spritzer sozusagen, wobei ein gewöhnlicher Zweigelt sicher einen besseren Spritzer-Rot abgegeben hätte.

Dennoch, der Klassiker ist ein Spritzer ganz in weiß gehalten. Er besteht zu 92,5% aus Wasser. Da versteht man, dass das Bisserl Alkohol darin von wirklich gutem, österreichischem Wein stammen muss, damit das Ganze seriös wird. Dann wäre die Sache geritzt, äh, gespritzt.

Na dann, Michl, sollst leben! Auf uns!
Dein Willi.

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